Tantow/Stettin. Die Proteste gegen Pläne Polens zum Bau von Atomkraftwerken reißen nicht ab. Deutsche und Polen haben am Samstag gemeinsam in Stettin (Szczecin) demonstriert. «Rund 150 Menschen protestierten vor dem Regierungspräsidium von Westpolen», sagte der stellvertretende Bürgermeister von Tantow in der Uckermark, Andreas Schwarze (Linke), am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Ein Großteil der Demonstranten sei aus Brandenburg angereist. Die Menschen in der Grenzregion stehen den Plänen der polnischen Regierung besonders kritisch gegenüber, gleiches gilt für die sächsischen Nachbarn. Auch Brandenburgs rot-rote Landesregierung hat sich wiederholt gegen das Vorhaben ausgesprochen. Kritik kommt auch aus Mecklenburg-Vorpommern.

Schwarze bezeichnete die Aktion in Polen trotz relativ geringer Teilnehmerzahl als Achtungserfolg. «Die Genehmigung für die Versammlung ist erst nach langem Hin und Her am späten Donnerstagabend von Stadtverwaltung und Polizeibehörde gekommen», sagte er. Dadurch sei es den Organisatoren erschwert worden, rechtzeitig Aktivisten zu mobilisieren. Initiatoren waren neben polnischen Grünen-Politikern ein Bündnis aus Initiativen, «Atomfrei leben in der Uckermark», das Anti-Atom-Bündnis Berlin und Greenpeace.

Nach Angaben von Schwarze wurde die Demonstration von einem Großaufgebot der Polizei begleitet. Sie sei jedoch friedlich verlaufen. Viele polnische Medien hätten über die Aktion berichtet, die bewusst anlässlich des Jahrestag der Atomkatastrophe in Japan vor einem Jahr geplant worden sei.

Der energiepolitische Sprecher den Grünen-Fraktion im brandenburgischen Landtag, Michael Jungclaus, bewertete die Demonstration als gute Gelegenheit für einen Austausch mit den Kollegen im Nachbarland. Sie sei die erste große Protestaktion in dem Land gewesen.

Polen setzt trotz Bedenken auch in Deutschland weiter auf den Einstieg in die Kernkraft. Das erste Kernkraftwerk des Landes soll 2020 ans Netz gehen. Über den Standort soll im kommenden Jahr entschieden werden. Einwohner der westpolnischen Gemeinde Mielno unweit der deutsch-polnischen Grenze hatten sich Mitte Februar mit großer Mehrheit gegen den Bau eines Atommeilers auf ihrem Gebiet ausgesprochen. (dpa)