Die Ethik- und Deutschlehrerin Clara Maria Wengler hat den Deutschen Lehrerpreis 2017 erhalten. Hochschwanger nahm die 34-Jährige den Preis, der von Philologenverband und Vodafone-Stiftung vergeben wird, am Montag im Kaisersaal am Potsdamer Platz entgegen – und zwar in der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“. Vorgeschlagen hatte sie nämlich ein Schüler, den sie während einer langen Krankheitsphase nie vergessen hat, sich beharrlich um ihn gekümmert hat. „Sie ist eine herausragende Lehrerin, die sich während meiner zweijährigen Erkrankung um meinen Schulstoff kümmerte, mich in der Klinik besuchte und meine Rückkehr in die Schule organisierte“, schrieb ihr Schüler Sören. Andere hätten gar nicht mehr an seinen Abschluss geglaubt.

Wengler, die aus dem Münsterland stammt und in Halle/Saale studiert hat, unterrichtete fünf Jahren an der Ferdinand-Freiligrath-Sekundarschule in Kreuzberg. Dort gibt es den fächerübergreifenden Arena-Unterricht, bei dem Schwerpunktthemen gesetzt werden. Wengler unterrichtete das Fach Medien, auch ein Fotograf und ein Journalist machten mit. „Es ist nicht mehr so wie im Mittelalter, dass der Lehrer der Besitzer des Wissens ist“, sagte sie der Berliner Zeitung.

„Ich wünsche mir viele leidenschaftliche Lehrer"

Vielmehr gehe es heute darum, Schüler zu beraten, zur Selbstständigkeit zu motivieren und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass es immer einen Weg für sie geben werde. „Wer etwas über den Gebrauch des Konjunktivs im Deutschen wissen möchte, kann sich mittlerweile dazu auch 20 Lernvideos auf Youtube anschauen“, sagte die Lehrerin. Diese noch etwas unorthodoxe Haltung kam bein den Schülern gut an. „Frau Wengler ist davon überzeugt, dass in jedem Schüler Talente schlummern“, sagte ein andere Schüler. Nicht jeder Schüler müsse im Unterricht immer das Gleiche machen, das ist das Credo der Lehrerin.

Was aber wünscht die ausgezeichnete Pädagogin den zuweilen geschmähten Berliner Schulen? „Ich wünsche mir viele leidenschaftliche Lehrer und Arbeits- und Rahmenbedingungen, die dafür sorgen, dass sie ihre Leidenschaft bis zum Ende ihres Arbeitslebens erhalten“, sagte Lehrerin Wengler, die gerade an die Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule nach Britz gewechselt ist. Dort wolle sie wieder mehr in der Oberstufe arbeiten.

Preis auch an märkischen Lehrer

Für sein herausragendes Engagement hat auch ein Lehrer aus Brandenburg den Deutschen Lehrerpreis erhalten. Auch Florian Rietzl ist Preisträger in der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus.“Der Lehrer für Deutsch, Geschichte und Rhetorik unterrichtet am privaten Philipp-Melanchthon-Gymnasium in Grünheide (Mark) im Landkreis Oder-Spree. Seine Schüler nominierten ihn, weil sie seine interaktive Vermittlung des Stoffes und die innovativen Lernprozesse schätzten, hieß es in einer Mitteilung. Zudem habe er Humor.

„Er hat ein Gespür dafür entwickelt, wann er den Unterricht ein wenig lockerer gestalten muss, damit alle Schüler ihm weiter folgen können“, lobte ihn ein Schüler. „Herr Rietz schafft nachhaltigen Unterricht und Arbeitsergebnisse, die uns auch noch in 20 Jahren mit einem Lächeln erhalten sind“, teilte ein anderer Schüler mit. Das Gymnasium südöstlich von Berlin wird von den docemus Privatschulen betrieben. Insgesamt wurden 21 Auszeichnungen an Lehrer und Projekte aus neun Bundesländern verliehen. Mehr als 4800 Schüler und Lehrkräfte beteiligten sich an dem bundesweiten Wettbewerb. Die Preise vergab unter anderem auch Bundespräsidenten-Gattin Elke Büdenbender.