Neues aus der US-Botschaft in Berlin: Die Mission der Amy Gutmann 

Die Botschafterin rollt den roten Teppich aus für den Film „The U.S. and the Holocaust“, der die Verantwortung für den Schutz von Flüchtlingen thematisiert.

Europa-Premiere des dreiteiligen Dokumentarfilmes „The U.S. and the Holocaust“: US-Botschafterin Amy Gutmann mit den Filmemacherinnen Lynn Novick (l.) und Sarah Botstein (r.) am Mittwoch vor dem Kino International.
Europa-Premiere des dreiteiligen Dokumentarfilmes „The U.S. and the Holocaust“: US-Botschafterin Amy Gutmann mit den Filmemacherinnen Lynn Novick (l.) und Sarah Botstein (r.) am Mittwoch vor dem Kino International.Berliner Zeitung/Maritta Tkalec

Seit Februar ist Amy Gutmann US-Botschafterin in Deutschland. Sie hat sich seither mit dem Land bekannt gemacht, aus dem ihr Vater Kurt 1934 – rechtzeitig – floh. So entkam der Jude aus dem mittelfränkischen Feuchtwangen dem Holocaust und konnte andere Familienangehörige retten. Diese Geschichte trägt Amy Gutmann, 1949 in New York geboren, nun nach Berlin zurück. „Ich habe eine Mission“, sagt sie. „Gegen Antisemitismus, Rassismus, Hass – für den Schutz von Flüchtlingen, Menschenrechten, Demokratie.“

Wie sie das tun wird, war am Mittwoch bei einem ihrer ersten großen Auftritte in der Berliner Öffentlichkeit zu erkennen: Sie rollte für eine der bedeutendsten amerikanischen Filmproduktionen des Jahres im Kino International den roten Teppich aus. Auf ihre Initiative hin erlebte die dreiteilige Dokumentation „The U.S. and the Holocaust“ dort ihre Europa-Premiere – in Anwesenheit der Filmemacherinnen Lynn Novick und Sarah Botstein.

Der dritte im Team, Ken Burns, musste wegen Corona fernbleiben, sodass die Bühne vor dem legendären Glitzervorhang des International den höchst souverän auftretenden Frauen gehörte. Der Film lief dieser Tage im öffentlichen Fernsehen in den USA und wird in Deutschland voraussichtlich im Frühjahr bei Arte zu sehen sein.

Nie gesehene Holocaust-Dokumente

Wer nun denkt, er habe schon alles an historischem Material – Bilder, Filme, Augenzeugen, Dokumente – über den Holocaust gesehen, der muss lernen: Was das Holocaust Memorial Museum in Washington gesammelt hat und im Film verwendet wird, ist selbst dem Fachpublikum teilweise neu. Der Fokus liegt auf den Menschen, die nicht gerettet wurden.

Denn das zentrale, erstmalig bearbeitete Anliegen des Films liegt in der Vergegenwärtigung der Mitverantwortung der USA für den Tod Zehntausender Juden, die dann von Deutschen ermordet werden konnten, weil ihnen zuvor die Einreise in die USA verweigert worden war, weil für sie das „Goldene Tor“ in die Sicherheit geschlossen blieb. Der Film zeige, „was Amerika für Juden getan hat und was nicht“, wie Amy Gutmann sagte.

Der Film stellt die deutsche Schuld nicht infrage, doch der Blick auf die zögerlichen amerikanischen Antworten, auf Rassismus und Antisemitismus in den USA, wird sicherlich Schockwellen durch die US-Gesellschaft senden, die sich doch gerne für eine gute hält. Die Auseinandersetzung ist hochaktuell, denn Millionen ukrainischer Flüchtlinge suchen Schutz im Ausland. „Wir müssen sie willkommen heißen“, sagt Amy Gutmann. Die Botschaft des Filmes könne auch heute lebensrettend wirken.