Berlin - Knapp 23 Jahre nach der Eröffnung der damaligen Daimler-City am Potsdamer Platz steht das in die Jahre gekommene Stadtviertel um Kollhoff-Tower, Arkaden und Spielbank vor einem Neuanfang. Die Alte Potsdamer Straße soll zur Fußgängerzone werden. Und die Einkaufspassage Potsdamer-Platz-Arkaden soll sich stärker zu den angrenzenden Straßen öffnen. Das sehen die Pläne des Eigentümers vor, des kanadischen Unternehmens Brookfield Properties, die am Donnerstag präsentiert wurden.

„Wir planen 40.000 Quadratmeter Stadtraum neu“, sagt Architekt Oliver Schulze. Die Alte Potsdamer Straße soll vom Potsdamer Platz bis zum Marlene-Dietrich-Platz von Autoverkehr befreit werden. „In Zukunft ist der Fußgänger hier König“, so Schulze. „Wo jetzt noch Autos parken, werden künftig Sitzbänke stehen.“ Außerdem ist vorgesehen, dass Restaurants und Cafés mehr Platz bekommen, um draußen Tische und Stühle aufzustellen. Der Asphalt der alten Straßendecke soll einem Bodenbelag aus Granitsteinen in verschiedenen Grautönen weichen – mit stufenlosem Übergang zum bisherigen Bürgersteig.

Auch ein neues Beleuchtungskonzept ist geplant. Statt der bisherigen Straßenlaternen werden Masten aufgestellt, die über die Straße hinweg mit Stahlseilen verbunden werden, an denen Leuchtkörper hängen. Dadurch entstehe ein „schönes Dach“ über den Köpfen der Menschen in der Fußgängerzone, sagt Architekt Schulze. Aber nicht nur das. Die neuen Hängelaternen, die mit LEDs bestückt sind, sollen zu verschiedenen Tageszeiten nicht nur heller oder dunkler, sondern zugleich wärmer leuchten, etwa zum späteren Abend, wenn der Tag ausklingt.

Wasserfontänen und ein Regenwassergarten geplant

Der Marlene-Dietrich-Platz im Zentrum des Stadtquartiers wird ebenfalls erneuert. Die dortigen Stufen, bisher gefährliche Stolperfallen, weichen einer ebenen Fläche. Und auch dort werden Bürgersteig und Straßenbelag auf ein Niveau gebracht. So können die Besucher künftig ebenerdig vom U-Bahnhof Potsdamer Platz bis zum Theater gelangen, sagt Schulze. Neu hinzu kommen am Marlene-Dietrich-Platz eine Baumreihe und ein Spiel aus Wasserfontänen, wie vom Parlaments- und Regierungsviertel bekannt. Die bisherigen Wasserbecken sollen zu einem Regenwassergarten gestaltet werden und künftig durch Stufen zugänglich sein.

Während die Arbeiten im Außenbereich des Quartiers erst noch beginnen müssen, sind sie in den Potsdamer-Platz-Arkaden bereits vor einem Jahr angelaufen. Die ehemalige Einkaufspassage unter dem Glasdach gleicht zurzeit einer Großbaustelle. Die Geschäfte hier sind – bis auf ein paar Nahversorger – längst ausgezogen, die Schaufenster und Ladeneinrichtungen wurden entfernt. Zu sehen sind nackter Betonboden, graue Decken, Stahlträger und Baugerüste. Rolltreppen und Brücken wurden ausgebaut und kommen auch nicht wieder an den alten Platz zurück. Das Modell der Einkaufspassage, die über einen zentralen Gang im Inneren erschlossen wird, hat nämlich ausgedient. Künftig sollen die Erdgeschossflächen so weit wie möglich von außen geöffnet werden und Besucher anlocken – zum Beispiel mit Cafés und Restaurants.

Berliner Zeitung/Markus Wächter
Zukunft und Gegenwart: Auf dem Marlene-Dietrich-Platz ist ein Spiel mit Wasserfontänen geplant. Außerdem soll eine Baumreihe angelegt werden. 

Die Öffnung nach außen soll auch am Bodenbelag deutlich werden. So ist geplant, das Straßenpflaster von außen im Inneren fortzuführen. Aus der einstigen durchlaufenden Ladenpassage sollen sechs individuelle Gebäude werden, sagt Karl L. Wambach von Brookfield Properties. Jedes der Gebäude solle einen Hauptmieter bekommen. Die ersten Hauptmieter stehen schon fest. Neben Mercato Metropolitano, einem nachhaltigen Gemeinschaftsmarkt, zieht der US-amerikanische Spielzeughersteller Mattel in die Arkaden, um hier in Europa das erste Familien-Entertainment-Center „Mission: Play!“ zu eröffnen. Eine interessante Mischung: Mattels Barbie auf der einen Seite trifft künftig auf die Idee von Mercato Metropolitano, deren Ziel es ist, „ein abfall-, plastik- und chemikalienfreies Unternehmen zu werden“. Im nächsten Jahr sollen die Umbauten in den Arkaden abgeschlossen sein, die Außenanlagen sollen bis 2025 umgestaltet werden.

