Stefan Bauer, zertifizierter Sensenlehrer.
Foto: Gerd Engelsmann

PotsdamStefan Bauer kürzt Gras auf traditionelle Art: Leise und sanft schwebt die Sense über das grüne Gewächs, kürzt es behutsam. Obwohl hier mit einer messerscharfen Klinge hantiert wird, hat der Anblick doch etwas Meditatives, Entspannendes. Den Umgang mit dem althergebrachten Ackergerät hat Bauer von Fachleuten in Süddeutschland und Österreich gelernt. Der Sensenverein Deutschland führt ihn als einzigen Sensenlehrer in Brandenburg. „Herr Bauer, darf man sie Sensenmann nennen?“ „Ja, sogar gern“, antwortet er und erklärt, dass für ihn der Begriff des Sensenmannes positiv besetzt sei. „Mit der Sense schnitten die Menschen früher das Gras, das Futter für ihre Tiere. Viel Futter ließ das Vieh gut über den Winter kommen. Gesundes Vieh hieß gesunde Menschen. Der Sensenmann war also ein Lebensbringer“, erklärt der 57-jährige Bauer. Und fügt hinzu: „Der Sensenmann als Todesbote, das kam erst später und hängt mit den Bauernkriegen zusammen. Die Bauern nutzten die Sense auch als Waffe.“

Der Umgang mit der Sense will gelernt sein. Bauer sagt, auch er selbst habe viel Zeit darauf verwendet. Seit zwei Jahren bildet er Sensenmänner und Sensenfrauen aus. Den Kombikurs „Dengeln und sensen“ in Potsdam haben zwei Frauen und sechs Männer gebucht. Sie haben sich dazu auf der Habichtswiese in Potsdam, auf dem Gelände des Vereins „Stadtrandelfen“ getroffen. Vier der Anwesenden sind Mitglieder dieses Vereins, der sich der Umweltbildung und Erlebnispädagogik widmet. Die anderen vier kommen vom BUND. Gemeinsam wollen sie auf der Habichtswiese das Gras mit der Sense mähen. Versuche in dieser Richtung gab es bereits. Mario Sitte, der sich als „Bunte-Wiesen-Ehrenamtsbetreuer“ des BUND vorstellt, sagt, man wolle die Wiese schonend behandeln, blühende Blumen auch mal stehen lassen. „Das geht am besten mit der Sense“, so der 30-Jährige. „Wird eine Wiese mit einer Mähmaschine gemäht, überleben das nur 10-20 Prozent der Insekten.“

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