Berlin - Dass Autofahrer im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg keine Lobby mehr haben, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Im selbsternannten Modellbezirk der Mobilitätswende soll der motorisierte Individualverkehr erheblich an Platz einbüßen. Pech für alle, die auf ihr Auto angewiesen sind – oder zumindest meinen, dass sie es sind.

Weniger Parkplätze, weniger Fahrstreifen, im Einzelfall sogar Durchfahrtsverbote: Das wird Autobesitzern Zornesfalten auf die Stirn treiben. Asphalt soll aufgebrochen, Pflaster entsiegelt werden, damit mehr Platz für Grün entsteht und sich die Stadt im Sommer nicht mehr so stark aufheizt. Besonders kritische Beobachter könnten dies auch als Zerstörung von Infrastruktur begreifen.

Staus und Parkplatznot gab es schon vor den Grünen

Für all jene, die meinen, dass sich die Mobilität trotz Erderhitzung und Klimastress nicht ändern muss, ist das natürlich starker Tobak. Verständlicherweise: Wer nach Feierabend noch länger einen Parkplatz suchen muss, wird diese Art von Politik als Erschwerung seiner ganz persönlichen Lebensverhältnisse begreifen.

Doch Hand aufs Herz: Stellplätze waren schon rar, Staus schon endemisch, bevor grüne Autoskeptiker das Zepter übernahmen. Vielleicht ist es an der Zeit zu akzeptieren, dass dicht bebaute Zentrumsbezirke nicht allen Wünschen von Automobilisten gerecht werden können, und dass sich auch Nichtmotorisierte wohl fühlen sollen.

Angesichts des großen Gewichts, den der Autoverkehr mit angeblich 50.000 Parkplätzen allein in Friedrichshain-Kreuzberg weiterhin hat, nehmen sich die Bezirksprojekte wie Nadelstiche aus. Zwar verbessert sich die Lage der Radfahrer und Fußgänger da und dort, aber im Großen und Ganzen haben sie es noch immer schwer. Politiker und Planer in Friedrichshain-Kreuzberg bemühen sich, mehr als in anderen Teilen Berlins. Doch der Weg zu einer gezähmten Mobilität ist überall noch weit.