Der neue Bahnhof Köpenick: So soll er aussehen

Eine wichtige Station wird im März zur Großbaustelle. Künftig hält auch der schnelle RE1 in Köpenick. Das sind die Pläne der Bahn – und das sagen Bürger dazu.

Verkehrsdrehscheibe im Osten von Berlin: der S-Bahnhof Köpenick. Künftig werden hier auch Regionalzüge halten, ins Berliner Stadtzentrum, nach Potsdam, Frankfurt (Oder) und anderswo.
Verkehrsdrehscheibe im Osten von Berlin: der S-Bahnhof Köpenick. Künftig werden hier auch Regionalzüge halten, ins Berliner Stadtzentrum, nach Potsdam, Frankfurt (Oder) und anderswo.Sabine Gudath

Man könnte es auch zum Anlass nehmen, sich zu freuen. Nachdem vor fünf Jahren der Regionalbahnhof Karlshorst unter Protest geschlossen wurde, wird in Köpenick bald mit dem Umbau der dortigen Station begonnen. Künftig werden dort nicht nur S-Bahnen, sondern Regionalexpresszüge halten und für zusätzliche schnelle Verbindungen sorgen. Doch als die Planer der Deutschen Bahn (DB) das Projekt in Köpenick vorstellten, sparten die versammelten Bürger nicht mit Kritik – was wiederum ebenfalls verständlich ist.

Alexander Kaczmarek stimmte die Anwohner, die ins Stadion an der Alten Försterei gekommen waren, auf die kommenden Jahre ein. „Erst mal muss es schlimmer werden, bevor es besser wird“, bedauerte der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn (DB), der die Bürgerversammlung beim 1. FC Union am Dienstagabend eröffnete. Anlieger müssten mit Lärm rechnen, Fahrgäste mit Schienenersatzverkehr, kurz SEV. Auch Autofahrer und Straßenbahnnutzer würden die Auswirkungen des Verkehrsprojekts zu spüren bekommen. So wird die Bahnhofstraße in Köpenick zum Teil wochenlang gesperrt.

Schon bald kam Unmut im Saal auf. Dabei ist der Umbau und die Modernisierung des Bahnhofs Köpenick ein Vorhaben, das sich der Bezirk und der Senat seit mehr als zwei Jahrzehnten wünschen. Die Regionalexpresszüge der Linie RE1 sollen nicht länger ohne Stopp durchfahren – das ist seit Langem der Wunsch. Sie sollen dort halten, damit dieser Teil des Ostens von Berlin schneller erreichbar ist. „Bei allem verständlichen Ärger sollten Sie daran denken“, bat Kaczmarek die Besucher um Verständnis. Von Köpenick in einer halben Stunde zum Bahnhof Zoo, in rund 40 Minuten nach Frankfurt (Oder), in knapp 50 Minuten nach Potsdam – das soll nach bisherigen Berechnungen künftig möglich sein.

Der neue Bahnhof Köpenick: Dach wird 140 Meter lang

Nach längerem Hin und Her, Diskussionen mit der lange Zeit widerstrebenden DB und einem Planfeststellungsbeschluss, mit dem das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) das Vorhaben genehmigte, soll es in diesem März so weit sein. Dann beginnen nördlich der S-Bahngleise die ersten Arbeiten für das Projekt, den Bahnhof Köpenick zu modernisieren und zu erweitern. Bis zum Bauende, das für Juli 2027 erwartet wird, stehen auf einem 3,2 Kilometer langen Abschnitt der Frankfurter Bahn viele Themen an.

