Michael Zahn, CEO der Deutsche Wohnen.
Foto: Sabine Gudath

BerlinMichael Zahn, Vorstandschef des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen, hat Fehler eingeräumt. „Wir haben uns in unserer Kommunikation viele Jahre zu stark auf den Kapitalmarkt fokussiert“, sagt Zahn in einem Interview mit der Berliner Zeitung.

Die Deutsche Wohnen ist mit mehr als 110.000 Wohnungen in Berlin der größte Immobilienkonzern in der Hauptstadt. Seit Jahren steht der Konzern in der Kritik, durch Sanierungen ganzer Siedlungen maximale Rendite auf dem Rücken der Mieter erzielen zu wollen. So steht der Konzern auch im Mittelpunkt des Volksbegehrens „Deutsche Wohnen & Co enteignen“, das sich für die Vergesellschaftung von Immobilienunternehmen mit 3000 und mehr Wohnungen einsetzt.

Das Land Berlin wirft der Deutsche Wohnen vor, über Jahre rechtswidrig sensible Daten der Mieter gespeichert zu haben – und verlangt 14,5 Millionen Euro Bußgeld. Zahn kündigt an, dass sein Unternehmen gegen den Bußgeldbescheid vorgehe. „Hier stehen Vorwürfe im Raum, die sich auf veraltete Datensätze beziehen“, sagt Zahn der Berliner Zeitung. „Es geht um technisch und rechtlich hochkomplizierte Fragen eines alten Datenarchivierungssystems und eines komplett neuen Datenschutzrechts. Selbst die Berliner Datenschutzbeauftragte erläutert, dass niemand geschädigt wurde und die Daten nicht datenschutzwidrig an Dritte geflossen sind. Sie spricht von Datenfriedhöfen und nicht von Vergehen zu Lasten unserer Mieter.“

Zahn kündigt im Gespräch mit der Berliner Zeitung auch an, Rücksicht auf die Mieter nehmen zu wollen.

Er sagt, dass sein Unternehmen Vereinbarungen getroffen habe, soziale Härten bei Modernisierungen abzufedern. „Wir haben unseren Mietern versprochen: Wenn ihre Einkommen zu niedrig sind, verzichten wir bei Modernisierungen auf die Modernisierungsumlage. Kein Mieter muss Angst um seine Wohnung haben.“ Der Politik wirft Zahn vor, zur Panik zu neigen, weil sie keine Antworten auf drängende gesellschaftliche Fragen habe. Dennoch habe er ein Interesse an guten Kontakten zu politisch Verantwortlichen. Er suche dabei „aber nicht die offene Bühne, sondern versuche die Dinge mit dem Regierenden Bürgermeister und dem Finanzsenator im Dialog zu lösen“, sagt Zahn.