Berlin - Frau Kühnert, Sie könnten heute Abend zum ersten Mal eine Lola in den Händen halten. Aufgeregt?

Ja, schon. Aber ehrlich gesagt komme ich gar nicht so viel dazu, darüber nachzudenken. Ich habe sehr viel zu tun, da bleibt kaum Zeit. Und das ist auch gut so.

Als gelernte Herrenmaßschneiderin haben Sie sich aber sicher ein Galakleid selbst genäht.

Auf keinen Fall. Ich habe seit Ewigkeiten keine Nadel mehr in der Hand gehabt. Ich nehme ein Kleid aus meinem Kleiderschrank, aber das Auswahlverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Gibt es eine vorbereitete Rede?

Bloß nicht. Ich bin abergläubisch und mache so etwas nicht vorab. Wenn ich den Preis bekomme, dann rede ich spontan und lasse mich von meinen Emotionen leiten.

Die Konkurrenz in der Kategorie beste Hauptdarstellerin ist mit Sandra Hüller und Alina Levshin sehr hart. Haben Sie die Kolleginnen gesehen?

Ich habe mir ihre Filme angeschaut und finde, sie haben beide tolle Leistungen gebracht. Wir haben uns ja schon beim Nominierten-Treffen kennengelernt und gönnen uns alle den Preis. Da gibt es wirklich keinen Neid. Für mich bricht auch keine Welt zusammen, wenn ich die Lola nicht kriege.

Sie waren schon öfter Gast beim Filmpreis. Das ist doch fürchterlich steif. Ist es nicht anstrengend, da im Saal zu sitzen und die ganze Zeit aufzupassen, dass einen die Kamera nicht beim Gähnen erwischt?

Überhaupt nicht. Das ist mir viel zu anstrengend, die ganze Zeit nach der Kamera zu gucken. Wenn sie mich in einem ungünstigen Moment erwischt, dann ist das auch nur menschlich.

Worauf freuen Sie sich besonders an diesem Abend?

Ich freue mich, dass mein Sohn und mein Mann mich begleiten, darauf, das Team von „Halt auf freier Strecke“ wiederzutreffen und auf ein Wiedersehen mit vielen anderen Kollegen.

In „Halt auf freier Strecke“ arbeiteten Sie nach „Halbe Treppe“ und „Wolke 9“ wieder mit Andreas Dresen zusammen. Das bedeutet ohne Drehbuch, denn Text zum Auswendiglernen gibt es bei Dresen nicht. Wie schwer ist es, so zu arbeiten?

Es ist eine Herausforderung, die Mut erfordert. Angst darf man bei Dresen nicht haben. Aber in der Improvisation liegt auch die Chance der besonderen Authentizität. Wir bekommen eine Situation vorgegeben und können frei agieren. Da helfen Lebenserfahrung und gute Partner. Und den hatte ich mit Milan Peschel. Trotz des schweren Themas, das uns sehr viel abgefordert und emotional tief reingezogen hat, konnten wir am Set durchaus auch lachen.

Das Interview führte Anne Vorbringer.

Die Auszeichnungen werden am Freitagabend im Friedrichstadt-Palast vergeben.