Ein Polizeiwagen steht vor dem Haus in der Wörlitzer Straße in Marzahn, in der die 38-jährige Homa Z. und ihre Tochter getötet wurden.
Foto: Eric Richard

BerlinEin ganzer Kiez half bei der Suche nach einem Unbekannten, der eine Mutter und ihre Tochter in ihrer Wohnung in der Wörlitzer Straße in Marzahn getötet haben soll. Dazu gab es Mahnwachen und Hilfsangebote für den Ehemann und Vater der Opfer. Auch Ali H., ein Nachbar der Familie, zeigte sich betroffen. Er lud kurz nach der Tat einen Reporter der Berliner Zeitung zu sich ins Wohnzimmer ein, um zu erzählen, was er zu dem Fall wisse. Jetzt sitzt Ali H. in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Er ist der gesuchte Mörder.

 Rückblick: Am 29. Februar werden in einer Wohnung in Wörlitzer Straße die Leichen der aus Afghanistan stammenden 38-jährige Homa Z. und ihrer neunjährigen Tochter Tajala entdeckt. Gefunden wurden sie vom Ahmad Z., Ehemann und Vater der Getöteten. Er war an jenem Sonnabend gegen 17 Uhr von der Arbeit zurückgekehrt. Als er die Wohnungstür aufschließen wollte, blockierte das Schloss wegen eines von innen steckenden Schlüssels.

„Wir haben uns geholfen, wie man das so macht“

Da auf sein Klingeln niemand öffnete, soll er seinen Nachbarn Ali H. um Hilfe gebeten haben. „Wir haben uns immer wieder ausgeholfen, wie Nachbarn das eben so machen“, hatte Ali H. , Vater von zwei Kindern, wenig später in seinem Wohnzimmer erzählt. Im Gespräch wirkte er gefasst und abgeklärt. Auch die beiden Männer sollen die Tür nicht aufbekommen haben. Erst ein Schlüsseldienst konnt das Schloss öffnen. Kurz darauf entdeckte Ahmad Z. die Leichen seiner Frau und seiner Tochter.

„Er hat immer nur ,meine Tochter, meine Tochter’ geschrien“, sagte Ali H. damals der Berliner Zeitung. Er will Ahmas Z. geholfen haben, die Polizei zu alarmieren. Bereits wenig später übernahm eine Mordkommission die Ermittlungen.   Die Arbeit der Spurensicherer gestaltete sich als schwierig: Der mutmaßliche Mörder von Frau und Kind hatte nach der Tat den Inhalt eines Feuerlöschers versprüht. Deswegen startete die Polizei einen Zeugenaufruf.

Der Tatverdächtige trauerte bei Facebook um die Toten

Auch Ali H. teilte auf seiner Facebook-Seite einen privaten Aufruf, in dem unter der Überschrift „Wir trauern“ gebeten wurden, sich an die Staatsanwaltschaft zu wenden, sollte man etwas wissen. Es sei „eine nette und völlig normale Familie“ gewesen, hatte Ali H. der Berliner Zeitung gesagt. Auf die Frage, wer seiner Meinung als Täter infrage kommen könnte, druckste er herum und sprach von einem „seltsamen Verhalten von Ahmad, als er die Leichen seiner Familie entdeckte“. Für Polizei und Staatsanwaltschaft stand unterdessen schnell fest, dass Ahmad Z. unschuldig ist.

Das Lügenkonstrukt von Ali H. stürzte erst am vergangenen Freitag in sich zusammen. Wie genau, ist noch unklar. Die Ermittler der vierten Mordkommission schlugen am Nachmittag im Bezirk Tiergarten zu und verhafteten den 32-Jährigen. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl wegen Mordes aus Habgier ausgestellt. Offenbar hatte H. einen größeren Geldbetrag bei seinen Nachbarn vermutet und wollte diesen rauben. Dabei  habe er erst die Mutter, dann deren neunjährige Tochter getötet, „um seine Tat zu verdecken“, so die Staatsanwaltschaft. Jetzt sitzt Ali H. in Untersuchungshaft.