So soll der Bahnhof Köpenick nach dem Umbau aussehen. Links erstreckt sich der neue Regionalbahnsteig.
So soll der Bahnhof Köpenick nach dem Umbau aussehen. Links erstreckt sich der neue Regionalbahnsteig.Visualisierung: Vectorvision GmbH

Eines der wichtigsten ist der Bau eines 76 Zentimeter hohen Bahnsteigs, an dem künftig Regionalzüge halten sollen, sowie eines weiteren Gleises, damit Fern- und Güterzüge den haltenden RE1 überholen können. Dafür wird der Bahndamm verbreitert. „Der Regionalbahnsteig wird 220 Meter lang“, sagte Christian Welzel, Projektleiter für den Ausbau der Strecke. Er wird über drei Treppen und mit zwei Aufzügen erreichbar sein. Ginge man streng nach den Finanzierungsregularien, dürfte das neue Perron nur auf 40 Meter Länge überdacht werden. „Wegen der Bedeutung des Regionalbahnhofs kann das Dach aber nun 150 Meter lang werden“, so Teilprojektleiter Christian Motzkus. 

Doch auch der nördlich benachbarte S-Bahnsteig an der Linie S3 nach Erkner gehört zum Bauprogramm. Zwar bleibt seine Lage unverändert, aber auch er erhält neue Zugänge. Im Osten entsteht ein Fußgängertunnel zum Stellingdamm, von dem aus beide Bahnsteige über jeweils eine Treppe und einen Aufzug erreichbar sein werden. Im Westen bekommt der S-Bahnsteig ebenfalls eine Fußgängerbrücke, die über die Bahnhofstraße hinweg auf die andere Straßenseite führt. „Wird es im Bahnhof Köpenick auch Fahrtreppen geben?“ wurde während der Bürgerversammlung gefragt. Die Antwort lautete: Nein.

Rammgeräte: Baulärm wird nicht zu vermeiden sein

Fünf Eisenbahnbrücken in diesem Bereich stehen außerdem auf der Arbeitsliste. Eine gehört zum Empfangsgebäude des heutigen S-Bahnhofs, das renoviert wird. Die Brücke über die Wuhle wird ebenfalls erneuert, wie die Brücke über die Hämmerlingstraße, die auf 27 Meter Breite aufgeweitet wird. Welzel: „Damit sorgen wir für die geplante Westumfahrung vor“ – ein Straßenbauprojekt, das noch in weiter Ferne liegt.

Die neue Brücke über die Bahnhofstraße in Köpenick. Die Durchfahrt wird auf Wunsch des Landes Berlin aufgeweitet – aber nicht in dem Maße, wie sich manche Bürger dies wünschen.
Die neue Brücke über die Bahnhofstraße in Köpenick. Die Durchfahrt wird auf Wunsch des Landes Berlin aufgeweitet – aber nicht in dem Maße, wie sich manche Bürger dies wünschen.Visualisierung: Vectorvision GmbH

Auch die Durchfahrt der Bahnbrücke über der Bahnhofstraße wird erweitert – allerdings nur von rund 16 auf 19 Meter. Eine größere Aufweitung sei vom Land nicht bestellt worden, so der Bauingenieur. „Sicher wird sich der eine oder andere im Saal mehr wünschen, aber so viel wird von Berlin finanziert.“ Zudem sei der Plan Bestandteile der Genehmigung, eine Änderung unmöglich.

Hier entzündete sich größere Kritik. „Das entspricht auf keinen Fall den Anforderungen des wachsenden Fahrzeugverkehrs“, bemängelte ein Bürger. Zudem wäre es bei so wenig Platz weiterhin nicht möglich, die Haltestellen für die Straßenbahnlinien 62, 63 und 68 unter die Bahnbrücke zu verlegen – wie es in Adlershof und anderswo der Fall sei. Bei Twitter wurde kritisiert, dass der Platz auch für Radverkehrsstreifen, die den Anforderungen des Mobilitätsgesetzes genügen, nicht reiche.

Als weiteres Thema lag den Bürgern der Lärmschutz am Herzen. Während der Bauzeit sei mit Lärm und Erschütterungen zu rechnen, so Carsten Pröber von der Bahn. „Es ist nicht möglich, auf Rammgeräte zu verzichten“, sagte der Baulärmverantwortliche. Für Anwohner werde mit Baubeginn im März ein Telefon geschaltet: (030) 297 56 056.

