Architekt Dieter Bankert (82) in seinem Büro in Dessau.
Foto: Bankert/privat

Berlin-MitteEr ist einer der Besten seiner Zunft. Dieter Bankert. Er gehörte zu den führenden Architekten, nach dessen Entwürfen  die zwei wichtigsten Paläste der DDR erbaut wurden. Er sei froh, dass wenigstens einer davon noch steht, sagt der 82-Jährige der Berliner Zeitung am Telefon. Denn der eine, der Palast der Republik, verschwand 2008 wegen Asbest und aufgrund eines Bundestagsbeschlusses. Der andere ist nun gegen Abrisspläne bestens gewappnet: Der Friedrichstadt-Palast, den Bankert mit erschuf, wurde am Montag unter Denkmalschutz gestellt.

Die Begründung des Landesdenkmalamtes gleicht einer gewaltigen Lobeshymne. Der 1984 eröffnete neue Friedrichstadt-Palast sei als letzter Repräsentationsbau „gleichzeitig Höhe- und Endpunkt der Epoche der DDR-Paläste“, heißt es. „Den verantwortlichen Architekten ist es dabei gelungen, ein künstlerisch einmaliges Gebäude mit hohem Wiedererkennungswert zu schaffen: Anklänge des Jugendstils und Art Déco treffen auf die ‚Platte‘ als technisches sowie gestalterisches Merkmal.“ Der Hausherr, Intendant Berndt Schmidt, brachte es bei einer Zeremonie am Nachmittag auf den Punkt: „Die heutige Unterschutzstellung des Hauses ehrt die Schöpfer, die Baukollektive.“

Für den einstigen Berliner Architekten Bankert, der seit Jahrzehnten in der Bauhaus-Stadt Dessau lebt, ist es eine späte, aber wohlverdiente Anerkennung der Bauleistungen in der DDR. „Es ist erstaunlich“, sagt er. „Ich habe mir immer gewünscht, dass der Palast eines Tages unter Denkmalschutz gestellt wird. Allerdings glaubte ich nicht recht daran, dass dies auch geschieht. Und nun hat es geklappt.“

Bankert prägte seit 1962 mit vielen Bauten das Stadtbild des Berliner Ostens. Dazu gehörte die Neubebauung des Alex, die Entwürfe für das Nikolaiviertel, die Umgestaltung des Gendarmenmarktes. Bei der Entstehung des Palastes der Republik (1973–1976) wirkte er ebenfalls mit, entwarf etwa die legendäre Fassade von „Erichs Lampenladen“. 1980 folgte Palast Nummer zwei, als der alte Friedrichstadt-Palast wegen Baufälligkeit geschlossen wurde. Ein neuer musste her. „Und dieser musste den Parteifunktionären und vor allem Erich Honecker gefallen“, sagt Bankert. Dass man ihn und den 2018 verstorbenen Star-Architekten Manfred Prasser mit den Entwürfen beauftragte, war daher wohl kein Zufall: Die beiden Männer hatten schon beim Palast der Republik erfolgreich miteinander gearbeitet.

Fassade zeigt die Girlsreihe

„Unser Ziel war es, etwas Gescheites zu machen“, sagt Bankert. Was das sein sollte, daran tüftelten die Herren mit ihren Mitarbeitern in einer Baubaracke an der Oranienburger Straße. Allerdings nicht immer. Um sich inspirieren zu lassen, fuhr Prasser nach Paris, sah sich dort Revuetheater an. Bankert arbeitete stattdessen am Entwurf des Foyers und der Fassade des Palastes. Die Wiederholung der großen Fenster mit den bunten Gläsern an der Gebäudefront ist Absicht, sagt er. „Sie symbolisiert die Girlsreihe. Wenn man so will, ist der Haupteingang die Solotänzerin.“

Neben dem Foyer arbeitet Bankert auch am Saal-Entwurf. Die 2000 Sitze konzipiert er so dicht an die Bühne, dass der Zuschauer auf jedem Platz den Eindruck hat, mitten in der Show zu sein. „Die Idee dazu brachte Prasser aus Paris mit“, sagt Bankert. Auch, dass man die Bühne in eine Manege, eine Eisarena oder ein Wasserbecken verwandeln kann. „Das war keine Zauberei, sondern die Leistung sächsischer Ingenieure.“

Dass der Friedrichstadt-Palast einmal das größte Revue-Theater Europas wird, wie er es heute ist, war ursprünglich nicht das Ziel. Er sollte eigentlich eher eine Spielstätte für Zirkus und Varieté werden, so Bankert. Darum gibt es auch im Saal ein Trapez, eine Seilbahn und andere Dinge, die man auch aus den Zirkusarenen kennt.

Streng genommen wurde das Haus auch nur für das DDR-Fernsehen gebaut, so der Architekt. Denn die erfolgreiche Samstagabendshow „Ein Kessel Buntes“ wurde seit 1972 fast immer aus dem Friedrichstadt-Palast gesendet. Mit dieser Tradition wollte man im neuen Gebäude fortfahren. „Daher bekamen wir als strikte Vorgabe, in den Entwürfen für den Saal bereits die optimalen Plätze für die Fernsehkameras einzuplanen.“

„Am Ende bauten wir ein Haus, das es so auf der Welt noch nicht gab“, sagt Bankert. Ob Honecker damit zufrieden war, könne er nicht sagen. „Auf jeden Fall brachte der Friedrichstadt-Palast der DDR jede Menge Devisen. Denn das Haus war auch bei den West-Berlinern und Westdeutschen sehr beliebt.“ Bankert selbst geht eher selten in den Friedrichstadt-Palast. „Revuen sind nicht so meine Welt. Ich liebe eher das Schauspiel“, sagt er. „Mir ist es viel wichtiger, dass das Haus und was darin geboten wird anderen Menschen gefällt.“