Berlin - Der Verein RAW-Tempel, der mehr als 15 Jahre lang soziokulturelle Projekte auf dem RAW-Gelände in der Revaler Straße in Friedrichshain angeboten hat, ist insolvent. Das bestätigte Kristine Schütte, eine von zwei verbliebenen aktiven Vorstandsmitgliedern, der Berliner Zeitung. „Der Verein ist Ende Januar aus dem Register gelöscht worden“, so Schütte.

Mit der Insolvenz geht eine fast zwei Jahrzehnte währende Ära von kostengünstigen Kulturangeboten auf dem boomenden Party-Areal, welches zuletzt nach dem Mord an einem Dealer negativ von sich reden machte, zu Ende. In den vier denkmalgeschützten Häusern an der Revaler Straße, die der Verein zuletzt gemietet hatte, befinden sich Ateliers und Ausstellungsräume. Außerdem nutzen eine Musikschule und ein Kinderzirkus die Räume. Der jetzt insolvent gegangene Verein wurde bereits 1998 gegründet, ein Jahr später wurden die vier Gebäude bezogen. Unterstützt von der Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain fungierte der RAW-Tempel e.V. stets als Träger. Nicht zuletzt diese politische Rückendeckung führte dazu, dass jeweils nur eine kleine Miete an die wechselnden Inhaber des Geländes fällig wurde.

Die Zahlungsunfähigkeit des Vereins hatte sich seit Monaten angedeutet. Längst hat sich ein neuer Verein mit ähnlichen Zielen gegründet, der RAW/cc, der sich ebenfalls dafür einsetzen will, dass auf dem Gelände, das in den vergangenen Jahre immer wieder wegen Kriminalität und Gewaltakten in Verruf geraten ist, nicht nur nachts etwas los ist – das Areal hat nicht unmaßgeblich zum Ruf Friedrichhains als Partykiez beigetragen.

Kristine Schütt hofft auf eine Zukunft auf dem Gelände. Sprecher des RAW/cc seien in Verhandlungen mit der Familie Kurth aus Osnabrück, die das Ensemble auf dem RAW-Gelände, bestehend aus Clubs, Konzerthallen, einer Skaterhalle aber eben auch Flächen mit politisch geschützter soziokultureller Arbeit im vergangenen Jahr erworben hatte. Diese Gespräche verliefen bisher konstruktiv, sagt Kristine Schütt. Anders als die vorherigen Inhaber, die das RAW-Gelände offenbar allein als Spekulationsobjekt gesehen hätten, wolle Familie Kurth das Areal tatsächlich entwickeln. „Und dazu gehören aus unserer Sicht auch unsere Angebote dazu“, so Schütt.