Berlin - Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die Bildung des neuen rot-schwarzen Senats für einen Generationswechsel auf Seiten der SPD genutzt. Von den bisherigen Ressortchefs bleibt nur der parteilose Finanzsenator Ulrich Nußbaum am Amt. Er war erst vor zweieinhalb Jahren aus Bremen nach Berlin gekommen. Langjährige SPD-Senatoren werden durch deutlich jüngere Politiker aus dem Berliner Landesverband abgelöst. Auf einen erneuten Personalimport aus dem Bundesgebiet hat Wowereit verzichtet. Den früheren Juso-Chef Björn Böhning, 33, macht der Regierende zum Chef seiner Senatskanzlei.

Eine überraschende Personalie hatte am Montag der CDU-Vorsitzende und künftige Innensenator Frank Henkel zu bieten. Neue Senatorin für Wirtschaft und Technologie wird die Bildungsexpertin Sybille von Obernitz. Sie stammt aus Bayern, ist parteilos und in der Hauptstadt nahezu unbekannt. Henkel wollte auf jeden Fall eine Frau in den Senat schicken.

Der bisherige SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Müller übernimmt mit dem Ressort Stadtentwicklung eine der wichtigsten Zuständigkeiten in der SPD/CDU-Regierung. Damit ist das Signal verbunden, dass der SPD-Parteichef mittelfristig als Nachfolger von Wowereit aufgebaut werden soll. Erstmals ist auch eine Migrantin im Senat vertreten. Anders als ihre Kolleginnen in Niedersachsen oder Baden-Württemberg ist die gebürtige Türkin Dilek Kolat nicht nur für Integrationspolitik, sondern zugleich für Arbeit und Frauen verantwortlich. Bislang war die Haushaltsexpertin SPD-Vize im Abgeordnetenhaus.

Nachwuchshoffnung Sandra Scheeres

Für die größte Überraschung sorgte indes Wowereit, indem er Sandra Scheeres als neue Senatorin für Bildung und Wissenschaft präsentierte. Die 41-jährige SPD-Abgeordnete gilt als Nachwuchshoffnung, hat sich bislang aber vor allem um Familienpolitik gekümmert. Wie Müller und Kolat hat sie noch keine Erfahrungen in einer Senatsverwaltung gesammelt, was ihr die Leitung der als verkrustet geltenden Berliner Schulbehörde schwer machen könnte.

Die anderen zwei CDU-Posten besetzte Henkel mit Männern aus dem Landesverband. Gesundheitssenator Mario Czaja ist mit 36 Jahren der Jüngste und zugleich der einzige Ostberliner im Kabinett. Der neue Senator für Justiz und Verbraucherschutz, Michael Braun, kommt aus dem mächtigen CDU-Kreis Steglitz-Zehlendorf.

Henkels ebenfalls recht junge und unerfahrene Senatsriege kann als Ausdruck dafür gewertet werden, dass er die Erneuerung der CDU auch in der Regierung fortsetzen will. Fraktionsvize Braun wurde zwar in der Ära des früheren Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen Abgeordneter, doch sein Aufstieg begann erst danach. Vereidigt werden die acht Senatoren am Donnerstag.