Die besten Nachrichten im Radio kommen nun ohne die heißgeliebten Staumeldungen
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BerlinEs ist vorbei. Wieder einmal stirbt eine Institution. Der Deutschlandfunk will die Verkehrsmeldungen streichen. Diese Meldungen sind aber ein Kulturgut, für mich persönlich sogar wahrer Kult.

Dass dieser Radiosender die besten, weil ausführlichsten Nachrichten macht, ist bekannt. Dort wird eine Neuigkeit nicht auf seinen nicht entschlüsselbaren Kern zusammengekürzt, sondern dort wird mit ein oder zwei einordnenden Sätzen der Hintergrund der Meldung erklärt. Und am Ende der Nachricht glaubt man dann: "Ich habe es kapiert."

Doch auch gut gemachte Nachrichten sind meist schlechte Nachrichten, denn die Nachrichtenwelt lebt nun mal vor allem von Katastrophen, Kriegen und dem politischen Drama. Deshalb ist es immer wieder so beruhigend, wenn nach all der Schwere der Welt dann kurz mal etwas fast Belangloses zu hören ist – der Verkehrsfunk.

Das sind zwar auch Negativmeldungen – weil es um Staus oder Unfälle geht –, aber es sind alltägliche und nachvollziehbare Dramen. Und Staus sind ja auch jene Zeiten, in denen mal im besten Fall eine gute Radiosendung hören kann.

Aufgegeben vor dem Zeitgeist und den Navigationsgeräten

Nun gab der Deutschlandfunk bekannt, dass er künftig keine seiner geradezu legendären Verkehrsmeldungen mehr sendet. Dies sei „in Zeiten von Navigationsgeräten mit Echtzeit-Informationen“ nicht mehr wichtig. Damit will der Sender 30 Minuten mehr Sendezeit für Nachrichten gewinnen.

Das klingt nicht schlecht, aber es gibt auch Leute, die sich an den wundersamen Namen von Autobahnabfahrten in diesem Land erfreuen. Kein Schriftsteller kann sich so was ausdenken: Rheda-Wiedenbrück, Sinsheim-Steinsfurt, Neunkirchen-Wellesweiler. Es gibt Preziosen wie Essen-Haarzopf, Untereisesheim, Lederhose. Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen Kamen und Bergkamen. Sollte man da mal abfahren und nachschauen?

Als wir vor einigen Jahren mal ins Ruhrgebiet fuhren, kreuzte ich ganz bewusst das Kreuz Unna, sah die engen Abfahrten und begriff endlich, warum es dort ständig Unfälle und Staus gibt.

Nun ist es also vorbei mit all den Gedankenspielen, die sofort im Kopf beginnen, wenn es heißt, dass an einer Wanderbaustelle namens Dresden Wilder Mann einige Spanngurte auf der Fahrbahn liegen. Warum gingen die Gurte verloren? Könnte der Lastwagen nun seine Ladung verlieren? Und was hat er geladen? 

Noch besser war es eigentlich nur, wenn im nüchternen Nachrichtenton die Meldung verlesen wurde: Herr Heinrich Müller aus Krefeld, der gerade mit seinem silbergrauen Wartburg-Kombi im Raum Halle-Leipzig unterwegs ist, soll doch bitte dringend seine Frau in Wuppertal anrufen.

Was für ein perfekte Vorlage für das Kopfkino.