Berlin - Erderwärmung? Ist mir jetzt egal! Jetzt zählt anderes – zum Beispiel die Sorge um die Gesundheit. Corona hat dazu geführt, dass sich sehr viel mehr Menschen als früher gegen den Nahverkehr und für das Auto entscheiden, wenn sie in Berlin von A nach B wollen. Dafür ist das Fahrgastaufkommen bei der BVG gesunken – auf die Hälfte.

Da können die Verkehrsbetriebe noch so oft darauf hinweisen, dass Bahnen und Busse kein Hotspot der Ansteckung sind. Zwar haben sie recht, wie Forscher bestätigen: Das Risiko, sich dort mit Corona zu infizieren, ist minimal – deutlich geringer als bei einem Treffen im heimischen Wohnzimmer. Doch das Misstrauen bleibt. Wer einen Beruf hat, der Homeoffice ermöglicht, bleibt immer häufiger dem Nahverkehr fern.

Bisher wiegten sich viele Verantwortliche in dem Glauben, dass die meisten Kunden schon zurückkehren werden, wenn die Pandemie vorbei ist. Doch die wachsende Zahl von Abo-Kündigungen zeigt, dass der Schwund länger andauern könnte. Wenn keine Umweltkarte mehr in Griffnähe ist und jedes Mal ein Fahrschein gelöst werden muss, wird die Schwelle höher, Bahnen und Busse zu nutzen. Ans Autofahren kann man sich sehr schnell wieder gewöhnen.

Solche Entwicklungen sind gefährlich für eine Großstadt wie Berlin, die nicht im Autoverkehr ersticken darf. Deshalb ist es wichtig, der fatalen Entwicklung entgegenzusteuern. Die BVG hätte viel früher damit beginnen müssen, besser zu lüften. Das Homeoffice-Ticket, mit dem sie Teilzeitpendler (zurück-)gewinnen will, muss so schnell wie möglich kommen. Die Pflicht, Mund und Nase zu bedecken, muss konsequenter durchgesetzt werden. Und auch wenn es objektiv wenig bringt, Haltestangen und Sitze zu desinfizieren, weil bald wieder Keime da sind: Als Demonstration des Willens, tätig zu werden, sind solche Aktionen wichtig. Für die BVG und die Verkehrsunternehmen geht es um viel: Sie müssen Vertrauen zurückgewinnen.