Zeichnung von Heinrich Zille, 1929: „Wollt ihr von die Blume weg, spielt mit’n Müllkasten!“
Universum-Bücherei/Berlin 1929

Berlin - Ich habe verdächtige Anzeichen an mir bemerkt. Ich wittere überall Ärgernisse. Hat sich da im Supermarkt jemand vorgedrängelt? Gleich mal hingehen und meckern! Warum ruft das Kind auf dem Hof seit fünf Minuten „Mamaaa! Mamaa!“, wie eine Sirene bei Katastrophenalarm? Gleich mal das Fenster aufreißen und „Ruhe!“ brüllen. „Ick gloobe, du wirst zum ollen Meckerkopp“, sagt mein innerer Berliner.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir als Kinder Angst hatten vor jenen Gestalten, die den ganzen Tag am Fenster saßen und schimpfend unser Tun kommentierten. Jedes Haus, jeder Hof besaß solch ein Exemplar. Wir nannten sie Meckeronkels und Meckertanten. Ein Urbild dafür wohl die dicke Frau, die der Berliner Künstler Heinrich Zille vor hundert Jahren malte. Sie guckt aus der Kellertür im engen Hinterhof und brüllt die kleinen Kinder an: „Wollt ihr von die Blume weg, spielt mit’n Müllkasten!“ Aber man kann diese Frau auch verstehen. Es steht wirklich nur eine Blume auf dem Hof, die ein bisschen Freude verbreitet.

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