Himmelsanblick Berlin am 1. Dezember/23 Uhr, 15. Dezember/ 22 Uhr, 31. Dezember/21 Uhr.
Foto: BLZ/Hecher; Stiftung Planetarium Berlin

Berlin Ruhig und besinnlich startet der Dezember, zumindest astronomisch. Der Planet Venus strahlt am Abendhimmel, Saturn verabschiedet sich langsam von der Himmelsbühne, während der Götterbote Merkur und der Rote Planet Mars am Morgenhimmel gemächlich ihre Bahnen ziehen. In der irdischen Welt artet die exponentiell anwachsende Zahl an Festivitäten und Aktionen in Kindergarten, Schule, Betrieb und Familie zunehmend in Hektik aus.

Der Blick an den Himmel zeigt dagegen trotz brodelnder Sterne, einschlagender Kometen und gefräßiger Schwarzer Löcher die immerwährende Ruhe und Besonnenheit des uns umgebenden Universums – und lädt zum Innehalten ein. Dank der kurzen Tage und langen Nächte bleibt dafür im Dezember viel Zeit.

Tim Florian Horn

ist Direktor des Zeiss Großplanetariums,
Prenzlauer Allee 80

Wir erreichen das astronomische Bergfest, die Wintersonnenwende und damit den kürzesten Tag und längste Nacht des Jahres am 22. Dezember. An diesem Tag geht die Sonne  bereits um 15.54 Uhr unter. Astronomisch beginnt dann der Winter und stellt den eigentlichen historischen Grund für unsere irdischen Festivitäten in dieser Jahreszeit dar.

Saturnringe im Teleskop

Danach werden die Tage endlich wieder länger. Die Schräglage der Erdachse beschert uns die stete und doch wiederkehrende Veränderung der Tageslängen und Unterschiede der Sonneneinstrahlung, die zu den Jahreszeiten auf Erden führen. Während bei uns der Winter beginnt, steht auf der Südhalbkugel der Sommer vor der Tür.

Imposant erstreckt sich das Wintersechseck über den nächtlichen Himmel. Sechs prächtig helle Sterne markieren den Winterhimmel und laden zur Beobachtung ein: Kapella im Fuhrmann, Aldebaran im Stier, Rigel im Orion, Sirius im Großen Hund, Prokyon im Kleinen Hund und Kastor in den Zwillingen. Doch in dieser Doppelspitze wäre eigentlich der Stern Pollux heller und müsste dem Wintersechseck zugerechnet werden.

Möge auch hier die gewählte Doppelspitze die helleren Sterne hervorbringen. Die Farbe der Sterne kann uns viel über die Sonnen am Himmel erzählen, so auch über die Oberflächentemperatur. Im Inneren der Sterne wird Wasserstoff zu Helium fusioniert. Die dabei frei werdende Strahlung können wir über Lichtjahre hinweg beobachten. Rote Sterne wie Beteigeuze oder Aldebaran sind vergleichsweise kühl, gelbe im gesunden Mittelmaß, weiße und gar blaue Sterne sind besonders heiß – wie Sirius.

Nachbarplanet Venus wieder am Abendhimmel

Denn auch Sterne durchwandern einen Lebenszyklus, wenn der erste Kernbrennstoff aufgebraucht ist und im Kern die Fusion schwerere Elemente bis hin zum Eisen zusammenbackt. Dezent arbeitet sich unser Nachbarplanet Venus zurück an den Abendhimmel. Sie wandert durch das Sternbild Schütze und wechselt am 19. Dezember in den Steinbock. Am 1. Dezember geht die Venus um 17.27 Uhr, zum Monatsende erst um 18.51 Uhr unter.

Im Fernrohr, sogar schon im Feldstecher, offenbart sich ihre wahre Gestalt, da sie als von der Erde aus gesehen innerer Planet Beleuchtungsphasen aufweist. Im Dezember nimmt das zu beobachtende Venusscheibchen leicht an Durchmesser zu, während ihre Sichel immer schmaler wird. Vielleicht das Einzige, was im Dezember abnehmen wird. Am 11. Dezember wandert Venus am Planeten Saturn vorbei – ein lohnender Anblick, um den Ringplaneten im Fernglas zu erspähen.

Denn dieser macht sich, ebenfalls im Sternbild Schütze stehend, rar und ist nur bis zur Monatsmitte zu beobachten. Saturn geht am 1. Dezember um 18.34 Uhr unter, am 15. Dezember um 17.46 Uhr. Schon im kleinen Teleskop können die vielen Ringe beobachtet werden, die aus unzähligen Eis- und Gesteinsbrocken bestehen, allgemein als der Saturnring bekannt. Neuerdings hält Saturn mit 82 bekannten Monden den Rekord an kosmischen Begleitern im Sonnensystem – noch vor Jupiter, dem größten Planeten des Sonnensystems.

