Es ist schon jetzt einer der wichtigsten Bahnhöfe in Deutschland. In keiner anderen Station gibt es so viele Zughalte wie am Ostkreuz in Berlin – 552.000 pro Jahr. In wenigen Wochen wird der Knotenpunkt nun weiter an Bedeutung gewinnen. Nach dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember werden nicht nur weitere Regionalzüge dort halten, unter anderem nach Potsdam, Frankfurt (Oder), Cottbus und Wismar. Die Station am Rande von Friedrichshain wird zum Fernbahnhof. Der private Fernzug, der unter dem Markennamen Locomore Berlin mit Stuttgart verbindet, legt am Ostkreuz einen Halt ein.

„Berlin-Ostkreuz wird dauerhaft in die Verbindung aufgenommen“, sagte David Krebs, Sprecher von Flixbus. Das Fernbusunternehmen verkauft die Fahrkarten für den Zug, der von dem deutschen Ableger des tschechischen Bahnunternehmens Leo Express betrieben wird. „Locomore wird damit der erste Fernzug sein, der am Ostkreuz hält“, bestätigte Krebs. Künftig kann man von dort ohne Umsteigen nach Hannover, Kassel, Frankfurt (Main), Heidelberg, Stuttgart und zu anderen Städten reisen.

Tickets für Locomore ab 9,90 Euro

Viermal pro Woche wird die Elektrolok mit den gemieteten orangerot lackierten Wagen im unteren Teil einen Stopp einlegen. Dort wird der Zug, der um 6.39 Uhr in Stuttgart abfährt, laut Auskunft der Deutschen Bahn (DB) um 13.21 Uhr eintreffen. Auf der Rückfahrt legt er um 14.38 Uhr einen Stopp ein, um 21.29 Uhr soll er Stuttgart erreichen. Fahrkarten gibt es ab 9,90 Euro pro Weg.

„Jeder zusätzliche Zug am Ostkreuz ist ein Gewinn“, sagte der Friedrichshainer SPD-Abgeordnete Sven Heinemann. Er beobachtet seit Jahren die Entwicklung des Bahnhofs. Einst als „Rostkreuz“ geschmäht, wurde das Ostkreuz für viel Geld umgebaut und neu gestaltet. Wenn im Dezember weitere Regionalzüge und der Locomore-Zug am Ostkreuz halten, wird das eine weitere Aufwertung bedeuten, die auch das benachbarte Wohnviertel zunehmend beeinflusst.

Chef von Leo Express ist zufrieden

Schon jetzt gibt es vom Ostkreuz eine Fernverbindung, den „Kulturzug“ nach Wrocław (Breslau). Sie gilt aber als Regionalverkehr, weil sie von den Ländern bezuschusst wird. Locomore ist der erste echte, eigenwirtschaftlich betriebene Fernzug, der regelmäßig am Ostkreuz hält.

Fernverkehr am Ostkreuz – das ist nun keine Utopie mehr. Pläne wurden schon vor 80 Jahren entwickelt, schreibt Heinemann in seinem Buch über den Bahnhof, das in diesem Jahr erscheint. Als Albert Speer während der Nazi-Zeit die „Reichshauptstadt Germania“ projektierte, entstanden 1937 Pläne für ein neues Ostkreuz – mit neun Fernbahnsteigen. Auch in der DDR gab es konkrete Ideen: 1959 berichtet die Berliner Zeitung über Pläne, einen 300 Meter langen Fernbahnsteig zu bauen.

Zweiten Zug wird es nicht geben

Der Locomore-Zug verkehrt seit dem 24. August unter der Ägide von Flixbus und Leo Express. Er hatte schon im Dezember 2016 den Betrieb aufgenommen – bis sein Betreiber, das Kreuzberger Unternehmen Locomore, im Mai Insolvenz anmeldete und der Betrieb erst mal eingestellt werden musste. Die Einnahmen deckten die Kosten nicht.

„Wir sind mit der Nutzung des Zuges zufrieden, auch mit der Zusammenarbeit mit Flixbus. Es gibt genug Nachfrage und Platz für mehrere Fernverkehrsanbieter“, sagte Peter Köhler, Chef von Leo Express, der Berliner Zeitung. „Wir sind sehr zufrieden mit den Ticketverkäufen“, bestätigte David Krebs von Flixbus. Künftig biete Flixbus weitere Umsteigeverbindungen Zug/Bus an. Dass in der DB-Fahrplanauskunft eine weitere Fahrt verzeichnet ist, sei wohl ein Versehen: „Einen zweiten Zug zu Dezember 2017 wird es nicht geben, dies scheint ein Anzeigefehler bei der Bahn zu sein.“