Berlin - Viele Berliner Schulen werden bald zu lärmenden Baustellen. Denn stadtweit beginnt eine Großsanierung. Es ist eine der großen Herausforderungen, die oft jahrelange Auslagerung von Schülern in den nächsten Schuljahren zu managen. Einige Bezirke haben sich bereits Dutzende von Containern beschafft, um die Schüler während der laufenden Bauarbeiten dort lernen zu lassen.

Besonderen Belastungen werden die Kinder und Pädagogen der Kreuzberger Lenau-Grundschule ausgesetzt sein. Ihr marodes, 1981 fertiggestelltes Schulgebäude in der Nostizstraße wird wegen Asbestbelastung abgerissen. Die knapp 500 Schüler werden über drei Jahre an zwei Schulstandorten unterrichtet.

Erst- bis Drittklässler besuchen dann die nahe Lina-Morgenstern-Gemeinschaftsschule, die älteren Grundschüler wechseln zur Freiligrath-Sekundarschule in die Bergmannstraße. „Wir verdoppeln uns einfach so“, sagt Anke Schmidt, Leiterin der Freiligrath-Schule. „Unser Raumkonzept müssen wir komplett überarbeiten.“

Elternausschuss hat andere Vorstellungen

Die Planer prüfen gerade, ob sie bestimmte Räume teilen können, indem sie Rigipswände einziehen. Die Auslagerung der Grundschüler startet zum Sommer 2020. „Die Auslagerungszeit beträgt nach der bisherigen Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die Bauherrin ist, drei Jahre“, teilte Andy Hehmke (SPD), Schulstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, auf Anfrage mit. 

Schulleiterin Schmidt führt bereits jetzt Gespräche mit den Kollegen von der Grundschule, um sie besser kennenzulernen. Man könne sich aber eh kaum aus dem Weg gehen, weil der Schulhof recht klein sei, heißt es an der Schule. Die Lina-Morgenstern wiederum soll später zusammen mit der Lenau-Grundschule eine Gemeinschaftsschule bilden. 

Stadtrat Hehmke jedenfalls freut sich auf den Schulneubau samt Lernlandschaften, dezentralen Lernhäusern und großzügiger Turnhalle „Statt bisher drei wird es sogar sechs Hallenteile für den Sport geben“, sagte er. Allerdings gibt es im Bezirkselternausschuss offenkundig andere Vorstellungen. Die Eltern wollen das Gebäude der ehemaligen Rosegger-Schule im Bergmannkiez als Ausweichquartier nutzen. Doch der Bezirk, insbesondere die Grünen, sehen dort eher ein Kulturzentrum und haben schon Teile der Musikschule einquartiert. Doch die Räume seien nicht ausgelastet, heißt es unter Eltern.

Gemeinsames Standortkonzept

Überall in Berlin bereiten die Bezirke Ausweichquartiere vor. Doch die Abstimmung mit der Senatsebene gestaltet sich nicht immer einfach. „Ohne Ausweichstandorte können die Schulen nicht in Gänze saniert werden, ist die Schulbauoffensive in Gefahr“, schrieb etwa jüngst Juliane Witt (Linke), Stadträtin für Facility Management in Marzahn-Hellersdorf. Im vergangenen Dezember haben sich nun alle Ost-Bezirke im Regionalverbund zusammengetan und ein gemeinsames Standortkonzept an die Senatsfinanzverwaltung gesendet.

Allein für Marzahn-Hellersdorf sind drei Ersatzstandorte benannt – an der Sebnitzer Straße in Hellersdorf, der Bruno-Baum-Straße in Marzahn und an der Haltoner Straße in Biesdorf. Dort wäre jeweils Platz für eine fünfzügige Oberschule, auch benachbarte Bezirke könnten diese nutzen. Geplant ist dort, etwas bessere, mit Holz ausgestattete Container einzusetzen. Auch Reinickendorf überlässt dem Bezirk am Uranusweg ein Areal für Containerbauten im Schatten der Autobahn A111.

Keine zentrale Container-Reserve

Auch andere Bezirke und Regionalverbünde arbeiten an Konzepten. Dabei müssen Bezirke und Senat entscheiden, ob sie zentrale Container-Standorte bevorzugen – oder dezentrale Standorte. Für Grundschüler wäre wegen der kürzeren Wege Letzteres angemessener.

Wünschen nach einer zentralen Container-Reserve auf Landesebene hatte Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) bereits eine Absage erteilt. „So etwas wird es nicht geben“, bestätigte eine Sprecherin der Bildungsverwaltung. Die meisten Container hat sich bereits Spandau zugelegt. Sie sollen nur zeitlich befristet zum Einsatz kommen.