Segeln lernen auf der Dahme in Köpenick: Zwei Boote auf gleichem Kurs ergeben eine Regatta.
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

BerlinDie Corona-Bestimmungen des Berliner Senats sind lang, voller Ausnahmen und kompliziert. Sogar die Behörden sind sich mitunter nicht einig, wie die Paragrafen auszulegen sind. Betroffen von den Unklarheiten sind viele Wassersportler, die bei dem schönen Wetter an Land bleiben müssen.

Denn es ist generell untersagt, Sportstätten zu betreten. Dazu gehören nicht nur Fitness-Studios sondern auch die Grundstücke von Segel-, Ruder- oder Kanuvereinen. Es gibt auch keine Möglichkeit für Bootsführer, hurtig auf kürzestem Wege von der Eingangstür zum Steg zu gehen, um dann abzulegen. Sogar Arbeiten am Boot wurden verboten - wenn es denn auf einem Vereinsgelände steht.

Umso größer war die Erleichterung bei vielen Sportlern, als die Wasserschutzpolizei  am 3. April folgende Mitteilung versandte: „Boote dürfen auch genutzt werden, wenn diese ihren Liegeplatz bei einem Wassersportverein, einer Marina oder einem vergleichbaren gewerblichen Betrieb haben. Dabei handelt es sich nicht um eine Sportstätte, deren Öffnung unzulässig ist. Er wird vielmehr darauf abgestellt, ob und dass die Sportausübung auf dem Freiwasser stattfindet.“

Vereinssportler sind angeblich nicht kontrollierbar

Auch zwischenzeitlich verbotene Arbeiten am und rund um das Boot waren plötzlich wieder erlaubt, „wenn es sich dabei um Tätigkeiten als unmittelbare Vorbereitung der sportlichen Tätigkeit mit dem Boot handelt“. Hierunter falle insbesondere das zu Wasser lassen, teilte die Behörde mit. Viele Vereinsvorstände begannen nach eigenem Bekunden sofort damit, Konzepte zu erarbeiten, wie bei ihnen die  vom Senat verordnete Abstandsregelung von 1,5 Meter zwischen zwei Personen umgesetzt werden kann.

Die Polizei hatte sich auf Arbeitsebene mit der Senatsverwaltung für Gesundheit abgestimmt, die jedoch die Verordnung anders auslegte, als die Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Als diese davon erfuhr, ließ sie die Aussagen der Wasserschutzpolizei korrigieren, die folglich einen Rückzieher machte: Wer seinen Liegeplatz bei einem Wassersportverein habe, könne nicht segeln, Motorboot fahren, paddeln oder rudern. „Aus Gründen der Kontrollierbarkeit ist dies nicht zulässig“, teilte die Behörde am Dienstag mit. Gleiches gilt für Arbeiten am Boot: „Aus Gründen der Kontrollierbarkeit“ seien diese auf dem Gelände eines Sportvereins verboten.

Bootsverleiher oder Betreiber gewerblicher Marinas dürfen dagegen öffnen. Die Begründung der Polizei: Hierbei handele es sich um Gewerbebetriebe und nicht um Sportstätten. 

Einschränkungen sollen sich nicht auf Gewerbe auswirken

„Die Regelung dient dem Ziel, die Kontaktmöglichkeiten zueinander so gering wie möglich zu halten“, sagt Martin Pallgen, Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Ein Vereinsgelände biete jedoch viele Möglichkeiten für Kontakte und damit verbundener Ansteckungsgefahr. Dass Verleiher und andere Gewerbebetriebe weiter Boote ins Wasser lassen dürfen, erklärt Pallgen damit, dass es um Wirtschaft und Arbeitsplätze geht: „Die Einschränkungen sollen sich möglichst wenig auf die Berufs- und Gewerbefreiheit auswirken.“

„Die Begründung, Sportvereine ließen sich nicht kontrollieren, passt so gar nicht zur vielzitierten Sportmetropole Berlin und bewirkt, dass Jedermann führerscheinfrei bis 15 PS Motorboot fahren darf oder in Unkenntnis jeglicher Regeln wild paddelt“, sagt Jörg Heibeck, Vizepräsident des Landes-Kanu-Verbandes und Präsident des Wannseer Kanu-Clubs. Das Misstrauen des Senats in Sachen Kontrollierbarkeit führe zu großem Unverständnis bei den umweltbewussten engagierten Wassersportlern. „Denn das verantwortungsvolle Miteinander wird genau in diesen Vereinssportvereinen gewährleistet“, meint Heibeck, der sich fragt, worin sich gewerbliches von sportlichem Paddeln in der Gefährlichkeit unterscheidet.

Glück haben nur diejenigen, die einn Wassergrundstück mit Steg besitzen. Und jene, die einen Dachgepäckträger haben, um ihr Kajak zum Wasser zu fahren. Denn der Wassersport an sich ist nicht verboten, wenn die Abstandsregeln eingehalten werden und es nicht zur Gruppenbildung kommt. Oder wie es die Wasserschutzpolizei formuliert: Sport und Bewegung an frischer Luft seien möglich, „auch unter Zuhilfenahme von Booten“ .