Sterne am Nachthimmel.
Foto: dpa/Philipp Brandstädter

Berlin-Prenzlauer BergFrühling schöner Himmelsfunken! Der Blick in den Kosmos birgt die nötige Ruhe und Einsicht gegen irdische Hysterien und den Drang zum Hamsterkauf. Während auf uns drinnen Jahrhundertvorräte an Nudeln und Dosen auf den Verzehr warten, scheinen draußen die Sterne und Planeten um die Wette.

Zunächst aber beginnt am 20. März um exakt 4.59 Uhr der astronomische Frühling, wenn uns auch meteorologisch kaum ein Winter beschert war. Der Frühlingsanfang und die damit einhergehende Tages- und Nachtgleiche offenbart uns, dass die Erdachse 23,5 Grad gegen die Ebene Sonne – Erde geneigt ist und die Jahreszeiten nur durch diese Schieflage und den sich über das Jahr hinweg verändernde Sonneneinfall entstehen.

Die Natur erfreut sich an dem Mehr an Sonnenlicht und lässt Pflanzen, Tiere, aber auch so manches menschliche Gefühl wiedererwachen. Am 29. März tragen wir dem veränderten Sonnenstand Rechnung und geben uns der Illusion hin, dass mit dem Vorstellen der Uhren um eine Stunde das Tageslicht besser ausgenutzt werden würde, es beginnt die Sommerzeit.

Venus: Die himmlische Nachbarin

Mit jedem Tag werden die Nächte kürzer und damit die Zeit, die wir mit der Betrachtung des nächtlichen Firmamentes verbringen können. Halten wir uns also ran, in den wenigen Stunden der Nacht unser gemeinsames Universum zu erkunden!

Mit Einbruch der Dunkelheit ist der Planet Venus für etwa viereinhalb Stunden als Abendstern unverkennbar. In westlicher Richtung steht unsere kosmische Nachbarin hoch am Himmel und hoch im Kurs. Ihre Wolken, die ein Großteil des Sonnenlichtes reflektieren, sorgen für ihre enorme Helligkeit, die sie im März genauso wie die Dauer ihrer Sichtbarkeit erneut ausbaut.

Der Sternenhimmel im März 2020 (Quelle: Stiftung Planetarium Berlin).
Grafik: Berliner Zeitung/Hecher

Venus ist dabei wenig wählerisch und wandert flink durch das Sternbild Fische, wechselte am 4. März in den Widder und erreicht am 30. März den Stier. Am 24. März bereits erreicht Venus mit 46 Grad ihren größtmöglichen Winkelabstand zur Sonne und findet damit den Höhepunkt ihrer Beobachtungssaison. Am 1. März ging Venus um 22.01 Uhr unter, am 31. März aufgrund der Sommerzeit erst um 0.16 Uhr.

Als römische Liebesgöttin beschworen bleibt sie alles andere als das. 90 bar Atmosphärendruck und Regen aus konzentrierter Schwefelsäure sorgen wenig für neue Freund- oder Liebschaften von Dauer.

Der Monat der kosmischen Begegnungen

Der März ist der Monat der kosmischen Begegnungen. In der Zeit vom 7. bis 10. März wanderte Venus am Uranus vorbei – eine seltene Gelegenheit, diesen abgelegenen Planeten im Teleskop in Augenschein zu nehmen. In der Vergrößerung des Fernrohrs zeigt Venus hingegen eine Phasengestalt, da sie von der Erde aus gesehen als innerer Planet die Sonne umrundet. Am 27. März erreicht Venus die sogenannte Dichotomie, wir beobachten die Halbvenus.

Die Sternkarte zeigt den Sternenhimmel über Berlin später in der Nacht: Am 15. März um 22 Uhr und am 31. März um 22 Uhr Sommerzeit. Über uns steht das Sternbild des Großen Bären als immerwährender Wegweiser zum Polarstern: Einen Teil des Sternbildes kennen wir gemeinhin als Großen Wagen.

Verbindet man die hinteren beiden Sterne des Wagenkastens und verlängert diese Linie fünfmal weiter, erreicht man den Polarstern. Zieht man die kürzeste Verbindung zum Horizont, finden wir die Nordrichtung. Verlängern wir die gedachte Linie über den Polarstern hinaus, erreichen wir das Himmel-W, das Sternbild Kassiopeia, die als zu unstete Königin den Weg zu den Sternen gefunden hat.

Der Frühling bringt Veränderung

Mit dem Beginn des Frühlings geht eine Veränderung des Sternenhimmels einher. Die alten bekannten Sterne und Sternbilder des Winterhimmels verblassen zunehmend in der Abenddämmerung am Westhorizont, während neue Sternbilder die Himmelsbühne betreten.

Unser Blick geht zurück zum Großen Wagen. Nutzen wir die Deichsel als gekrümmten Zeigefinger und verfolgen ihren Schwung weiter, erreichen wir erst den Stern Arktur im Bärenhüter, und weiter gen Horizont Spica in der Jungfrau. Zusammen mit dem hellen Stern Regulus im Sternbild Löwe bilden diese drei das Frühlingsdreieck in Richtung Osten.

Der Löwe besticht als imposantes Sternbild, das im Anblick der Sphinx von der Seite entspricht. Einfacher jedoch ist es, sich hier einen Kleiderbügel, oder gar ein Bügeleisen vorzustellen. Mit zum Frühlingshimmel gehört das Sternbild Nördliche Krone (lat. Corona Borealis), das aus einem markanten Halbkreis aus Sternen besteht.

