Katastrophenübung am BER: Die Rettungswagen kamen zu spät

Zum ersten Mal wurde am neuen Flughafen in Schönefeld der Notfall geprobt. Einiges funktionierte gut. Aber eine wichtige Schwachstelle fiel bei der Übung auf.

Notfallübung am Flughafen BER: Zwölf „Verletzte“ und zwei „Tote“ gab es
Notfallübung am Flughafen BER: Zwölf „Verletzte“ und zwei „Tote“ gab esEmmanuele Contini

Blutende Menschen laufen durcheinander, auf dem Boden liegt ein Mann, der sich vor Schmerzen krümmt. Chaos pur. Bei der Flughafenfeuerwehr ist ein Notruf eingegangen: Auf dem Vorfeld des Flughafens BER Zusammenstoß eines Passagierbusses mit einem Räumfahrzeug. Viele Verletzte.

Zum Glück ist alles nur eine Übung. Eine Notfallübung, die am Dienstagnachmittag zum ersten Mal am neuen Standort des Berliner Flughafens stattfindet. In regelmäßigen Abständen – alle zwei Jahre – muss es eine sogenannte Vollübung gemäß den Richtlinien der Europäischen Agentur für Flugsicherheit geben. Bislang fand sie an den früheren Flughäfen Schönefeld oder Tegel statt. Geprobt werden größere Unfallszenarien, wie etwa eine Bruchlandung eines Flugzeugs.

An der Übung nehmen in diesem Jahr 180 Einsatzkräfte und 110 Komparsen teil. Die Laiendarsteller wurden aus Polizeischülern der Bereitschaftspolizei, freiwilligen Flughafenmitarbeitern und vom Landkreis rekrutiert.

Notfallübung am Flughafen BER
Notfallübung am Flughafen BEREmmanuele Contini

Die Flughafenfeuerwehr, die an drei Wachen am BER stationiert ist, ist binnen weniger Minuten nach dem ersten Notruf vor Ort. Weil die Komparsen viel Leidenschaft in ihr Spiel legen, haben es die Feuerwehrleute, Sanitäter und Bundespolizisten nicht leicht, herauszufinden, wer wie schwer und wer gar nicht verletzt ist. Und immer wieder müssen sie „verwirrte“ und wild herumschreiende Menschen einfangen.

Alarm kommt zu spät

Unter dem Stichwort „Massenanfall von Verletzten“ ging auch eine Alarmierung an die Rettungsleitstelle Cottbus. Die ist dafür zuständig, Verstärkung zu schicken, etwa aus den Feuerwachen in Schönefeld, Schulzendorf und Königs Wusterhausen.

„Bis jetzt ist aber keiner von uns da“, sagt Stephan Loge, Landrat vom Dahme-Spreewald-Kreis und damit zuständig für den Katastrophenschutz in dem Kreis, in dem der Flughafen liegt. Währenddessen geht ein paar Meter weiter ein Laiendarsteller unter einer goldfarbenen Wärmedecke voll in seiner Rolle auf und schreit aus voller Kehle. Ein Feuerwehrmann und ein Bundespolizist hocken neben dem „Verletzten“. Eine weinende Frau, die sich die Hand vor den Mund hält, wird von einem Feuerwehrmann am Arm geführt, der sagt: „Gucken Sie da nicht so hin, dann geht’s Ihnen besser.“ Ein Mann in weißer Weste mit der Aufschrift „Schiedsrichter“ begutachtet zwischendrin das Treiben.

Notfallübung am BER: Die Übung findet im Format einer sogenannten 'Vollübung' gemäß der
Richtlinien der Branchenverbaende EASA und ICAO-statt. 
Notfallübung am BER: Die Übung findet im Format einer sogenannten 'Vollübung' gemäß derRichtlinien der Branchenverbaende EASA und ICAO-statt. Emmanuele Contini

Zwölf „Verletzte“, fünf davon schwer, und zwei „Tote“ sind die Bilanz dieses vermeintlichen Unfalls. Aus irgendeinem Grund hat die Leitstelle Cottbus den Alarm erst 13 Minuten nach dem Unfall erhalten. Irgendwann, nach viel zu langer Zeit, rollen dann auch Rettungswagen (RTW) aus dem Landkreis an. Was da nicht funktioniert hat, muss jetzt ausgewertet werden. „Deshalb ist es ja so wichtig, dass so etwas geübt wird“, sagt Stephan Loge.

Eine gemischte Bilanz zieht auch Andreas Klupsch, Leiter der Flughafenfeuerwehr am BER. „Unser Part hat gut funktioniert. Aber dass die ersten RTW eine Stunde nach der Alarmierung kommen – da ist einiges verbesserungswürdig.“

Thomas Hoff Andersson, Geschäftsführer Operations der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg, wird später erklären: „Die geprobten Abläufe haben gezeigt, dass die Flughafengesellschaft und alle Beteiligten für den Ernstfall gerüstet sind.“