Jörn Peter Brinkmann ist Betreiber der Ständigen Vertretung in Mitte. Auf der lokaleigenen Außenfläche hat er Heizpilze aufgestellt, die im Baumarkt gekauft wurden.
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BerlinVielen der 19.000 Berliner Gastro-Betriebe droht nun im Herbst und Winter der Ruin – weil sie nicht genügend Gäste bewirten dürfen. Doch die sogenannten Heizpilze sollen auch weiterhin eine Außengastronomie ermöglichen. Das Problem: Die durch Corona schon arg gebeutelten Wirte müssen nun tief in die Tasche greifen, um sich solche mit Gas betriebenen Wärmespender anzuschaffen. „Die meisten haben keine Heizpilze mehr“, sagt Thomas Lengfelder, Chef des Hotel-und-Gaststätten-Verbandes Dehoga Berlin, der Berliner Zeitung. Denn die Wirte mussten 2009 diese Geräte abschaffen. Heizpilze gelten wegen des hohen Kohlendioxid-Ausstoßes als klimaschädlich. Das Aufstellen vor Lokalen wurde damals vor allem in den Innenstadtbezirken verboten.

Auch die Ständige Vertretung (StäV) am Schiffbauerdamm in Mitte hatte vor elf Jahren die Wärmespender ausrangiert. Doch jetzt, da es draußen kälter wird, stehen im lokaleigenen Außenbereich wieder sechs gasbetriebene Heizpilze an den Tischen. „Ich habe sie zum Stückpreis von 200 Euro im Baumarkt gekauft“, sagt Betreiber Jörn Peter Brinkmann, 41. „Die Gasflaschen für je etwa 30 Euro dürften richtig in die Kosten gehen. Sie reichen nur für einen Tag, müssen ständig ausgetauscht werden.“

Diese Investition könnte bereits verbranntes Geld sein. Denn der StäV-Wirt weiß noch gar nicht, ob das Bezirksamt Mitte gewillt ist, Heizpilze in Restaurantaußenbereichen zu genehmigen. Und wenn, dann dürfte Brinkmann die Heizpilze behördlich nur bis Ende März 2021 aufstellen, kann sie dann quasi wieder auf den Müll werfen. Doch er muss in die Geräte investieren, um nicht die Existenz des Lokals zu gefährden. „Wenn ich nicht handle, nicht für mehr Besucher sorge, kann ich die Hälfte meiner 60 Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken. Das will ich aber nicht“, sagt Brinkmann.

Kampf um jeden Gast

Wie jedes Berliner Lokal muss auch die StäV in der Corona-Krise um jeden Gast kämpfen. Durch die Abstandsregelungen gibt es innen nur noch 70 statt 130 Plätze. Mit der Nutzung des Außenbereiches konnte das Lokal 100 weitere dazu gewinnen, im Sommer so einen Teil der Umsatzeinbußen auffangen. Dennoch schreibe man derzeit keine schwarzen Zahlen. „Für uns ist es wie für jedes andere Lokal wichtig, auch in der kalten Jahreszeit die Plätze im Freien weiter für Gäste zu nutzen“, sagt Brinkmann.

Sie müssen aber beheizt werden. Brinkmann weiß, dass Heizpilze mit ihrem hohen CO2-Austoß die Luft belasten. Deshalb ist er bereit, noch mehr Geld auszugeben, um sich umweltfreundlichere Geräte anzuschaffen. „Wir haben uns jetzt für 2500 Euro einen mit Holzpellets befeuerten Heizpilz zum Test bestellt“, sagt Brinkmann. Heizstrahler seien auch eine Möglichkeit, die bereits im Außenbereich des Lokals zu finden sind. „Aber sie verbrauchen ungeheuer viel herkömmlichen Industriestrom. Wir können nicht so einfach den Vertrag mit unserem Energieanbieter kündigen, um sofort auf Ökostrom umzusteigen, dessen Nutzung schon von der Politik gefordert wurde.“

Eine bessere und umweltfreundliche Alternative wäre, die Außenplätze der StäV, die das Lokal am Spree-Ufer vom Bezirk gemietet hat, mit einem hochfertigen Zeltaufbau mit Glasfenstern zu überdachen. So hat es Brinkmann bereits geplant. Der Zeltbau schütze Lokal-Besucher nicht nur vor Kälte. „Es hat den weiteren Vorteil eines sehr schnell vonstatten gehenden Luftaustausches, was die Gefahr von Aerosolen in der Luft sehr stark reduziert“, sagt der Wirt. Das Mieten eines solchen Zeltes würde die StäV bis zum kommenden Frühjahr 30.000 Euro kosten.

Ärger mit den Behörden

Aber es gibt Ärger. „Das Bezirksamt Mitte will den Zeltaufbau für uns und auch für benachbarte Restaurants nicht genehmigen. Es wird damit begründet, dass Einhausungen von Schankvorgärten untersagt seien, sie zur optischen Belastung des Straßenbildes führen können sowie denkmalschutzrechtliche Belange berühren könnten“, sagt Brinkmann. Er wolle dagegen klagen. „Es ist ein Unding“, sagt der Wirt. „Geschätzt ist jeder dritte Gastro-Betrieb in dieser Stadt durch die Corona-Krise in seiner Existenz bedroht. Und die Berliner Politik, die stets verspricht, die Gastronomen in der aktuellen Situation unterstützen zu wollen, zeigt in der Praxis kein Verständnis für die Notlage der Wirte.“

Selbst in Bezirken wie in Charlottenburg-Wilmersdorf, wo die Behörden offenbar das vorübergehende Aufstellen von Heizpilzen dulden wollen, zeigt sich so mancher Gastronom verunsichert. Etwa am Savignyplatz, wo Wirte darüber nachdenken, ob sie sich nun einen solchen Wärmespender neu anschaffen sollen oder nicht. „Ich würde es ja für meine Gäste gerne machen, aber ich höre nur ständig, dass Heizpilze weiter verboten sind“, sagt ein Betreiber eines italienischen Restaurants.

„Es wäre gut, wenn wir Heizpilze oder andere Wärmespender im Freien aufstellen könnten, wenn es der Wunsch der Gäste ist, auch weiterhin draußen zu sitzen“, sagt Theo Koutsomichas, 60, vom griechischen Restaurant Kouzina. „Dafür bedarf es aber einer einheitlichen Berliner Lösung. Die Wirte in dieser Stadt brauchen Sicherheiten. Schließlich geht es um Geld, das wir in diesen schweren Zeiten wieder in die Hand nehmen müssen, um Heizpilze anzuschaffen, für die es bisher ein Verbot gab.“