DGB am 1. Mai in Berlin: Rostbratwurst, Bier und bessere Arbeitsbedingungen

Erst demonstrieren, dann am Brandenburger Tag Reden hören und schließlich auf dem 17. Juni mit Thüringer Rostbratwurst, Fischbrötchen und Bier feiern – so begingen Tausende Berliner am Sonntag den 1. Mai zusammen mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Der hatte zum Tag der Arbeit das Motto „Zeit für mehr Solidarität“ ausgerufen und zur Demonstration geladen. Etwa 14.000 Gewerkschafter folgten laut DGB dem Aufruf und demonstrierten vom Hackeschen Markt über Leipziger Straße und Potsdamer Platz zum Brandenburger Tor.

Der Zug war bunt und lang, viele hatten Fahnen und Luftballons dabei. Während im öffentlichen Dienst und an der Charité in dieser Woche Tarifeinigungen erzielt wurden und die Stimmung daher ausgelassen war, machten sich andere Teilnehmer eher Sorgen um ihren Job: So protestierten die Beschäftigten von Vattenfall mit Plakaten gegen die geplante Schließung ihres Kundenservice. „Seit 134 Jahren gibt es den Kundenservice, damals mit der Bewag gegründet“, sagte Robin Marks von Verdi. Nun habe der schwedische Staatskonzern beschlossen, den Bereich Ende 2018 in Berlin dicht zu machen, 400 Beschäftigte sind betroffen. Die Arbeit sollen Dienstleister in Callcentern übernehmen. „Die Politiker müssen sich einmischen. Die Rekommunalisierung wäre das Beste“, so Marks.

Mit blauen T-Shirts und dem Aufdruck „Wir werden kämpfen wie die Bären“ machen auch die Arbeiter von Nokia auf sich aufmerksam. Der Berliner Standort von Nokia Networks soll geschlossen werden und 110 Leute ihren Arbeitsplatz verlieren. „Obwohl wir einen Standortsicherungsvertrag haben“, sagte die Betriebsratsvorsitzende Astrid Diebitsch. Um die Sozialauswahl zu umgehen, seien separate Firmen gegründet worden.

Diese beiden Fälle seien Negativbeispiele und wirtschaftlich kurzsichtig, sagte DGB-Bundesvorstand Stefan Körzell auf der Abschlusskundgebung. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) will jetzt Gespräche mit Nokia führen. „Wir haben auch erreicht, dass das Siemens-Gasturbinenwerk erhalten bleibt. Das macht Mut für Nokia“, sagte Müller. Zugleich forderte er die Berliner auf, solidarisch zu sein auch mit den Menschen, die Hilfe und Zuflucht in der Stadt gesucht haben: „Die AfD mit ihren ausgrenzenden Parolen steht für das Gegenteil. Berlin bleibt eine Stadt der Offenheit und der Toleranz.“