Stefan Englisch in seiner Garage, aus der er Heizpilze verkauft und verleiht. Auch er muss in der Corona-Krise kämpfen.
Foto: BLZ/Gerd Engelsmann

Berlin-TreptowEr kann jetzt gute Geschäfte machen: Stefan Englisch,36, der neben den Baumärkten mit seiner Firma Heizstrahler-Verleih Berlin einer der wenigen Anbieter von Heizpilzen in der Stadt ist. Die Wärmespender lagern in einer einstigen Lkw-Garage auf dem Flugfeld in Johannisthal, wo Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten Fluggeräte in Berlin abhoben. Seine Ware ist derzeit heiß begehrt, so der Unternehmer. Vor allem bei den Berliner Wirten, die nach jahrelangem Verbot wieder Heizpilze in den Außenbereichen ihrer Lokale aufstellen dürften, um so in der Corona-Krise auch im Herbst und Winter mehr Gäste bewirten zu können. Vorausgesetzt, die Bezirke stimmen zu.

Im Innenraum der großen Garage hat Englisch 56 Heizpilze stehen. Die mit den Heiztöpfen an der Spitze und auch die elegantere Variante, aus deren Mitte eine Gasflamme herauslodert, die nicht nur für Wärme, sondern auch für eine romantische Stimmung sorgen soll. „Seitdem in Berlin über das Aufstellen der Heizpilze diskutiert wird, fragen bei mir vermehrt Gastwirte danach an“, sagt Englisch.

Schließlich besitzt kaum ein Gastronom in Berlin noch so ein Gerät, wie der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Berlin bestätigt. Heizpilze gelten wegen ihres CO2-Ausstoßes als Umweltsünder. Das Aufstellen vor Lokalen wurde 2009 vor allem für Gastro-Betriebe in der Innenstadt verboten. Bezirke wie Charlottenburg-Wilmersdorf oder Reinickendorf wollen aber das Verbot vorübergehend bis Ende März 2021 aufheben.

Für 389 Euro bietet Englisch die Heizpilze an. „Bereits 18 Heizpilze habe ich in den vergangenen Tagen schon an Wirte verkauft“, sagt Englisch. „In den nächsten Tagen bekomme ich noch einmal 15 Stück, die sind auch bereits verkauft.“ Mit Nachschub rechne er erst in mehreren Wochen. „Die Heizpilz-Hersteller, die etwa in Taiwan ihre Betriebe haben, waren auf die nun stärkere Nachfrage aus Deutschland nicht eingestellt.“ Daher kämen Lieferanten momentan mit den Bestellungen nicht hinterher. Ähnlich groß sei die Nachfrage in den Baumärkten, wo der Heizpilzverkauf gerade startet, wie Verkäufer einiger Märkte der Berliner Zeitung bestätigten. Ob die Kunden nun Wirte oder Privatpersonen sind, sei nicht klar. „Aber der Verkauf läuft gut“, heißt es.

Heizpilz-Anbieter Englisch ist jedenfalls froh, dass das Geschäft für ihn gut startet. Das muss es auch. Auch seine Firma wurde Opfer der Corona-Krise, das Geschäft besteht vorrangig im Vermieten von Heizgeräten, zu denen neben Heizpilzen auch Elektroheizstrahler gehören, die auf Baustellen verwendet werden. Die Ausleihe eines Heizpilzes kostet bei Englisch 47,50 Euro für drei Tage.

Wegen Corona brach das Geschäft ein

Als Mitte März diesen Jahres die Pandemie losging, brach das Geschäft ein, aber nicht wegen des Heizpilzverbotes für Lokale. „Meine Kunden sind vor allem Event- oder Messefirmen, die bei mir die Heizkörper für ihre Veranstaltungen im Freien ausleihen“, sagt Englisch. „Plötzlich war Schluss damit. Die Absage der Internationalen Tourismusbörse war der erste herbe Schlag für mich. Danach sagten die Eventveranstalter ab. Zwischen März bis August nahm ich nur 238 Euro ein. Mit der Wirtschaftshilfe von 9000 Euro habe ich unter anderem erst einmal die Garagenmiete für die nächsten Monate bezahlt.“

Um über die Runden zu kommen, nahm der Unternehmer einen Nebenjob an, arbeitet als Touren-Manager bei einem Kurierdienst. Seit September läuft wieder sein eigener Betrieb. Nicht nur Wirte melden sich bei ihm. „Es kommen auch Leute, die für ihre privaten Geburtstagsfeiern, die sie in ihre Gärten verlegen, Heizpilze mieten“, sagt Englisch. „Selbst ein Club aus Mitte, der nun Partys auf einem eigenen Außengelände feiern will, hat sich schon gemeldet.“ 5100 Euro habe er schon im September eingenommen. Das hört sich erst einmal gut an. „Doch im September vor einem Jahr waren es 9200 Euro“, sagt Englisch. „Ich hoffe auf den Dezember, wenn kleine Firmen eventuell ihre Weihnachtsfeiern im Freien abhalten, meine Heizpilze gebraucht werden.“ Doch mit den neuen, wieder strengeren Corona-Regelungen des Senats wird es wohl nur bei der Hoffnung bleiben.