Binnen weniger Wochen haben auf der Berliner Allee je eine Filiale der Secondhand-Läden Humana und Oxfam eröffnet. Ich mag diese Läden und habe sie deshalb bald aufgesucht. Dass ich ohne Ware wieder hinausgegangen bin, lag nicht am Angebot. Es ist bunt und wie immer habe ich mich zwischen Ständern und Regalen gefragt, welche Geschichten in all den Dingen schlummern. Wer mit den Stofftieren eingeschlafen ist. Wer die Mäntel und Mützen getragen hat. Und wo. In welchen Schränken das Geschirr stand, welche Witze erzählt wurden, während man die Gabel zum Munde führte. Welche Blumen in den Vasen verwelkten und ob sie Liebesbeweise oder Bitten um Verzeihung waren. Ob jemand zu der Punk-CD tanzte. Vielleicht allein, wild und glücklich? Oder unter vielen, wie wir es einst taten?

Dass ich nichts kaufe, liegt daran, dass ich alles aufbewahre. Marie Kondo ist für mich eine Art Außerirdische. Bei aller Liebe zur Ordnung, die zu halten ich durchaus in der Lage bin. Dinge sind Speicher. Speicher voller Erinnerungen und Augenblicke, geliebter Antlitze und Stimmen. Die angeschlagenen roten Teller etwa gehörten einmal meinem Vater. Er starb vor fast 30 Jahren nach „kurzer schwerer Krankheit“, wie man so sagt. Der Gedanke, dass er von denselben Tellern, von denen meine Kinder heute ihre Nudeln essen, sein Spiegelei aß, macht mich glücklich.

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