Das Einfachste wäre es, mit einem Witz über die 1990er-Jahre auf die Idee zu reagieren. Die CDU aus Berlin-Pankow will also das Ernst-Thälmann-Denkmal im Ernst-Thälmann-Park abreißen lassen. Wieder einmal. Schon vor 30 Jahren gab es diese Forderung, 1993 war der Abriss sogar beschlossen. Weil er aber, wie so viele Pläne in Berlin, nie umgesetzt werden konnte, aus Kostengründen, blieb der Thälmann-Kopf mit erhobener Thälmann-Faust und wehender Fahne einfach stehen. Und trotzte allen Forderungen nach seinem Abriss so lange, bis er unter Denkmalschutz gestellt wurde. Als Teil des Wohngebiets, das als Musterbeispiel des späten DDR-Sozialismus erhalten bleiben soll.

Nun also wieder ein Angriff auf Thälmanns Kopf? Man könnte dazu sagen: Die Nachwendezeit hat angerufen und will ihre Debatten zurück. Kurz lachen, sich anderen Fragen zuwenden. Auf die Zeitung Welt ist in dieser Hinsicht übrigens auch Verlass, ein Autor dieses Blattes hat schnell erklärt, warum „Thälmann in Berlin wegkann“. Wahrscheinlich hat die Welt das auch schon vor 30 Jahren ihren Lesern erklärt.

Es wäre aber zu einfach, es bei Witzen zu belassen. Der Politiker, der den Abriss jetzt fordert, ist 33 Jahre alt, in Pankow geboren. Er konnte sich in den 1990ern noch nicht an dem Denkmal stören, seine Generation damals noch keine Haltung zu Thälmann finden. Zu einer historischen Figur, die nicht leicht einzuordnen ist und an der sich zu Recht Streit entzündet. Damals, heute und wahrscheinlich auch in noch einmal 30 Jahren.

Dieser Streit bietet jedes Mal die Chance, sich mit der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen. Mit ihren gefallenen Helden, ihren Irrwegen, ihren Systembrüchen. Sich darüber zu verständigen, woran man sich erinnern will – und wie.

Der Thälmann-Kopf mit der Faust und der Fahne, die weht, als stehe der Sieg des Kommunismus bevor, ist kein Denkmal, dass uns das einfach macht. Deshalb brauchen wir es.