So wird die neue Bahnbrücke über der Bahnhofstraße aus Richtung Forum aussehen. Trotz der Aufweitung ist es nicht möglich, die Straßenbahnhaltestellen unter die Überführung zu verlegen, um Umsteigewege zu verkürzen.
So wird die neue Bahnbrücke über der Bahnhofstraße aus Richtung Forum aussehen. Trotz der Aufweitung ist es nicht möglich, die Straßenbahnhaltestellen unter die Überführung zu verlegen, um Umsteigewege zu verkürzen.Visualisierung: Vectorvision GmbH

Bislang gibt es keine Schallschutzwände in diesem Abschnitt. Aber das werde sich ändern, so der Projektleiter. „Insgesamt 4200 Meter Schallschutzwände, die zwischen drei und sechs Metern hoch sind, werden errichtet“, sagte er. Unterm Strich werde es spürbar leiser. Wände mit transparenten Elementen, die Licht durchlassen, werden auch den S-Bahn- und Regionalbahnbereich voneinander trennen. Allerdings entstehen sie nicht in allen Teilen des Bahnhofs, sagte Christian Motzkus: „Wo sich nichts ändert, werden auch keine Schallschutzwände gebaut“, etwa auf der Nordseite des S-Bahnhofs.

Wo Wände entstehen, sinke die Lärmbelastung, sagte Christian Welzel. Die Anwohner, die auf diese Art des aktiven Schallschutzes verzichten müssen, profitieren aber auch von den anderen Maßnahmen, betonte der Planer. Die Schienen sollen regelmäßig geschliffen werden, vor und hinter Weichen bekommen die Schwellen Gummiunterlagen zur Dämpfung, und unter den Schotter werden Matten gelegt. Auf dem neuen dritten Gleis für den Fern- und Güterverkehr gilt ein Tempolimit: 60 Kilometer pro Stunde.

Fahrgäste müssen auf der Linie S3 wieder mit Schienenersatzverkehr rechnen

Drittes Hauptthema waren die Auswirkungen auf den Verkehr. Auf der S-Bahn-Linie S3, auf der seit Jahrzehnten immer wieder der Verkehr wegen Bauarbeiten unterbrochen werden musste, stehen weitere Beeinträchtigungen an. Bis 2024 kann der Verkehr nur eingleisig geführt werden, wodurch aber ein Zehn-Minuten-Takt möglich ist, hieß es. Doch natürlich werde es immer wieder Totalsperrungen mit Schienenersatzverkehr (SEV) geben – zum Beispiel vom 17. bis 20. März sowie vom 3. bis 17. April.

Der S-Bahnsteig in Köpenick heute. Noch kann man von dort in die Stadt schauen – künftig behindern Schallschutzwände die Sicht. Unterm Strich sinkt die Belastung der Umgebung mit Lärm.
Der S-Bahnsteig in Köpenick heute. Noch kann man von dort in die Stadt schauen – künftig behindern Schallschutzwände die Sicht. Unterm Strich sinkt die Belastung der Umgebung mit Lärm.Sabine Gudath

Auch der Straßenverkehr ist betroffen. Die ersten Sperrungen der Bahnhofstraße sind für den 21. bis 25. März sowie vom 28. August bis 30. September 2023 terminiert, so die Bahn. Das sind insgesamt 39 Tage. Die Hämmerlingstraße wird 37 Tage unterbrochen.

Die Bürger hatten viele Fragen. Doch die Bauleute von DB Netze konnten sie am Dienstagabend nicht alle beantworten. Für das Verkehrskonzept sei der Bezirk verantwortlich, für den SEV bei der Straßenbahn die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Auch ob der Ersatzverkehr für die S3 wie früher wieder bis zum weit entfernten Ostkreuz reichen wird, konnten die Ingenieure nicht mitteilen. Weiterer Unmut machte sich breit. Die Planer werden sich auf weitere Debatten dieser Art einstellen müssen.


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