Berlin - Noch in diesem Jahr sollten erstmals Regionalzüge am Ostkreuz halten. Doch daraus wird nun definitiv nichts. Denn der dafür vorgesehene Bahnsteig kann wegen Baumängeln noch nicht fertiggestellt werden, teilte ein Bahnsprecher der Berliner Zeitung auf Anfrage mit. Die Konstruktion im oberen Teil des Bahnhofs müsse untersucht werden, dann seien weitere Arbeiten nötig. Voraussichtlich erst ein Jahr später könne der Regionalbahnbetrieb beginnen. „Ziel ist die Fertigstellung des Bahnsteigs Ende des kommenden Jahres“, hieß es.

Die Umgestaltung des Ostkreuzes, deren Kosten auf fast 420 Millionen Euro geschätzt werden, ist ein Projekt der Superlative. Seit 2006 wird dort schon gearbeitet, während der Zugbetrieb weitergeht. Doch von der Sanierung des Knotenpunkts in Friedrichshain profitieren nicht nur S-Bahn-Kunden.

Ist auch die Abdichtung schadhaft?

In Zukunft werden am Ostkreuz auch Regionalzüge in alle vier Himmelsrichtungen abfahren. Diese neue Bedeutung wird das Stadtviertel verändern und für Investoren noch interessanter machen. Als Erstes sollte der Regionalbahnsteig, der sich auf der Ringbahnebene neben der Halle befindet, in Betrieb gehen. Für Dezember 2014 war das geplant.

Diese Zusage kann nun nicht mehr eingehalten werden, bestätigte die Bahn. Daran sei nicht sie schuld, sondern eine der Baufirmen, die dort tätig waren. „Es gibt Gewährleistungsmängel am Bahnsteigbelag, der daher komplett aufgenommen und neu verlegt werden muss“, sagte der Sprecher. Dem Vernehmen nach könnte es auch Schäden an der Abdichtung zwischen dem Bahnsteig und dem Brückenbauwerk geben. „Das muss untersucht werden“, hieß es. Die Arbeiten hätten vor kurzem begonnen.

Vom größten Bahnhofs-Bauprojekt in Berlin waren bereits im vergangenen Jahr Verzögerungen gemeldet worden. Bislang sollte das Ostkreuz Ende 2016 fertig werden, seitdem werden die letzten Arbeiten auf 2018 terminiert. Auch in diesem Fall wies die DB darauf hin, dass nicht sie für die Verspätung verantwortlich sei. Genehmigungsverfahren hätten länger gedauert.

Direkt zum Flughafen BER

Die Fahrgäste müssen nun länger auf Verbesserungen warten – und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der im Auftrag der Länder Regionalzugfahrten bestellt, hat mehr Zeit für seine Planungen. „Sobald der obere Bahnsteig aus Richtung Lichtenberg bedient werden kann, ist geplant, die neue Regionalbahnlinie RB 24 von Eberswalde dorthin zu verlängern“, sagte VBB-Sprecherin Elke Krokowski. Die roten Triebzüge halten unter anderem in Bernau und Hohenschönhausen. „Darüber hinaus wird geprüft, ob weitere Regionalbahnen über Lichtenberg hinaus zum Ostkreuz verlängert werden können.“ Zu den Kandidaten gehören die Linien aus Werneuchen und Templin.

Wenn das neue Gleis Richtung Süden fertig und elektrifiziert ist, sind vom oberen Regionalbahnsteig noch mehr Fahrtmöglichkeiten denkbar – etwa nach Schönefeld, vielleicht schon ab Ende nächsten Jahres. Mit einjähriger Verspätung sollen dann Ende 2017 die unteren Regionalbahnsteige fertig werden, wo unter anderem die Züge nach Potsdam, Frankfurt (Oder), Nauen und Cottbus halten. Das Ostkreuz kommt – aber später als geplant.