Mal kommt der Zug zu spät, mal sind die Wagen nicht in der korrekten Reihenfolge, oder im Bordbistro ist die Bierzapfanlage ausgefallen. Wer oft mit dem Zug verreist und das Gefühl hat, dass sich Verspätungen und Störungen immer mehr häufen, hat den richtigen Eindruck.

Das bestätigte Bahn-Chef Richard Lutz bei einer Diskussion zum Auftakt der Schienenverkehrswochen in Berlin – und das bestätigen auch aktuelle interne Zahlen der Deutschen Bahn (DB), die der Berliner Zeitung vorliegen.

Pünktlichkeitsquote sinkt

„Reden Sie mit dem Bahn-Chef“, hieß die Veranstaltung, die der Deutsche Bahnkunden-Verband im Berliner Hauptbahnhof organisiert hatte. „Bei der Qualität bieten wir unseren Kunden nicht immer das, was sie erwarten“, so der Vorstandsvorsitzende. „Wir müssen besser werden.“ Stattdessen verschlechtere sich die Qualität: Die Pünktlichkeitsquote und andere Kennzahlen „erodieren“.

Die interne Statistik, die das Bundesunternehmen führt, zeigt den Trend. Sie führt den Anteil pünktlicher Fernzüge der DB auf – wobei auch Züge noch als pünktlich gewertet werden, die um bis zu fünf Minuten und 59 Sekunden zu spät sind.

Galten noch im Januar dieses Jahres 82,2 Prozent aller Fernverkehrszüge bundesweit als pünktlich, so waren es im August nur 69,8 Prozent. Betrachtet man nur das Netz Ost, zu dem Berlin gehört, so sind die Zahlen etwas besser. Das liegt Berichten zufolge am Engagement hiesiger Eisenbahner und daran, dass das Netz weniger komplex ist. Aber auch hier wirkt sich die steigende Zahl der Baustellen aus, Engpässe in der Infrastruktur kommen ebenfalls zum Tragen. So ist auch im Netz Ost die Pünktlichkeitsquote der Fernverkehrszüge gesunken: von 86,2 auf 75,2 Prozent.

Zu viel gespart, zu wenig Personal

Nicht nur Verspätungen nehmen zu, auch „Komfortstörungen“. Dazu zählen Ausfälle von Einrichtungen im Zug, die das Reisen angenehm machen. Diese Statistik betrifft nur den ICE – das Flaggschiff der Bahn. Hatten im Januar dieses Jahres täglich im Schnitt 40 Züge dieses Typs Toilettenstörungen, waren es im August 59. Bei der Bordgastronomie stieg die durchschnittliche Zahl der Störungsfälle von 65 auf 82 pro Tag.

Der Ausfall der Reservierungsanzeige kann ebenfalls nerven, denn dann müssen Fahrgäste ohne Reservierung befürchten, von ihrem Platz verjagt zu werden. Störungen dieser Art nahmen von 43 auf 60 pro Tag zu.

In der bundesweiten Statistik, wo die meisten ICE mit „Komfortstörungen“ ihre Fahrt antreten, rangiert München mit durchschnittlich 33 solcher Störungen pro Tag an erster Stelle, gefolgt von Berlin (30). Viele ICE fahren hier los, in Rummelsburg gibt es ein Werk für sie.

Für die Störungsmisere führen Beobachter verschiedene Erklärungen an: Sparen bei Wartung und Instandhaltung, zu wenig Personal, Motivationsprobleme. Auch dass die Fahrzeugflotte zunehmend in die Jahre kommt, ist ein Faktor.

ICE wird länger und schneller

Doch hier zeichnet sich Besserung ab, sagte Lutz am Mittwoch. „Alle drei Wochen bekommen wir einen neuen ICE 4 von Siemens.“ In drei Wochen werde der Aufsichtsrat beschließen, dass diese Züge künftig aus 13 statt aus zwölf Wagen bestehen werden. Der 13. Wagen werde einen Antrieb haben. Dann ist mehr Tempo möglich – 265 statt 250 Kilometer in der Stunde. Davon profitieren auch die Fahrgäste zwischen Berlin und München.

Auf dieser Route steigt die Zahl der ICE-Sprinterzüge, die pro Weg weniger als vier Stunden benötigen, im Dezember von drei auf bis zu fünf pro Tag. „Das wird nicht die letzte Angebotsausweitung auf dieser Strecke sein“, kündigte der DB-Chef an.

Fahrgäste beschweren sich, dass die Sitze im ICE4 unbequem seien. Die Bahn prüfe, ob sich die Polsterung verändern ließe, so Lutz. Ergonomen hätten zwar versichert, dass die Sitzposition optimal sei. Doch bei einem Test sei auch er nicht zufrieden gewesen, gestand Lutz. „Ich habe da auch nicht gut gesessen.“