Der Ehrenpreis für das Lebenswerk ging diesmal an den Schauspieler Dieter Mann.
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BerlinBeim Deutschen Schauspielpreis, der mal Schauspielerpreis hieß, was sich aber ändern musste, um die Schauspielerinnen nicht weiter sprachlich auszuschließen, ging es nie nur um die Preise. Mit dem Abend auf Einladung des Bundesverbands Schauspiel verbinden viele Verbandsmitglieder die Gelegenheit, die besten Kolleginnen und Kollegen hochleben zu lassen, das neue Abendkleid auszuführen und bei der anschließenden Party bis zum Ausfall des Sprachzentrums die Sponsorengetränke zu dezimieren.

Dieses Jahr musste wegen Corona fast alles anders sein. Nach einem halben Jahr Zwangsurlaub war sowieso kein Geld für ein neues Abendkleid übrig, es hätte aber auch keine Gelegenheit gegeben, es auszuführen. Die Veranstaltung wurde auf ihr Pandemieformat zurückgefahren – nur noch Nominierte und Laudatoren waren eingeladen. Nicht auszudenken, wenn man nächste Woche Dreharbeiten mit der Begründung absagen müsste, dass sich ein Schauspieler bei der Preisverleihung angesteckt hat. Für die kleine Variante mit den 250 Gästen reichte dann auch nach den 1400 Besuchern im Zoo-Palast im Vorjahr diesmal das Spindler & Klatt. Alle waren aufgefordert, reichlich von den bereitstehenden Handdesinfektionsmitteln Gebrauch zu machen. Merke: Desinfektionsmittel ist der neue Gratis-Sekt! Und bis zum Erreichen des Sitzplatzes war Mund-Nasen-Maske Pflicht. Auf dem blauen Teppich des Abends durfte die wegen der Erkennbarkeit auf Fotos und in Interviews abgesetzt werden – allerdings nur unter der Bedingung, dass anderthalb Meter Abstand gewahrt wurden.

Der Ehrenpreis für das Lebenswerk ging diesmal an den Schauspieler Dieter Mann, den sein Laudator Hans-Dieter Schütt lobte: „Seelischen Explosionen kommt Dieter Mann mit dem Senkblei der Selbstbeherrschung zuvor. Damit ist er auch einer der großen, geschliffen feinen, betonungsscharfen Vor-Leser geworden.“ Schütt erinnerte an die Herkunft des Preisträgers: „Der einstige Acht-Klassen-Schüler in Holzpantinen, von Mitschülern belacht. Er hat Dreher gelernt.“ Als Schauspieler habe er nie vergessen, woher er kommt: „Und nie ist er Opfer der Selbstüberschätzung geworden.“

Der Ensemble-Preis ging diesmal an die Casterinnen und die Darsteller von „Kids Run“. Weitere Preise erhielten Nicole Heesters (Theater), Joachim Kerzel (Die Stimme), „Born in Evin“ (Deutscher Fairnesspreis) und die Herkuleskeule (Ehrenpreis Inspiration). Als Favoriten auf die Hauptrollenpreise galten Alina Serban (in „Gipsy Queen“) und Bernhard Conrad („Kahlschlag“). Carol Schuler („Skylines“) und Rauand Taleb („4 Blocks“) hatten beste Aussichten in den Nebenrollen-Kategorien, Gisa Flake („Sag du es mir“) und Leon Ullrich („Eichwald, MdB“) bei den komödiantischen Rollen. Sophie Rois hat in ihrem schauspielerischen Schaffen schon so manche Leistung der Kategorie „Starker Auftritt“ hingelegt, diesmal brachte ihr „Rampensau“ den Preis in der gleichnamigen Kategorie ein. Tua El-Fawwal fiel der Jury in der Web- und Fernsehsehrie „Druck“ auf, was sie zur Favoritin für den Nachwuchspreis machte.