Die kleine Lotta braucht derzeit kaum noch einen Rollstuhl.
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Potsdam Sie plappert munter drauflos, wie es Kinder immer machen. Das kleine Mädchen braucht kaum noch den Rollstuhl. Nach einer Therapie in Thailand kann Lotta wieder besser laufen und sehen. Erstmals hat das todkranke Mädchen, das jetzt fünf Jahre alt wird, Wolken am Himmel erkannt.

Lotta hört sich ein wenig traurig an, als sie ihre Mutter mit Fragen bombardiert. Warum sie keine Geschenke bekomme, will sie wissen. Der Opa habe ihr das gesagt. Ob das stimme, fragt das Kind. Sandra Rathgeber, Lottas Mutter, muss schmunzeln, als sie ihre kleine Tochter beruhigt. Der Opa habe doch nur gesagt, dass es heute noch keine Geschenke gebe, sagt sie erklärend. Erst müsse sie noch ein paar Mal schlafen. Dann aber.

Am Mittwoch hat Lotta Geburtstag. Sie wird fünf Jahre . Noch vor wenigen Monaten war unklar, ob der kleine Wirbelwind den Tag überhaupt bewusst erleben würde. Der 34-jährigen Mutter  kommen noch immer die Tränen, wenn sie ihr kleines Mädchen sieht. „Es geht ihr so gut“, sagt die gelernte Altenpflegerin. Sie hoffe nur, dass Lottas Krankheit nicht wieder weiter voranschreite.

Das lebensfrohe Mädchen hat spastische und spinocerebelläre Ataxie, eine Krankheit, an der weltweit sehr wenige Menschen leiden. Sie zerstört die Nervenzellen, führt zum Tode. Im Februar vorigen Jahres erhielt die Mutter von den Ärzten die furchtbare Diagnose.  Lotta konnte immer weniger sehen, immer schlechter laufen.

Stammzellentherapie in Thailand

Eine Therapie in Deutschland gibt es nicht. Doch Sandra Rathgeber, alleinstehende Mutter von vier Kindern, gab nicht auf. Sie suchte Hilfe. Und fand eine Klinik in Thailand, die für die Erkrankten eine Stammzellentherapie anbietet. Eltern betroffener Kinder konnten Lottas Mutter nur zuraten – zumindest den Verlauf der Krankheit würden die Therapie  stoppen.

Doch die Krankenkasse bezahlt die 30.000-Euro-Therapie nicht. Lotta und ihre Familie waren auf Spenden angewiesen. Und die Hilfsbereitschaft war riesig. Im August flog Lotta mit ihrer Mama für drei Wochen nach Thailand.

Seitdem ist in das Leben von Lottas Mutter wieder ein wenig Hoffnung getreten. „Es ist unglaublich“, sagt Sandra Rathgeber zu  den Fortschritten, die ihre Jüngste macht. Ihr Kind könne seit der Rückkehr aus Thailand in eine Integrations-Kita gehen, und es fühle sich dort sehr wohl.  Lotti brauche ihren Rollstuhl nicht mehr wirklich.

Und Lotta nimmt nun Dinge wahr, die sie vorher nicht mehr sehen konnte.  „Neulich hat sie auf den Himmel gezeigt“, sagt die Mutter. Ihre Tochter habe das erste Mal Wolken gesehen. Und als sie zum Opa fuhren, staunte Lotta über die Kühe, die an der Landstraße standen. „Es ist eigentlich etwas ganz Normales, aber ich bin so glücklich, dass auch Lotti das endlich alles sehen kann.“

Feiern im Zoo - und Eisessen

Sandra Rathgeber, die seit einigen Wochen wieder arbeitet – als Kassiererin in einem Rewe-Supermarkt – hat nun die Hoffnung, dass die Krankenkasse die Therapie für ihre kleine Tochter übernimmt. Ein Anwalt wolle ihr dabei helfen.  

Aber zunächst steht erst einmal Lottas 5. Geburtstag an. Dem Mädchen wird der größte Traum erfüllt: Es bekommt ein Trampolin mit einer Stange zum Festhalten. Die ganze Familie wird mitfeiern. Lotta wolle schwimmen oder in den Zoo gehen. Und auch Eisessen stehe ganz oben auf der Liste, sagt die Mutter.

Lottas Geschwister, 16, 13 und 10 Jahre alt, werden von der Schule befreit sein – um den Tag mit dem kleinen Mädchen zu begehen. „Wer weiß, wie lange wir Lotta noch haben“, sagt Mutter Sandra Rathgeber. Sie hat dabei Tränen in den Augen.