Die Diagnose hört sich nicht gut an: „stellenweises Totalversagen“. Bei Arbeiten im Bereich der U-Bahnhofstation Görlitzer Bahnhof in Kreuzberg wurde festgestellt, dass Teile der Hochbahnanlage stärker geschädigt sind als erwartet. Darum haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) entschieden, die für später vorgesehene Sanierung des Viadukts der U1 vorzuverlegen. Das geschah, „um einer möglichen kurzfristigen Totalsperrung der angrenzenden Streckenabschnitte in Richtung U-Bahnhof Schlesisches Tor vorzubeugen“. So steht es in einer Bekanntmachung des Landesunternehmens, die das Europäische Amtsblatt jetzt veröffentlicht hat.

Nein, es gebe keinen Grund zur Besorgnis, sagt BVG-Sprecher Markus Falkner. Der Viadukt, auf dem die U1 und voraussichtlich vom Frühjahr an auch die U3 fährt, sei „betriebssicher“. Bis zur nächsten anstehenden Prüfung im Jahr 2020 könne die Hochbahn auf dem Mittelstreifen der Skalitzer Straße problemlos betrieben werden. „Allerdings könnte dann ein kritischer Zustand erreicht sein“, so Falkner. „Daher ziehen wir ursprünglich später geplante Bauarbeiten nun auf das Jahr 2019 vor. Gebaut werden soll dann im Bereich zwischen Lausitzer Platz und Schlesischem Tor.“ Nach Abschluss der Arbeiten werde die U1 dann auch dort wieder dauerhaft betriebssicher sein.

„Mögliche Gefahr im Verzug“

Die Viadukte und Gleisanlagen der U1 werden seit einigen Jahren saniert. „Zwischen dem Gleisdreieck und der Einfahrt Kottbusser Tor sind wir fertig“, sagte der BVG-Sprecher. „In diesem Jahr haben wir im Bereich Görlitzer Bahnhof gearbeitet. Als die Gleise entfernt waren, haben wir festgestellt, dass die Buckelbleche von oben stärker angegriffen waren als man nach Prüfung von unten erwarten konnte.“ Buckelbleche sind gekrümmte Bleche, die wie kleine Wannen aussehen. Sie sind mit Schotter gefüllt, auf dem Schwellen und Gleise verlegt sind.

Das „stellenweise Totalversagen“ der Buckelbleche wurde im Juli festgestellt. Im September entschied die BVG, den Sanierungsablauf zu ändern. Nun sollen die Instandsetzungsarbeiten zwischen Kottbusser und Schlesisches Tor bereits im Sommer 2019 beginnen, so die BVG.

Gleisarbeiten für Frühjahr und Herbst geplant

Darum musste die Planung rasch in Auftrag gegeben werden. „Auf Grund der Dringlichkeit wegen möglicher Gefahr im Verzug und des Umfangs der Planungen ist eine besondere Eilbedürftigkeit im Interesse der Betriebssicherheit des U-Bahnverkehrs angezeigt“, so die Bekanntmachung. Es habe lediglich einen „Mini-Wettbewerb“ gegeben, hieß es. Die Firma WTM Engineers aus Berlin bekam den Zuschlag.

„Schon 2018 setzen wir wie geplant die Sanierung der Viadukte und Gleisanlagen auf der U1 fort“, sagte Markus Falkner. Für das späte Frühjahr und den Herbst sind Gleis- sowie andere Arbeiten geplant.