Besser spät als noch später. Nach wochenlangem Zögern hat sich der Berliner Senat auf die Aufhebung der 2G-Regelung im Einzelhandel und in Kultureinrichtungen verständigt. Dass es dabei zu Reibereien innerhalb der rot-grün-roten Landesregierung kam, wundert nach der langen Hängepartie nicht.

Doch das Ende von 2G bedeutet auch die Abkehr von einer Impfstrategie. Monatelang hatte der Senat argumentiert, dass er mit der 2G-Regel mindestens zwei Ziele verfolge: Einerseits wolle man das Infektionsgeschehen eindämmen. Ob dieses Ziel erreicht wurde, ist – wie so vieles bei Corona – fragwürdig. Erst recht gilt dies für den Umgang mit der Variante Omikron. Die Inzidenz ist seit Tagen schwindelerregend hoch, gleichzeitig ist die Lage in den Krankenhäusern angespannt, aber beherrschbar.

Das zweite Ziel von 2G wurde meistens hinter vorgehaltener Hand genannt, galt aber genauso: Indem man es den Ungeimpften schwer mache, am alltäglichen Leben teilzunehmen, wollte man sie doch noch zum Impfen bewegen. Am Ende fällt der Erfolg übersichtlich aus. Der Impffortschritt in Berlin steigert sich nur noch minimal. Für diese Woche meldet die Gesundheitsverwaltung eine Quote von 77,1 Prozent, in der Woche davor waren es 77,0 Prozent.

Wenn sich der Senat also von 2G verabschiedet, wendet er sich auch von seiner Impfpolitik ab. Bei der Einschätzung, ob das eine gute Nachricht ist, hilft ein tieferer Blick auf die Zahlen. Die Quote von 77,1 Prozent ist nach Meinung vieler Ärzte besser, als sie aussieht. Vor allem bei den besonders gefährdeten Alten weist Berlin eine noch deutlich bessere Quote auf. Jetzt muss es das vorrangige Ziel sein, möglichst viele doppelt Geimpfte möglichst schnell zu boostern. Dafür wird man nicht einmal besondere Anreize brauchen, sondern vor allem Angebote.