Geysire beim Saturnmond Enceladus

Hier draußen weit von der Sonne entfernt sind es frostige minus 130 Grad Celsius. Dennoch können beim Saturnmond Enceladus riesige Geysire beobachtet werden, die große Fontänen von flüssigem Wasser ins All schießen. Gezeitenkräfte walken das Innere des Mondes durch und liefern somit wohl ausreichend Wärme für einen großen Ozean unter der Oberfläche. Die Sternkarte zeigt den Sternenhimmel über Berlin für Nachtschwärmer etwas später in der Nacht: Am 1. Dezember um 23 Uhr, am 15. Dezember um 22 Uhr und am 31. Dezember um 21 Uhr.

Über dem Nordosthorizont steht das Sternbild des Großen Bären als immerwährender Wegweiser zum Polarstern. Einen Teil des Sternbildes kennen wir gemeinhin als Großen Wagen. Verbindet man die hinteren beiden Sterne des Wagenkastens und verlängert diese Linie fünfmal nach oben, erreicht man den Polarstern. Zieht man die kürzeste Verbindung zum Horizont, findet man die Nordrichtung.

Verlängert man die gedachte Linie über den Polarstern hinaus, erreicht man das Himmels-W, das Sternbild Kassiopeia, die als eitle Königin den Weg zu den Sternen gefunden hat. Das Sternbild des Himmelsjägers Orion in südlicher Richtung bleibt eines der schönsten und eingängigsten Sternbilder des Himmels. Dennoch ist Fantasie gefragt, um aus der Reihe der drei Sterne einen Gürtel zu erkennen. Die zwei hellen Sterne „oben“ stellen die Schultern dar und die zwei Sterne Rigel und Saiph die Knie.

Orionnebel

Hier finden wir auch das berühmte Sternentstehungsgebiet M42, den Orionnebel. Dort können wir mit Teleskopen nahezu direkt bei der Entstehung neuer Sterne zuschauen. Um Aldebaran zu finden, eignet sich der Gürtel des Orion als Wegweiser. Verlängert man diesen nach oben, erreicht man den gesuchten Stern inmitten des Sternhaufens der Hyaden. Verlängert man die Sternreihe gen Horizont, findet sich der Stern Sirius im Sternbild Großer Hund. Sirius ist der hellste Fixstern am Himmel und befindet sich in nur knapp neun Lichtjahren Entfernung.

Auf weitere Planeten müssen wir bis in die frühen Morgenstunden warten. Den Anfang macht Mars, der im Sternbild Waage nahezu konstant um 5 Uhr aufgeht. Deutlich rötlich leuchtend ist es hier nicht die Temperatur, die die Farbe bestimmt, sondern nur Eisenoxid im Gestein und Sand. Wir sehen über Millionen Kilometer Entfernung einen verrosteten Planeten, auf dem es im Schnitt null Grad Celsius warm ist. Der Planet Merkur gibt eine kurze, aber prägnante Himmelstournee, bis er am 12. Dezember unbeobachtbar wird.

Am 1. Dezember geht er um 5.59 Uhr auf, am 12. Dezember um 6.45 Uhr. Bis zum Sonnenaufgang bleibt jeweils wenig Zeit. Der innerste Planet des Sonnensystems umrundet in nur 88 Tagen unsere Sonne, sodass er von der Erde aus gesehen nicht nur schnell unterwegs ist, sondern auch nie einen großen Winkelabstand zu unserem Stern erreichen kann.

Vollmond am 12. Dezember

So dicht an der Sonne sind es auf der Tagseite des Merkur wohlige 430 Grad, auf der Nachtseite ohne eine wärmende Atmosphäre direkt minus 170 Grad Celsius. Möge uns immerhin der Mond die kalten Nächte erhellen, der seine Phasengestalt seinem Orbit um die Erde verdankt und doch nur das Sonnenlicht reflektiert.

Am 4. Dezember steht die Sichel des zunehmenden Halbmondes (erstes Viertel) am Abendhimmel, der Vollmond erleuchtet die Nacht am 12. Dezember, der abnehmende Halbmond (letztes Viertel) wird am 19. Dezember erreicht, am 26. Dezember bleibt der Mond als Neumond zwischen Sonne und Erde verborgen. Auch hier schlägt ohne eine Lufthülle die Beleuchtung der Sonne direkt durch, am Mondtag sind es 140 Grad, in der Mondnacht minus 160 Grad Celsius.