Der ungewöhnlich warme Januar sorgt für Probleme bei Tieren und Pflanzen

Die Eichhörnchen sind bereits aus der Winterstarre erwacht. Und auch für Pflanzen kann die Wärme zu einem Problem werden – denn der nächste Frost kommt bestimmt.

Ein Eichhörnchen klettert in einem Park an einem Baumstamm. Eigentlich wären die Tiere derzeit in Winterstarre.
Ein Eichhörnchen klettert in einem Park an einem Baumstamm. Eigentlich wären die Tiere derzeit in Winterstarre.dpa/Frank Rumpenhorst

Sie sind überall und hüpfen durch die Parks: die Eichhörnchen. Das liegt an den milden Temperaturen, denn in Berlin ist es warm, viel zu warm für einen klassischen Wintermonat. In manchen Gegenden beginnen bereits die Haselnüsse zu blühen. Wenn die Temperaturen nicht massiv sinken, könnten sie Ende Januar in voller Blüte stehen. Vor 40 Jahren war das meist erst Ende Februar der Fall.

Die überraschend lange Winterwärme lockt auch die Eichhörnchen aus ihre Winterruhe. Eigentlich liegen sie bei Kälte in ihrem Bau, schlummern und warten, dass der Frühling beginnt. Doch nun sind die Temperaturen seit Tagen teilweise deutlich über zehn Grad. Und da gehen die Tiere hinaus in die Natur. „Die Eichhörnchen können damit umgehen“, sagt Derk Ehlert von der Senatsumweltverwaltung. „Die haben überall Futtervorräte angelegt, von denen sie sich nun ernähren.“

Solche Vorratshaltung ist auch ein Beispiel dafür, dass die Natur grundsätzlich auf solche Wetterkapriolen eingestellt ist. „In der Tierwelt ist es aber auch so, dass viele Tiere gar nichts davon mitbekommen“, sagt der Naturexperte. Denn beispielsweise sind alle Zugvögel derzeit weg, im warmen Süden.

Einige Tiere sind im Winterschlaf

Aber es fliegen auch Gänse in großen Formationen über Berlin hinweg. Dazu sagt Ehlert: Das sind keine heimischen Vögel, sondern Gänse, die sonst in Osteuropa oder Sibirien leben und nun in der Region zwischen Holland und Polen überwintern. Die Tiere fliegen immer nur so weit wie nötig weg von ihren Brutgebieten, in die sie im Frühjahr wieder zurück wollen. „Wenn es wärmer wird, fliegen sie ein Stück weiter Richtung Osten, wenn es kälter wird, wieder Richtung Holland.“

Und dann gibt es die Tiere, die Winterschlaf halten wie die Igel oder Fledermäuse und gar nichts mitbekommen, sagt Ehlert. Andere heimische Tiere sind auch jetzt „dauerwach“ und können mit solchen Bedingungen umgehen.

Der Beweis: Eine frische Blüte, aufgenommen am 5. Januar 2023.
Der Beweis: Eine frische Blüte, aufgenommen am 5. Januar 2023.Berliner Zeitung/Markus Wächter

Wenn es zu lange warm bleibt, kann es auch bei Tieren im Winterschlaf zu Problemen kommen. Denn in den vergangenen fünf Jahren gab es vier Dürrejahre. Wenn sich da Tiere wegen des Nahrungsmangels nicht fett genug fressen konnten und geschwächt in den Winterschlaf gingen, kann es für sie hart werden, wenn sie nun erwachen und nichts zu fressen finden und die letzten Fettreserven aufbrauchen müssen. „Das Wachwerden kostet sehr viel Energie“, sagt Ehlert.

Und wenn die Fledermäuse nun erwachen würden, hätten sie Probleme, weil sie derzeit noch keine Nahrung finden, weil auch viele Insekten in Winterstarre sind. Wenn die wiederum erwachen sollten, finden sie kein Futter, weil die Pflanzen noch nicht blühen.

Schon jetzt gibt es Probleme bei den Honigbienen. Das gaben gerade die Brandenburger Imker bekannt. Denn die Bienen sind nicht in Winterstarre, sondern bleiben immer in Bewegung, damit es im Bienenstock warm genug ist. Doch ab etwa zehn Grad fliegen die Bienen nun bereits durch die Natur und suchen nach Blüten, die es noch nicht gibt. Nun müssen etliche Imker wohl Zucker als Futter zu ihren Bienenstöcken bringen.

Die andere wichtige Frage lautet: Kommt es jetzt zu einem Frühstart bei den Pflanzen, denn nicht nur die Haselnuss blüht bereits und sorgt in der Großstadt bei Allergikern für Ärger. Auch der Winterjasmin blüht und andere Ziersträucher. Derk Ehlert von der Senatsumweltverwaltung erzählt, dass an der Bornholmer Brücke ein Schauspiel zu sehen ist, das sonst erst im Februar fällig ist. „Seit wenigen Tagen blühen dort Kirschen“, sagt er. Das Problem ist: Wenn es wieder kalt wird und Fröste kommen, erfrieren die Blüten. Das ist in diesem Fall nicht so problematisch, weil es Zierkirschen sind. Aber viele Kleingärtner in Berlin und die Obstbauern in Brandenburg könnten sich ärgern.

Blüten der Haselnuss: Normalerweise blühen sie erst ab Februar. Teilweise ist dies nun schon im Gange.
Blüten der Haselnuss: Normalerweise blühen sie erst ab Februar. Teilweise ist dies nun schon im Gange.imago/imagebroker/schreiter

Und was passiert, wenn es längere Zeit recht warm bleibt. „Wir werden auf alle Fälle im Februar keine vollständig grünende Stadt haben“, sagt Derk Ehlert. Denn das Erwachen der Natur hängt nicht nur von der Temperatur ab, die immer mal wieder schwankt. „Es geht vor allem auch um die Tageslänge, also die Sonnenscheindauer.“

Bei den Landwirten in Brandenburg sorgen die Temperaturen nicht gerade für Freude. Aber sie freuen sich, dass es nach Jahren der Trockenheit mal wieder etwas mehr regnet. Henrik Wendorff, der Präsident des Brandenburger Bauernverbandes, hofft, dass es nicht allzu lange so warm bleibt. Er nennt ein Beispiel: den Raps. „Der reagiert dann sensibel.“

Diese Bedingungen sind Stress für die Natur

Der Raps habe ein sogenanntes Herzblatt, wenn das so weit sei, dass es sprießt, und dann kommt Frost, wäre das sehr negativ. „Wenn das Herzblatt zerfriert, ist die Pflanze tot. Das wäre das Schlimmste, was passieren kann.“ Und Raps hat schon eine wichtige Bedeutung für die Landwirtschaft, denn diese Kultur wird auf einem Viertel der Felder angebaut. „Aber dafür müsste es jetzt erst mal zwei oder drei Wochen so warm bleiben“, sagt der Oberste Landwirt Brandenburgs.

Grundsätzlich sind diese Wetterbedingungen Stress für die Natur. „Denn alle Pflanzen gehen eigentlich in Winterruhe“, sagt er. Doch ab etwa acht Grad beginnen die Pflanzen wieder mit dem Stoffwechsel, verbrauchen Nährstoffe, Energie und Wasser. „Und dieser Stoffwechsel ist sinnlos und verpufft, weil sicher wieder eine Frostperiode kommt.“ Wendorff sagt: „Alle Pflanzen, die hier angebaut werden, sind auf den hiesigen Rhythmus der Jahreszeiten angepasst und gehen in Winterruhe. Da ist keine Pflanze, die sich über solch ungewöhnliche Bedingungen freut.“