Das Eingangsportal zur Berliner Stadtbibliothek in der Breiten Straße in Mitte.
Foto: Imago Images/Rolf Zöllner

BerlinVollmundig war die neue Internetseite der Berliner Öffentlichen Bibliotheken angekündigt: „Licht aus – Spot an!“ Eine Woche lang war die Webseite www.voebb.de abgeschaltet, um eine Überarbeitung des Internetauftritts zu ermöglichen. Da der Server auch mit den Bibliotheken verknüpft ist, mussten auch die mehr als 80 Einrichtungen eine Woche lang schließen. Am Montagmorgen wurde aus dem Spotlight eher ein Stroboskopblitz: Nach kurzem Surfen auf der Webseite stürzte diese ab und es hieß: „Ende der Sitzung“. Die Nutzer mussten neu starten. Mittlerweile funktioniert die Seite nun aber ohne Probleme.
  

„Wir forschen in verschiedene Richtungen, was der Grund ist“, sagte Sprecherin Anna Jacobi zum holprigen Neubeginn. Möglicherweise sei die hohe Serverbelastung an den Abstürzen schuld. Am Nachmittag war der Fehler noch nicht behoben. Auf der Seite hieß es weiterhin: „Öffentlicher Betatest“ und nach Sucheingaben „Wartung! Das Internetangebot des VÖBB ist für Wartungsarbeiten abgeschaltet“.

Lesen in Zahlen

  • 81 selbstständige Bibliotheken gibt es in Berlin
  • 414.000 Berliner hatten 2018 einen Leseausweis
  • 7,5 Millionen Medien zählte der Gesamtbestand

„Notfalls machen wir um 20 Uhr einen Neustart. Dann sind die meisten Bibliotheken geschlossen“, kündigte Anna Jacobi an. In den nächsten Tagen solle die Webseite laufen. Trotz der Probleme konnten beharrliche Nutzer schon sehen, was sie in Zukunft erwartet: eine helle, freundliche Website. Der neue Seitenkopf ist grafisch gestaltet. Kinder spielen dort scheinbar auf einem aufgeschlagenen Buch, Nutzer sitzen in Regalen oder unterhalten sich vor einem E-Reader.

Darunter befindet sich ein weißer Balken für Suchbegriffe. Die Recherchen  können sofort eingeschränkt werden nach Suchen im Gesamtbestand, in der Fernleihe oder in einzelnen Bibliotheken. „Das Suchfeld ist auf jeder Seite zu finden“, sagte Moritz Mutter, Projektleiter Digitale Welten im VÖBB-Servicezentrum. Bei der Neugestaltung orientierte sich der Verbund an dem allgemeinen Suchverhalten im Internet und an wissenschaftlichen Recherchen.

Mehrere Bibliotheken abrufbar

„Die Menschen suchen erst breit und schränken dann die Treffer ein“, sagte er. Neben den bekannten Kategorien wie Medienart, Schlagwort oder Erscheinungsjahr steht die Auswahl von einer oder mehreren Bibliotheken gleichzeitig zur Verfügung. Die Anzahl an Treffern, die eine Suche hervorbringt, ist ab sofort nicht mehr beschränkt. „Früher war etwa bei 32.000 Schluss“, sagt Mutter. Wer jetzt „Berlin“ als Suchwort eingibt, erhält rund 984.000 Ergebnisse und kann mit Hilfe der Filter eingrenzen, was sie oder ihn interessiert.

Ebenfalls neu ist der Reiter „Fernleihe (deutschlandweit)“, der neben dem Bibliotheksbestand zu finden ist. Diese Suche läuft anders als früher nun automatisch mit. Das Highlight der überarbeiteten Seite ist aber für Mutter die zeitgleiche Artikelsuche, die integriert wurde. Unterm Stichwort „Berlin“ sind fast 160.000 Artikel gelistet. „Rund 20 Millionen Datensätze aus den vergangenen zwei Jahren werden hier zur Verfügung stehen“, sagte er.

Noch beschränktes Angebot

Noch ist das Angebot auf Artikel von 2019 beschränkt. Das neue System ist zudem schlauer als das alte. Es erkennt Tippfehler. Wer „Charles Dickns“ statt Charles Dickens eingibt, erhält trotzdem 1527 Treffer. Auch Ergänzungen wie das fehlende Wort „is“ bei „All you need love“ macht das System automatisch. „Null Treffer bei den Suchen werden seltener vorkommen“, sagte Mutter.

Interaktive Berlin-Karte Weitere neue Features sind die Titelcover, die – soweit digital vorhanden – angezeigt werden, und Merklisten, die Besucher von ihren Recherchen anlegen können. Zudem gibt es eine Berlin-Karte, auf der die nächste Bibliothek in Laufweite schnell ausgemacht werden kann und darunter eine Liste mit allen Bibliotheken.

Bei den Nutzern kam die Seite am Montag gut an. „Sie ist optisch besser lesbar, breiter angelegt. Das gefällt mir“, sagte Charles Fuchs in der Berliner Stadtbibliothek. „Sie ist pflegeleicht und alles ist auf einen Blick zu sehen“, fand auch Regine Linde. Bibliothekarin Martina Vorpahl lobte die neue Webseite als „übersichtlicher und kontrastreicher“. Jetzt muss sie nur noch ordentlich laufen.