Berlin - Die Feier der Aktionäre dürfte feucht-fröhlich ausgefallen sein. Das Konzernergebnis des börsennotierten Wohnungsunternehmens Deutsche Wohnen betrug 2016 gut 1,6 Milliarden Euro. Nur: Dieses wurde laut Kritikern auf dem Rücken von Berliner Mietern erwirtschaftet. Heute wurde dagegen protestiert.

Während bei der Aktionärs-Party in Frankfurt/Main die Korken knallten, versammelten sich rund 180 Berliner aus neun Bezirken vor der Zentrale der Deutsche Wohnen AG in Charlottenburg.

In Berlin besitzt der Konzern fast 110.000 Wohnungen

Sie forderten unter anderem die Abschaffung des Gesetzes zur energetischen Modernisierung und einen wirksamen Milieuschutz. Die Kritik: Der in Hessen gefeierte Jahresabschluss und die damit verbundene Gewinnausschüttung an die Aktionäre basierte auf überhöhten Betriebskosten, der energetischen Modernisierung und Mieterhöhungen sowie der jahrelangen Verschleppung der Instandsetzungen. Darüber hatte die Berliner Zeitung mehrfach berichtet.

„Die aggressiven Mietsteigerungen der Deutsche Wohnen zwingen uns aus unseren Häusern. Ob in Tegel, Kreuzberg oder Steglitz-Zehlendorf, wir sehen überall, wie die AG unsere Verdrängung in Kauf nimmt“, so Christine Hahn aus der Otto-Suhr-Siedlung.

In Berlin besitzt der Konzern fast 110.000 Wohnungen und ist der größte Immobilieninvestor des Landes. Die Kritikpunkte der Demonstranten fußten gestern auf drei Methoden des Unternehmens: Einerseits lässt die Deutsche Wohnen angeblich Häuser energetisch modernisieren, um sie dann teurer zu vermieten.

Instandhaltungsverpflichtungen wird nicht nachgekommen 

Andererseits versucht sie offenbar, mittels überhöhter Betriebskosten Gewinne einzutreiben. Und drittens hält sie sich laut den Kritikern nicht an ihre Instandhaltungsverpflichtungen.

Unter anderem soll sie notwendige Instandsetzungen mit energetischen Sanierungen verbinden – so ist für die Mieter nicht mehr nachvollziehbar, welche der Baumaßnahmen tatsächlich auf die Miete umgelegt werden dürfe.

Und dann sind da noch die, die unter Instandhaltungs-Faulheit leiden. Etwa die Mieter, die im Winter wegen defekter Heizungen froren. Oder die gestern demonstrierende Brigitte Kaminski. Die 69-Jährige musste aus ihrer Wilmersdorfer Wohnung ausziehen, weil das Dach undicht war und nicht repariert wurde. Regen drang in die Wohnung ein, Schimmel bildete sich.