Der Herr des Trödels: Michael Groß hat zwei der beliebtesten Flohmärkte in Berlin ins Leben gerufen

Berlin - Er kann sich doch nicht davon trennen. Michael Groß hat das Micky-Mouse-Buch wieder vom Verkaufstisch genommen und in einem seiner Kartons verstaut. Eine Kiste mit Platten steht auf seinem Tisch, Cappies und T-Shirts hat er darauf ausgebreitet. Michael Groß ist Verkäufer und Organisator in einem. Er veranstaltet den „Kreuzboerg-Flowmarkt“ in den Prinzessinnengärten am Moritzplatz und den „Nowkoelln-Flowmarkt“ am Maybachufer. Zwischen den Bäumen reihen sich die Stände aneinander, selbst geschneiderte Unterwäsche neben ausrangierten Rollschuhen, auf Holzplatten abgezogene Fotos neben Reiseführern aus den 70er-Jahren.

"Schönes Kreuzberger Mischmasch"

„Ich finde, dass so ein Markt hier in der Gegend noch gefehlt hat“, sagt Michael Groß. „Es ist so ein schönes Kreuzberger Mischmasch.“

Bis vor ein paar Jahren hat der heute 37-Jährige Himmelslaternen auf Märkten verkauft. Eine Palette davon hat er heute noch in seinem Keller stehen, denn als sie in Deutschland verboten wurden, landete der einstige Topseller überall auf der Resterampe.

Michael Groß suchte nach einer anderen Einnahmequelle, kam auf die Idee, in Kreuzberg oder Neukölln Flohmarkt und Designmarkt miteinander zu kombinieren. „Ich wollte niemanden als Verkäufer ausschließen und ein vielfältiges Angebot für die Besucher an einem schönen Ort.“ Er fuhr mit dem Fahrrad durch die Gegend und entdeckte zunächst das Maybachufer am Landwehrkanal in Neukölln für seine Idee. Vom Bezirksamt bekam er die Genehmigung und organisierte im Mai 2010 dort den ersten Markt. „Das hätte ich ohne meine Freunde nicht geschafft“, sagt er, „eine hat meine Internetseite gebaut, eine den Flyer gestaltet, einer hat mir Geld geliehen und die anderen haben mitgeholfen, Plakate zu kleben.“ Knapp ein Jahr später hat er auch noch den Markt in den Prinzesinnengärten aufgezogen.

Vom Kulissenbauer zum Model

Heute haben sich beide Märkte etabliert und sind eine feste Einnahmequelle für Michael Groß geworden. Am 1. und am 3. Sonntag im Monat ist er bei seinem „Nowkoelln Flowmarkt“ am Maybachufer und am 2. und 4. Sonntag in den Prinzessinnengärten – außer an Feiertagen. „Sonntag ist einfach der Tag dafür, die Leute sind auch noch mal entspannter als am Samstag.“ Für den gelernten Mediengestalter ist das Arbeitsleben weniger abenteuerlich, aber auch berechenbarer geworden – mit den Märkten kann er verlässlich seine laufenden Kosten decken. Viele verschiedene Jobs hat er vorher schon gemacht, vor allem in der Filmbranche. Kulissen hat er schon gebaut bei einer Trickfilmfirma, als Tonassistent gearbeitet, Drehbücher geschrieben, selber gedreht und geschnitten. In Werbespots ist er als Model aufgetreten. Aufregend und anstrengend zugleich sei es, sich und seine Ideen immer wieder zu präsentieren und anzupreisen. Jetzt kommen Händler und Privatverkäufer auf ihn zu, um sich einen Verkaufsstand zu sichern.

Um sich von den anderen Flohmärkten abzuheben, treten bei Groß regelmäßig Bands und Musiker auf. Sogar eine CD mit den Gruppen, die auf seinen Märkten gespielt haben, hat er pressen lassen. Sie steht auf seinem Tisch und kostet zehn Euro. Am Stand gegenüber verkauft Sarah Ganter. Sie ist zum vierten Mal hier, hat Krimskrams aus ihrem Keller mitgebracht, verkauft aber auch selbst gemachte Handy-Etuis aus Filz. „Gerade diese Mischung aus Floh- und Designmarkt hier macht die Atmosphäre und bringt auch eine bunte Mischung von Leuten hierher“, sagt die Reinickendorferin.

Gegenüber bei Michael stöbern Interessenten durch die Plattenkiste, wenden sich den Büchern zu, bleiben hängen an einem gelben Cover: Drehbuchschreiben für Fernsehen und Film. „Das ist die Bibel schlechthin, die muss man haben – nur zwei Euro.“ Das Geschäft ist gemacht.