Im September will die Deutsche Bahn (DB) bekannt geben, wann die wegen Hochwasserschäden unterbrochene Hochgeschwindigkeitsstrecke von Berlin nach Westen wieder eröffnet wird. „Wir hoffen, dass wir vor Dezember fertig werden“, sagte Arvid Kämmerer vom Regionalbereich Ost der DB Netz am Dienstag. Denn die Auswirkungen der Sperrung sind gravierend, und sie reichen weit über die Elbeniederung hinaus. Und sie treffen nicht nur den Fernverkehr: Die nötigen Umleitungen bescherten auch vielen Fahrgästen im Berliner und Brandenburger Regionalverkehr Verspätungen, so Kämmerer.

Als bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt der Elbdeich brach, war es auch um die Bahntrasse von Berlin nach Westen geschehen. „Die Elbe suchte sich ein neues Bett und floss zwischen Schönhausen und Schönhauser Damm über die Strecke hinweg“, erzählte Kämmerer. Nördlich davon entstand zeitweise ein See, der ungefähr so groß wie das Saarland war.

Mit Dieselzügen über die Elbe

Die Bahn hatte keine Alternative: Am 10. Juni um drei Uhr früh sperrte sie die Bahntrasse zwischen Rathenow in Brandenburg und Stendal in Sachsen-Anhalt. Seitdem ruht dort der Zugverkehr. Nicht nur die zweigleisige elektrifizierte Schnellfahrstrecke, auf der kurz zuvor noch ICE-Züge mit Tempo 250 von Berlin in Richtung Hannover und Frankfurt am Main gerast waren, liegt bis heute brach. Auch die so genannte Stammstrecke, auf der Dieseltriebwagen als Regionalzüge unterwegs waren, wird nicht mehr befahren.

Anfangs hieß es, dass die drei Gleise mindestens bis zum Fahrplanwechsel im Dezember gesperrt bleiben müssen. Inzwischen gibt es bei der DB Stimmen, die eine frühere Wiedereröffnung für möglich halten. Der Termin werde davon abhängen, was die Prüfungen an dem fünf Kilometer langen betroffenen Streckenabschnitt ergeben, sagte Kämmerer am Dienstag. Derzeit wird das Teilstück gleich hinter der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt mit Georadar untersucht. „Es gibt hoffentlich ein positives Ergebnis“, so der DB-Manager.

Vielleicht könnte die Bahntrasse zunächst mit geringem Tempo wieder befahren werden, hieß es. Eine denkbare Variante wäre es auch, die Stamm- noch vor der Schnellfahrstrecke zu eröffnen. Daran werde intensiv gearbeitet, sagte Kämmerer. Dann könnten zumindest Dieselzüge wieder auf dem kürzesten Weg zwischen Berlin und Hannover verkehren – worüber die Bahn allerdings noch entscheiden müsste.

Die Dieselzugtrasse sei anders gebaut als die ICE-Strecke auf demselben Bahndamm. Anstelle einer festen Fahrbahn aus Beton, die anfälliger ist für Unterspülungen, habe sie einen konventionellen Fahrweg mit Schotter und Schwellen, hieß es.

„Eine Katastrophe“

Kämmerer betonte, dass die Bahn ein großes Interesse daran habe, die Strecke wieder zu eröffnen – sofern das mit den Sicherheitsanforderungen vereinbar sei. Denn die Umleitung der rund 200 Züge pro Tag, die bislang die Elbe bei Stendal kreuzten, schafft Probleme. Seitdem sind ICE-Fahrgäste länger unterwegs. „Dazu gehören viele Fernpendler, zum Beispiel von und nach Wolfsburg“, sagte Kämmerer. Aber auch Fahrgäste im Regionalverkehr rund um Berlin leiden. Sie kommen öfter als bisher zu spät ans Ziel, weil täglich 70 Güterzüge und fast doppelt so viele andere umgeleitete Zügedie Pendlerlinien zusätzlich belasten.

„So trifft das Hochwasser selbst Städte wie Fürstenwalde oder Fürstenberg – Orte, die von der Elbe weit entfernt sind“, so Kämmerer. Auch zwischen Berlin und Wittenberge sei noch mehr los. Wenn es dort Stau gibt, versuchen die Eisenbahner in der Betriebszentrale, den Regionalzügen der Linie RE 2 Vorrang vor verspäteten ICE zu geben. Das funktioniert besser als erwartet, sagte Arnulf Schuchmann, Chef der Ostdeutschen Eisenbahn. Dennoch sei die Situation eine „Katastrophe“.