Berlin - Der Senat will Berlin in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom zu einer Testregion für das schnelle Mobilfunknetz 5G machen. Darüber hat die Senatsverwaltung für Wirtschaft eine Vereinbarung mit der Telekom getroffen, die der Berliner Zeitung vorliegt.

Bis auf wenige Ausnahmen ist 4G beziehungsweise LTE in Deutschland das schnellste Netz. Aber auch hier hapert es vielerorts noch an Funkmasten und Abdeckung. 5G ist für Verbraucher noch Zukunftsmusik, die ersten 5G-kompatiblen Smartphones kommen gerade erst auf den Markt. Das 5G-Netz ist bis zu 100-Mal schneller als 4G und wird zurzeit vor allem von Entwicklungsschmieden, zum Beispiel auf dem Feld der Künstlichen Intelligenz, benötigt. Etwa beim autonomen Fahren, bei dem Informationen blitzschnell gesendet werden müssen, um Sicherheit zu gewährleisten.

5G-Netz an frequentierten Plätzen

Der Senat hat die Bereiche, in denen 5G in Berlin ausgebaut werden soll, in der Vereinbarung mit der Telekom priorisiert: Zuerst sollen „Zukunftsorte und innovationsorientierte Mischgebiete“ von der Technik profitieren – also Industrie und Forschung. Explizit genannt werden der Technologiepark Adlershof, wo zirka 90 Firmen der Informationsbranche arbeiten, sowie der Siemens-Innovationscampus, den es noch gar nicht gibt, in dessen Entwicklung der Konzern aber 600 Millionen Euro stecken will. Im zweiten Schritt sollen Veranstaltungsorte wie die Messe ans schnelle Netz angeschlossen werden, im dritten hoch frequentierte Plätze und Verkehrswege wie der Potsdamer Platz und die Stadtautobahn. Als vierten und letzten Punkt nennt das Papier die Ausstattung der Berliner U-Bahn.

Konkrete Zeitpläne oder Kosten sind nicht festgelegt. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) spricht dennoch von einem „wichtigen Meilenstein zur frühzeitigen Versorgung Berlins mit dem Mobilfunk der Zukunft“. Experte Thomas Koehler von der Kommunikationsberatung C21 sieht das kritisch: „Das ist eine unverbindliche Absichtserklärung“, sagt er. „Es wird sich zeigen müssen, ob das mehr ist als PR.“

Versteigerung der 5G-Frequenzen

Problematisch finden Koehler sowie Stimmen aus der Opposition, dass zurzeit die Telekom einziger Partner Berlins bei dem 5G-Ausbau ist. „Aus technischer Sicht sind mindestens zwei Netze und zwei Anbieter nötig, um Sicherheit zu gewähren“, so Koehler. Die Vereinbarung mit der Telekom sei nur ein erster Schritt, heißt es darauf aus der Verwaltung. „Die Tür steht allen offen.“

Zum Zeitplan teilt die Telekom auf Nachfrage mit, dass der Neubau eines Mobilfunkstandortes „schon mal zwei Jahre oder länger dauern“ kann. Noch aber sind den Vertragspartnern ohnehin die Hände gebunden. Denn der Berliner Netz-Ausbau hängt von der Versteigerung der 5G-Frequenzen ab, die Bundessache ist. Die Auktion soll noch im Frühjahr stattfinden. Weil der Bund aus Verbrauchersicht wichtige, aus Betreibersicht aber vor allem teure Bedingungen an die Vergabe knüpft, wie zum Beispiel den Ausbau im ländlichen Raum, auf Bundesstraßen und Zugstrecken, haben viele Betreiber Klage eingereicht – darunter auch die Telekom. „Unrealistisch“, lautet die Kritik.