Die Kassiererin im Biomarkt will mich bestimmt nicht fragen. Aber sie muss. Obwohl sie die Antwort kennt. An diesem Tag beschließe ich, ihr zuvorzukommen. „Guten Tag, ich habe keine Kundenkarte“, sage ich und grinse so breit hinter der Maske, dass sie eigentlich reißen müsste. Die Verkäuferin erwidert: „Guten Tag. Bestimmt wollen Sie auch keine.“ Dann zwinkert sie und erzählt mir, die Waren über den Scanner ziehend, dass der Supermarkt nebenan wegen eines Umbaus schließen wird. „Ob dann alle zu uns kommen? Andererseits, wir haben ja ein ganz anderes Sortiment.“ Wir sprechen über das Für und Wider eines möglichen Kundenansturms, dann verabschieden wir uns mit einem weiteren Lächeln. „Überlegen Sie sich das doch mit der Kundenkarte“ sagt sie. Ich weiß, dass sie es nicht ernst meint und schmettere: „Unbedingt!“

Jetzt, da der Markt nebenan geschlossen ist und nur Licht und Rumoren hinter den Glastüren von seiner weiteren Zukunft künden, denke ich oft an unser kleines Gespräch zurück. Ein Tänzchen war es. „Do a little dance“, sagte eine Freundin kürzlich, nenne man das. Und ich liebe den Ausdruck. Ich liebe auch die deutsche Sprache. Verwende deutsche Wörter, wenn sie genauso passen. Nicht weil ich das Englische nicht mag, aber oft geht der Nutzen von Anglizismen gen null, und sie hören sich nur affig an.

Aber „Do a little dance“ erzählt von mehr als einer Begegnung mit einem fremden Menschen. Es drückt ein Sich-Einlassen aus, das etwas zurücklässt. Ein beglückendes kleines Gefühl. Weil man etwas geteilt hat. Natürlich könnte man sagen: „einen kleinen Tanz wagen“. Doch ist es wirklich ein Wagnis? Da schwingt Schwere mit, obwohl es doch um Leichtigkeit geht. „Do a little dance“ klingt selbst wie ein Tanz. Wegen der beiden Ds und weil das „Little“ hopst auf der Zunge.

Ähnlich und ganz anders verhält es sich mit „keep in touch“. Man würde im Deutschen nie sagen „in Berührung bleiben“. Sondern vielleicht „in Kontakt bleiben“ oder „im Gespräch“. Beides hat etwas Förmliches, und der „Kontakt“ hat sowieso Federn gelassen. Außerdem geht es es eben um mehr, als sich nicht aus den Augen zu verlieren, sondern darum, einander wirklich nah zu bleiben. So höre, lese ich das. Sich zu berühren, auch körperlos. Mit Freundinnen und der Familie ist das recht leicht, wenn man es wirklich will. Um der Welt da draußen mit all ihren Menschen nicht fremd zu werden, hilft schon ein Tänzchen am Kassenband.