Brookfield Properties
Blick in die künftigen Arkaden: Die Rolltreppen und Brücken im Innern sind weg – nur das Dach und der Eingang aus Glas erinnern an die alte Gestaltung. 

Mehr als 200 Millionen Euro Investment binnen zehn Jahren

Mehr als 200 Millionen Euro will Brookfield am Potsdamer Platz innerhalb von zehn Jahren investieren, sagt Manager Karl L. Wambach. Brookfield hatte das Quartier Potsdamer Platz im Jahr 2016 übernommen. Die Kanadier sind bereits der dritte Eigentümer des Quartiers, zu dem 17 Gebäude gehören. Daimler hatte sich im Jahr 2007 von den Immobilien getrennt und nach und nach vom Potsdamer Platz zurückgezogen. „Als wir den Potsdamer Platz 2016 übernahmen, haben wir ihn in einem desolatem Zustand vorgefunden“, sagt Wambach. Es habe rund 50 Prozent Leerstand gegeben. Mittlerweile habe sich die Vermietung deutlich verbessert. Die Büros seien zu knapp 100 Prozent vermietet. Auch die Verträge für das Kinocenter, das Theater und die Spielbank liefen weiter. Mercedes-Benz ist am Potsdamer Platz allerdings nur noch mit seiner Hauptstadtrepräsentanz und seiner Kunstsammlung im Haus Huth vertreten.

Die Bauarbeiten in dem Quartier haben laut Wambach nichts mit der Corona-Krise zu tun. Die Umgestaltung habe schon vorher begonnen, sagt er. Wambach zeigt sich optimistisch, dass die Zahl der Besucher nach der Corona-Krise das Niveau aus der Zeit davor erreicht. „Auf die Zahlen vor Corona werden wir sicherlich kommen“, sagt er. 35.000 bis 40.000 Besucher zog es vor Corona täglich in die Arkaden. Auf dem gesamten Areal wurden mehr als 110.000 Besucher täglich gezählt. Als Besucher setzt Wambach weiter auf die Berliner und Brandenburger, aber auch auf die Touristen. Dennoch: Was Shoppingcentern wie Einkaufsstraßen zusetzt, ist die Konkurrenz durch den Online-Handel. Sie führt dazu, dass die traditionellen Geschäfte immer mehr an Kaufkraft verlieren.

Im Bezirk Mitte kommen die Umgestaltungspläne gut an. „Sowohl die Fußgängerzone als auch das städtebauliche Qualitäts- und Nachhaltigkeitskonzept sind aus Sicht des Bezirksamtes sehr gut geeignet, den Potsdamer Platz in eine gute Zukunft zu führen“, sagt Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne). „Ich freue mich deswegen, weil ich nach wie vor an den stationären Einzelhandel glaube.“

Im Sony Center wird noch geplant

Beim anderen großen Nachbarn am Potsdamer Platz, dem Sony Center, laufen ebenfalls Vorbereitungen für eine Erneuerung. „Das Sony Center soll grundlegend modernisiert werden“, sagt ein Sprecher des Eigentümers auf Anfrage. Die Modernisierung und architektonische Neuausrichtung umfasse „Baumaßnahmen an allen acht Gebäuden“. Darüber hinaus sei geplant, die Grün- und Außenanlagen umzugestalten und das Gastronomie- und Einzelhandelsangebot auszubauen. Die entsprechenden Pläne seien „kurz vor der Fertigstellung“. Die Gespräche mit den Behörden liefen bereits. Auch an den vor kurzem verstorbenen Architekten des Sony Centers, den Deutsch-Amerikaner Helmut Jahn, solle gedacht werden. „Im Zuge der Modernisierung arbeiten wir gegenwärtig aktiv mit dem Team Helmut Jahns zusammen“, so der Sprecher.

So wie Daimler ist auch Sony schon lange nicht mehr Eigentümer des nach ihm benannten Centers. Der Elektronikkonzern hatte die Immobilie 2008 an ein internationales Konsortium verkauft. Nach einem weiteren Verkauf im Jahr 2010 übernahm 2017 die kanadische Immobiliengesellschaft Oxford Properties, eine Tochter des Pensionsfonds für kommunale Angestellte der Provinz Ontario, zusammen mit der Investmentgesellschaft Madison International Realty das Center.

Die aktuelle Vermietungsquote im Sony Center liegt nach Angaben des Sprechers zurzeit „bei gut 90 Prozent“. Der Pharmakonzern Sanofi will allerdings im vierten Quartal 2021 ausziehen. Diese Flächen sollen aber im Zuge der Modernisierung des Bahntowers ab Anfang 2022 vorübergehend als Ausweichbüros genutzt werden. Schon Ende 2019 hatte sich das Premierenkino Cinestar samt Imax-Kino vom Potsdamer Platz verabschiedet, nachdem der Vertrag ausgelaufen war. Im ehemaligen Imax-Kino betreibt die Starlounge GmbH seit Februar 2021 ein Streaming- und Event-Center. Zwar soll das Sony Center auch in Zukunft ein „Ort für Kinoerlebnisse sein“, eine Vereinbarung mit einem Nachmieter für die Kinos gibt es nach Angaben des Sprechers jedoch noch nicht. Mit „einigen Betreibern“ liefen aber Gespräche.