Mitarbeiter des Bodenpersonals am Flughafen entladen eine Lufthansamaschine. Reiserückkehrer sollen sich an den Berliner Flughäfen für einen Coronaschnelltest bereithalten.
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BerlinEnde voriger Woche wollte Michael Müller einmal schnell und forsch sein. „Ziel ist es, dass wir zum Beginn der kommenden Woche auf den Flughäfen Covid-19-Teststellen anbieten können“, sagte der Regierende Bürgermeister (SPD). Müller reagierte damit auf den Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern von Freitag. Demnach sollen sich alle Reisenden, die aus Risikogebieten wie der Türkei, den USA oder rund 130 weiteren Staaten einreisen, am Ankunftsflughafen freiwillig und kostenlos auf Corona testen lassen können. So könnten sie der vorgeschriebenen 14-tägigen häuslichen Quarantäne entgehen. Offen ist allerdings, wie Berlin das stemmen will. Und vor allem, was genau Müller mit „zu Beginn der kommenden Woche“ meint.

Dieser Montag kann damit nicht gemeint sein, denn bisher gibt es weder in Tegel noch in Schönefeld solche Teststellen. Wahrscheinlich werde frühestens ab Mittwoch geregelt getestet werden können, heißt es von mehreren Seiten.

Tatsächlich haben sich Vertreter der Charité, die zusammen mit dem landeseigenen Krankenhauskonzern Vivantes zuständig sein soll, am Donnerstag in Tegel und am Freitag in Schönefeld nach geeigneten Räumen umgesehen. Doch im Moment ist noch nicht bekannt, wie und wo genau eine Schleuse eingerichtet werden kann, durch die sich täglich Hunderte – wenn nicht Tausende – zum Testen begeben können. Der morgige Flugplan für Tegel und Schönefeld sieht allein 19 Landungen aus Risikogebieten vor. Geht man von einer Beladung mit durchschnittlich 150 Passagieren pro Flugzeug aus, könnten sich fast 3000 Menschen testen lassen. Dafür sind an beiden Flughäfen große Wartekapazitäten nötig, Abstandsregeln inklusive.

Weitgehend unklar ist auch noch, wer die Testungen konkret vornehmen soll. Eine Sprecherin der Charité sagte am Sonntag auf Anfrage der Berliner Zeitung, dass man derzeit noch dabei sei, Schichtpläne zu schreiben und Personal zu akquirieren. Auch dazu hat Regierungschef Müller einen Vorschlag: Studentische Hilfskräfte und Personal aus „seinem“ Arbeitsmarktprogramm Solidarisches Grundeinkommen könnten dafür eingesetzt werden.

Zunächst ergibt sich auch vom künftigen Ablauf in den Flughäfen noch ein recht diffuses Bild. Demnach werden nach Worten der Berliner Gesundheitssenatorin und Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferenz, Dilek Kalayci (SPD), die sogenannten Aussteigerkarten für Rückkehrer aus Risikogebieten wieder eingeführt – jedoch nicht mehr auf Papier, sondern künftig digital. Diese Aussteigerkarten sollen stichprobenartig kontrolliert werden. Außerdem sollen Bundespolizisten die Ankommenden auf das Test-Angebot hinweisen.

Sicher ist immerhin der konkrete Ablauf nach dem Abstrich. Einreisende müssen sich laut Infektionsschutzverordnung anschließend nach Hause begeben und dort auf das Testergebnis warten, das nach zwei bis drei Tagen da sein sollte. Fällt der Test negativ aus, kann man die Quarantäne verlassen. Fällt er positiv aus, muss man sich beim zuständigen Gesundheitsamt seines Bezirks melden.

Darüber hinaus gibt es jedoch neue Unwägbarkeiten. So haben sich die Gesundheitsminister dafür ausgesprochen, dass sich auch Reisende aus den europäischen Urlaubszielen testen lassen können, die bisher nicht als Risikogebiete geführt werden, wie Senatorin Kalayci mitteilte. Den letzten Anstoß gaben Meldungen, dass etwa in der spanischen Provinz Katalonien wegen gestiegener Infektionszahlen die Beschränkungen wieder verschärft werden.

„Reisende aus Nicht-Risikoländern können sich innerhalb von 72 Stunden nach Rückkehr testen lassen“, erklärte Kalayci. Allerdings nicht an den Flughäfen. Ebenfalls nicht gemeint sind die 30 Covid-19-Praxen der Stadt, die akut Erkrankte behandeln. Infrage kommen stattdessen Vertragspraxen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die überhaupt dazu bereit sind, Patienten zu testen.

Komplett unklar ist, ob ein Test nach Rückkehr verpflichtend werden könnte. Zunächst soll es keine Pflicht geben, dies werde aber weiter geprüft, hieß es von der Ministerkonferenz.

Nur über die Kosten ist man sich offenbar einig: Die Laborkosten für alle Tests sollen die Krankenkassen übernehmen, die Kosten für den Aufbau der Infrastruktur – vor allem an den Flughäfen – die Länder.