Schon wenn ich den Schriftzug und die Glastüren sehe, weiß ich: Wenn ich es irgendwann schaffe, meine tiefe Abneigung gegen Elektrofachmärkte in Gleichgültigkeit zu verwandeln, wäre das ein Wunder. Wahrscheinlicher ist, dass sich an der Beziehung zwischen mir und diesen Geschäften nie etwas ändern wird. Weil ich es gar nicht will. Ich will sie nicht mögen dürfen. Und meine Kinder wissen: Wenn ich so einen Laden betrete, weil sie einen Wunsch haben, der sich nur dort erfüllen lässt, dann ist das größte Geschenk der Gang dorthin. Die Fahrt die Rolltreppe hinauf.

Das Kind hat einen Kopfhörer, aber es wünscht sich mit brennendem Herzen und leuchtenden Augen einen neuen. Tolleren. Und weil ich das Leuchten beim Kind liebe, möchte ich ihm diesen Kopfhörer schenken. Es hat alles genau aufgeschrieben: Marke, Modell, jede Menge Buchstaben und Zahlen. Das ist gut, denn allein die Tatsache, dass es drei Regalreihen Kopfhörer gibt, macht mich fertig. Dazu die Wärme, das grelle Licht – ein Verkäufer hat vielleicht meine kurz bevorstehende Ohnmacht geahnt, denn er eilt herbei und fragt, ob er helfen könne. Mit zitternder Hand reiche ich ihm den Zettel. Während er die Reihe abläuft, fällt mein Blick auf die sogenannten „Gaming-Sessel“. Sie sind alle zu groß, zu schwarz und haben Polsterungen an den Stellen, an denen der dauerdaddelnde Mensch sich wohl andernfalls wund sitzen würde.

Ich starre diese Sessel an und denke: Der ganze Irrsinn des 3. Jahrtausends steckt in diesen Möbeln. Möbel für ein Leben vor der Konsole. Während sich draußen, bei allem, worüber man verzweifeln könnte, das echte Leben verschenkt. Man mag einwenden, der eine liest sich in eine andere Welt, der andere zockt eben. Macht ja auch Spaß, wenn es ein gutes Spiel ist. Und schließlich gibt es auch Lesesessel. Dennoch überkommt mich das Gefühl, dass das alles in eine ganz falsche Richtung läuft. Ein ähnliches Gefühl habe ich immer, wenn ich mit Kaffeekapseln konfrontiert werde. So eine werde ich vom Himmel werfen, wenn in ein paar Jahrzehnten ein Kind unten auf der Erde fragt, warum der Planet so kaputt sei. Nur als Beispiel, aber auf kleinstem Raum zusammengefasst. „Na weil wir es schick und bequem haben wollten“, werde ich hinterherrufen, „und schnell“, damit der Gamingstuhl nicht so lange leer bleibt.

Der Verkäufer reißt mich aus meinen düsteren Gedanken und streckt mir den gewünschten Kopfhörer entgegen. Mir gelingt ein Lächeln und ein Danke, bevor ich fliehe vor dem Kulturpessimismus, der gar nicht zu mir passt. Er überkommt mich nur in Elektrofachmärkten und vor Kaffeekapselmaschinen. Manchmal auch, wenn ich diese Smoothies sehe, vier Schlucke Fruchtsuppe in Alu, Bio und gut fürs Kind. Die wünscht sich meines nie, was für ein Glück. Aber einen Kopfhörer, und den bekommt es auch. Die Glastür schließt sich, und das einzig Schöne an einem Besuch im Elektrofachmarkt ist das Wissen danach, ihn hinter sich zu haben.