Knapp drei Wochen noch, dann endet eine Epoche. Schlaf- und Liegewagen wird es bei der Deutschen Bahn (DB) nicht mehr geben. Ein prominenter Fahrgast bedauert das: Sandra Maischberger, Journalistin und Talkshow-Moderatorin.

Am 10. Dezember wird im Berliner Hauptbahnhof demonstriert, weil die DB ihre letzten Nachtzüge einstellt. Werden Sie mitdemonstrieren?

Früher habe ich häufig demonstriert, jetzt kaum noch, weil ich mich als Moderatorin eines politischen Talks mit politischen Festlegungen zurückhalte. Doch bei diesem Thema mache ich eine Ausnahme. So, wie es aussieht, werde ich auf dem Bahnsteig dabei sein.

Warum?

Weil ich selbst betroffen bin. Seit meiner Jugend verreise ich regelmäßig mit dem Nachtzug. Über Nacht bin ich quer durch Europa gereist, nach Paris, Rom, Hamburg. Als Interrailerin konnte ich mir nur einen Platz im Sechser-Abteil eines Liegewagens leisten. Heute fahre ich Schlafwagen, mit meiner Familie auf dem Weg in den Skiurlaub oder im Einzelabteil, wenn ich für die Arbeit unterwegs bin. Nach der Talkshow in Köln steige ich gerne in den Nachtzug und komme morgens ausgeruht in Berlin an – rechtzeitig, um mit meiner Familie zu frühstücken und meinen Sohn zur Schule zu bringen. Dieser Zug fährt am 9. Dezember zum letzten Mal. Das verstehe ich nicht.

Die DB sagt, dass diese Züge für sie nicht rentabel sind.

Vielleicht liegt es daran, dass für jeden Kilometer hohe Trassengebühren fällig werden. Vielleicht liegt es auch an anderen Dingen. Eines ist klar: Wann immer ich Nachtzüge nutze, sind sie voll – mit Touristen aus dem Ausland, Familien, vielen Einzelreisenden. Mir oder meinem Büro gelingt es längst nicht immer, einen Platz zu reservieren. In 50 Prozent der Fälle musste ich andere Verkehrsmittel nutzen, weil die Schlafwagenplätze ausgebucht waren und es kein Abteil mehr gab. Angesichts dieser Auslastung ist mir schleierhaft, warum die DB diese Züge nicht wirtschaftlich betreiben kann.

Sie haben gesagt, dass Sie Flugzeuge „grauenvoll“ finden. Warum?

Ich fliege zu viel. Oft bleibt mir gar nichts anderes übrig, wenn ich an einem Tag hin- und zurückreisen muss. Aber ich versuche, so oft es geht, die Bahn zu nehmen, auch tagsüber. Im Zug kann ich arbeiten, ich habe mehr Platz als im Flugzeug, essen und trinken kann ich da auch, der Zugbegleiter bringt mir die Bestellung an den Platz. Auf vielen Strecken ist die Bahn nicht zu schlagen. Von Berlin nach Hamburg dauert die Fahrt etwas mehr als 90 Minuten. Mit dem Auto: vergessen Sie’s! Ich höre aber immer wieder, dass die Bahn für viele zu teuer ist. Ich habe natürlich eine Bahncard.

Zurück zum Nachtzug. Auf engem Raum schlafen, in einem Wagen, der über Weichen poltert und rangiert wird: Was soll daran schön sein?

Natürlich schlafe ich zu Hause am besten. Aber ich schlafe auch im Nachtzug gut. Das sanfte Schütteln macht mir nichts aus. Ich liebe diese Züge! Unser Sohn auch. Wenn wir in den Urlaub fahren, abends im Bett liegen und aus dem Fenster schauen – das findet er herrlich. Ich treffe oft interessante Leute im Nachtzug. Als es noch Autoreisezüge gab, sind wir dort einige Male Richard von Weizsäcker und seiner Frau begegnet. Sie stiegen auch in Wannsee ein. Wenn wir um 8 Uhr in München Ost ankamen, stand er wie aus dem Ei gepellt auf dem Bahnsteig – ausgeruht und heiter.

Die DB will zwischen Berlin und Köln einen Nacht-Intercity einsetzen, in dem man im Sitzen schlafen kann. Wäre das eine Alternative?

Nein, auf keinen Fall! Das ist nicht mehr das Hotel auf Rädern, das ich schätzen gelernt habe. Außerdem kann ich nicht im Sitzen schlafen. Wenn der Nachtzug nach Köln nicht mehr fährt, muss ich häufiger fliegen. Dann auch mit den berühmten „Rote-Augen-Fliegern“, am frühen Morgen. Aber vielleicht werden mein Mann und ich ja irgendwann mal Nachtzugbetreiber, dann wird es auf dieser Strecke wieder ein Angebot geben. Oder die Österreichischen Bundesbahnen setzen auch dort ihren Nightjet ein.

Stichwort ÖBB: Sie bietet bald auch einen Nachtzug ab Berlin an, nach Zürich. Werden Sie mitfahren?

Natürlich. Er ist sogar eine Stunde schneller als die jetzige Verbindung der DB. Sobald feststand, dass es die Verbindung weiterhin gibt, habe ich die Fahrt in den Skiurlaub gebucht. In der Weihnachtszeit fahren wir nach Basel, Anfang Januar zurück. Die Rückfahrt am Ferienende habe ich für mich und meine Familie sofort gesichert – diese Züge sind immer blitzschnell ausgebucht.

Was meinen Sie, wird es auch in zehn Jahren noch Nachtzüge geben?

Das weiß ich nicht. Aber ich wünsche es mir sehr! Für mich ist es die perfekte Art zu reisen.