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Schon von Ptolemäus beschrieben

Das Sternbild gehörte zu den 48 Sternbildern, die bereits von Claudius Ptolemäus beschrieben wurden. Der antiken Mythologie nach wurde die Krone nach so manchen irdischen Heldengeschichten und Verwicklungen an den Himmel geworfen – ein weit höherer kultureller Infektionsradius als heutige Übertreibungen des aktuellen Zeitgeschehens.

Dieser Monat hat uns mit dem 8. März einen großen Feiertag beschwert. Die himmlischen Sphären stimmen mit ein, wenn die Sonne und der Mond das Geschehen am Himmel in Tag und Nacht einteilen. Nur sind es irdische, engstirnige Kategorien, die in unserem wahrlich diversen Universum keine Entsprechung finden.

Von Machos, Fixsternen und Stieren

Selbst im Vergleich zu anderen Sprachen, in denen von der Sonne, oder die Mond gesprochen wird, zeigt der Kosmos eine gewisse Flexibilität. Im Kontrast dazu finden wir am Himmel aber auch den machohaften Himmelskrieger Orion (leicht am kleinen Kopf zu erkennen). Als linker Schulterstern steht der rötlich leuchtende Beteigeuze, der über die letzten Monate einiges an Helligkeit eingebüßt hatte. Es wurde viel über seinen nahen Sterntod spekuliert – nun zeigen die ersten genauen Untersuchungen lediglich große Staubwolken um ihn herum, die sein Licht verdunkeln.

Verlängern wir die drei Gürtelsterne des Orion gen Horizont, finden wir Sirius, den hellsten Fixstern am Himmel. Verlängert man hingegen den Gürtel des Orion nach oben, gelangt man zum rötlich leuchtenden Auge des Stieres, dem Stern Aldebaran. Dieser steht vor dem v-förmigen Sternhaufen der Hyaden, die den Kopf des Stieres markieren. Im Körper findet sich ein weiterer, markanter Sternhaufen: die Plejaden.

Neumond am 24. März

Der Mond bietet uns im März weitere Begegnungen der besonderen Art. Die bekannten Mondphasen entstehen allein durch die Position des Mondes auf seinem Weg um die Erde: Steht er der Sonne gegenüber, strahlt er als Vollmond, steht der Mond zwischen Sonne und Erde, sehen wir nur seine unbeleuchtete Seite, wir sprechen von Neumond.

Der Monat begann am 2. März mit der Sichel des zunehmenden Halbmondes (erstes Viertel) am Abendhimmel, der Vollmond erhellte die Nacht des 9. März, der abnehmende Halbmond (letztes Viertel) kann am Morgenhimmel des 16. März beobachtet werden und am 24. März erreichen wir Neumond.

Besonders schön anzusehen ist es, wenn die Mondsichel am Morgenhimmel des 18. März zusammen mit einer Planetenparade aus Mars, Jupiter und Saturn am Himmel steht. Am 28. März steht der Mond vor den Sternhaufen Hyaden und Plejaden, am sogenannten goldenen Tor der Ekliptik wunderschön am Abendhimmel, um dann am 29. März sogar den Stern Epsilon Tauri in der Zeit von etwa 21.30 bis 22.30 Uhr zu bedecken.

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Jupiter: Der König der Planeten

Auf weitere kosmische Zusammenkünfte müssen wir bis in die frühen Morgenstunden warten. Ab 4.30 Uhr gehen die Planeten Mars, Jupiter und Saturn jeweils im Abstand einer halben Stunde im Sternbild Schütze auf. Bis Monatsende verlagern sich alle ihre Aufgänge auf Zeiten um 3.30 Uhr, respektive 4.30 Uhr Sommerzeit.

Der rote Planet Mars schickt sich an, Jupiter und Saturn zu überholen und wandert am 20. März dicht am Riesenplaneten Jupiter vorbei und am 31. März am Ringplaneten Saturn. Am 30. März wechselt Mars in das Sternbild Steinbock. Als Kriegsgott mit Feuer, Unheil und Blut in Verbindung gebracht, ist es Eisenoxid im Gestein und Sand, das ihm seine Farbe verleiht. Die Wissenschaft hat auch hier die antike Vorstellung der kosmischen Mächte zerstört. Mars bot in der Vergangenheit gar große Ozeane und hätte damit der Erde ähnlich werden können.

Als größter und massereichster Planet unseres Sonnensystems ist Jupiter der wahre König der Planeten und schart unzählige Monde um sich. Bereits ein kleiner Feldstecher ermöglicht es, die vier größten Monde zu beobachten: Io, Euopa, Ganymed und Kallisto sind Eis- und Vulkanwelten für sich, die eine wahrlich spannende Chemie und Physik aufweisen. Unter der Eiskruste des Mondes Europa findet sich wohl ein Ozean aus flüssigem Wasser. Wenn nicht hier, wo dann sollten wir in unserem Sonnensystem nach weiterem – vielleicht intelligenterem – Leben suchen?

Fehlt nur noch der Ringplanet Saturn, der etwas langsamer seine Runden zieht, wenn er am 21. März in das Sternbild Steinbock wechselt. Mit dem Fernglas lassen sich wunderbar seine Ringe beobachten, die erst aus der näheren Betrachtung von Raumsonden ihre wahre Gestalt als unzählige Eis- und Gesteinsbrocken preisgeben.