Der Münz-Diebstahl im Bode-Museum sorgte weltweit für Schlagzeilen. Unbekannte waren in das Museum in Mitte eingestiegen und hatten eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze entwendet. Der filmreife Coup in der Nacht zum 27. März war clever geplant – aber nicht clever genug. Am Mittwoch konnte die Polizei die mutmaßlichen Täter fassen. Die Münze im Wert von rund 3,8 Millionen Euro ist jedoch weg.

Am Mittwochmorgen um sechs Uhr durchsuchten 300 Polizisten insgesamt 14 Wohnungen und Geschäftsräume. Die meisten durchsuchten Objekte befanden sich in Neukölln, eines in Brandenburg. Die Beamten nahmen vier Tatverdächtige im Alter zwischen 18 und 20 Jahren fest. Ein Richter hatte gegen sie zuvor Haftbefehle erlassen. Die Angehörigen einer arabischen Großfamilie sitzen jetzt in Untersuchungshaft.

Walid, Toufik, Wissam und Achmet R. wurden von einem Spezialeinsatzkommando festgenommen, weil sie als gefährlich gelten und der Polizei bereits wegen Gewalttaten und schwerem Bandendiebstahl bekannt sind. Bei der Großrazzia beschlagnahmten die Fahnder Beweismittel, darunter Schuhe und andere Kleidungsstücke, die bei der Tat getragen wurden. Zudem entdeckten sie vier scharfe, aufmunitionierte Schusswaffen. Das Ermittlungsverfahren richtet sich insgesamt gegen 13 Verdächtige, die zum größten Teil dem arabischen Clan angehören.

Am Mittwochnachmittag gaben Polizei und Staatsanwaltschaft Details zu dem Fall bekannt. „Die Täter hatten Insiderkenntnisse“, sagte Oberstaatsanwältin Martina Lamb. Demnach hatten sie von einem Angestellten eines Subunternehmens einen Hinweis auf die Goldmünze und Tipps für den Einbruch bekommen.

Er war seit Anfang März als Aufsichtperson beschäftigt gewesen und eigentlich dafür zuständig, dass niemand die Exponate berührt. Im Polizeicomputer ist er bereits wegen Kennzeichendiebstahls und Tankbetrugs registriert. Während die vier Festgenommenen mit einem Alter von 18 bis 20 Jahren juristisch noch als Heranwachsende gelten, seien die anderen Verdächtigen zum Teil deutlich älter, sagte Oberstaatsanwältin Lamb.

Die drei mutmaßlichen Einbrecher liefen vom Bahnsteig des S-Bahnhofs Hackescher Markt über die S-Bahn-Gleise. Von dort kletterten sie über eine Leiter in das Museum. Sie warfen die schwere Münze aus dem Fenster auf die S-Bahngleise, transportierten sie mit einer Schubkarre über den Bahndamm und warfen sie in den Monbijoupark. Dann seilten sie sich ab und verluden die Beute in das Fluchtauto. Am Tatort ließen sie ihre Werkzeuge zurück: darunter die Schubkarre, ein Beil und das Seil. Auch das Fahrzeug wurde bei der Razzia am Mittwoch von der Polizei gefunden.

Unter den verhafteten Verdächtigen ist auch ein Museumsmitarbeiter, der den drei Einbrechern den Tipp gegeben haben soll. Durch ihn kam die Ermittlungsgruppe des Landeskriminalamtes den anderen auf die Spur. Sie werteten massenhaft Spuren aus und hörten Telefone ab.„In den letzten Wochen und Monaten liefen intensive operative Maßnahmen“, sagte Kriminaldirektor Carsten Pfohl, der die Ermittlungen leitete.

Doch bei allem Stolz darüber, die Bode-Bande geschnappt zu haben – wo deren Beute, die weltberühmte 100-Kilogramm-Goldmünze ist, wissen die Ermittler nicht. Und dabei wird es vermutlich auch bleiben. „Die Hoffnung, dass die Münze noch gefunden wird, ist relativ gering“, sagte Pfohl am Mittwoch weiter. Dies läge aber nicht an mangelndem Einsatz der Ermittler: „Wir sind mit wirklich allen größeren Goldscheideanstalten deutschlandweit in Verbindung getreten. Aber kein Täter ist an diese herangetreten.“ 

Das lege den Schluss nahe, dass die Münze entweder in sehr kleine Teile zerlegt oder außer Landes geschafft worden sei, sagte Pfohl. Es gebe zwar einen Anfangsverdacht gegen einen mutmaßlichen Hehler. Die Spurensicherung sucht auch an den beschlagnahmten Kleidungsstücken Abriebreste, die die Goldmünze hinterlassen hat.

Am Mittwoch wurde auch ein Juwelierladen in der Sonnenallee durchsucht, um dem Verbleib der Münze nachzuforschen. Doch für ein Haftbefehl gegen den Inhaber des Geschäfts reicht der Verdacht nicht. Und selbst wenn die Münze noch gefunden wird, wäre sie vermutlich erheblich beschädigt. Denn, so vermutet Kriminaldirektor Pfohl, die Goldmünze dürfte erst auf den Gleisen und dann auf dem Boden aufgeschlagen sein. Die Hoffnung, wenigstens noch eine winzige Spur zum Verbleib Münze zu finden, hatten die Ermittler bis zum Abend noch nicht aufgegeben, weil die Durchsuchungen den ganzen Tag über liefen.

Wie Überwachungsvideos des S-Bahnhofs Hackescher Markt den Ermittlern zeigten, waren die Einbrecher bereits am 17. und am 21. März über den S-Bahnhof Hackescher Markt und die Gleise zum Bode-Museum. Beim zweiten Mal flexten sie einen Bolzen an einem Fenster weg, brachen ihr Vorhaben jedoch ab.

Am 27. März, gegen 3 Uhr, kamen sie wieder und hatten Erfolg. Jedes Mal zeichneten Videokameras auf, wie die drei vermummten Personen über den S-Bahnhof liefen. Ein Video aus der Tatnacht veröffentlichte die Polizei in der vergangenen Woche. Es gingen aber nur acht Hinweise ein, keiner davon war verwertbar. Zumindest glauben die Polizisten, das der Film zwei der Verhafteten zeigt.

Geprägt wurde die Münze im Mai 2007 von der kanadischen Münze, der Royal Canadian Mint. Deswegen zeigt sie auch die Queen, die als Oberhaupt des Commonwealth auf allen Vorderseiten der kanadischen Münzen abgebildet ist. Von dieser Münze, einer der schwersten der Welt, wurden nur fünf Stück hergestellt.