Menschenmassen und Lärm gehörten bislang genauso zum Baumblütenfest wie der süße Obstwein.
Foto: dpa/Paul Zinken

WerderDie Zukunft wird kleiner. Jedenfalls wenn es um das legendäre Baumblütenfest in Werder geht. Und das will durchaus etwas heißen, denn bislang war es ein Fest der Superlative. Es fand 2019 zum 140. Mal statt, hat also eine sehr lange Tradition und gilt als eines der größten Volksfeste in Ostdeutschland. Bei dem Fest Anfang Mai, wenn idealerweise die Obstbäume rings um Werder in voller Blüte sehen, strömen immer neun Tage lang zehntausende Feierfreudige in die Stadt.

Doch die Zahl der genervten Bürger stieg stetig, und die Stadt fand auch keinen Veranstalter mehr, der den Rummel in einer etwas kleineren Form organisieren wollte. Also wurden die Großfeiern für 2020 und 2021 erst einmal abgesagt, um die Bürger zu befragen. Die Umfrage der Stadt lief im Internet seit dem 25. November und endete am Dienstag. Bereits am Abend wurde dann erste Ergebnisse vorgestellt.

Baumblütenfest: Lange wurde auf Größe gesetzt

Zwar hat die Auswertung der Umfrage erst begonnen, aber der Referent für Einwohnerbeteiligung Linus Strothmann stellte der Stadtverordnetenversammlung erste Tendenzen vor. „Das Baumblütenfest als städtische Tradition und besonders das Feiern mit Freunden in den Höfen und Gärten hat hohe Zustimmungswerte“, sagte er. In der Umfrage wurden mehrere Varianten für die künftige Festausrichtung diskutiert.

Lange Jahre wurde vor allem auf Größe gesetzt, und die Stadt war eine Zeit lang auch stolz auf Rekorde. So kamen im Jahr 2000 etwa 700.000 Besucher innerhalb der neun „Baumblüten-Feiertage“ rings um den 1. Mai in die Stadt – die gerade mal 25.000 Einwohner hat. Zu solch einem Riesenfest gehörten dann auch große Bühnen mit Livemusik sowie große Flächen mit Rummel und riesigen Fahrgeschäften – manche waren bis zu 80 Meter hoch. Dazu gehörten natürlich immer auch die negativen Begleiterscheinungen solcher Massenaufläufe: viel Lärm, viele Betrunkene und auch Schlägereien und Verletzte.

Bevorzugung der regionalen Anbieter

Das Baumblütenfest hatte seit vielen Jahren ein abschreckendes Ballermann-Image. Viele Werderaner stört es, dass viel zu viele Leute in die kleine Innenstadt kommen. Genau diese Tendenz bestätigt die Umfrage. Strothmann sagte, dass ein Vorschlag klar die größte Zustimmung erhielt – der Vorschlag, das Fest vor allem in den Höfen und Gärten der Stadt zu feiern und mit dezentralen Angeboten zu ergänzen. Strothmann sagte, laut Umfrage wollen die Leute auch, dass regionale Gewerbetreibende bevorzugt und dass die ansässigen Gastronomen stärker einbezogen werden.

Bislang wurde das Fest von einer professionellen Großagentur organisiert. Kritisiert wurde, dass solche Veranstalter vor allem auf einen möglichst großen Umsatz setzen und viele Attraktionen. Doch die Teilnehmer der Umfrage lehnen dies ab. Die Mehrheit ist nun sogar dafür, dass das Fest künftig von einem stadteigenen Betrieb in Zusammenarbeit mit Vereinen veranstaltet wird.

Doch noch ein Baumblütenfest 2020

Das ist eine klare Abkehr vom Image, das größte „Suff-Fest“ des Ostens zu sein. Dazu passt auch, dass es bereits ein Umdenken gab: Zwar wurden die Großfeiern für 2020 und 2021 abgesagt, weil es keinen Veranstalter gibt. Doch nach einigen Diskussionen will die Stadt nun doch, dass das Fest auch im Frühjahr 2020 stattfindet. Dieses Mal als kleines Fest in den Obstplantagen und in den Gärten und Höfen der Stadt, in denen die Werderaner die Gäste zu Obstwein, Schmalzstullen und selbst gebackenem Kuchen empfangen. Das Motto lautet: Zurück zu den Wurzeln.

Bürgermeisterin Manuela Saß zeigte sich erfreut über die rege Bürgerbeteiligung. Immerhin machten 5000 Leute bei der Umfrage mit. „Mit den hohen Teilnehmerzahlen bekommen wir ein stimmiges Meinungsbild der Bevölkerung“, sagte sie. Sie verspricht, dass die Umfrage zur Grundlage für das neue Festkonzept wird. Die Ideen der Bürger sollen nun möglichst schnell in einigen Workshops in ein neues Konzept gegossen werden, damit 2021 wieder ein zentral organisiertes Fest stattfinden kann.

Die Umfrage

  • Teilnehmer: Insgesamt haben sich an der Umfrage zur Zukunft des Baumblütenfestes mehr als 5100 Personen online beteiligt. Mehr als 4000 Leute hätten die Fragen bis zum Ende ausgefüllt und damit abgeschlossen.
  • Wünsche: Die Umfrage ergab einige Wünsche der Werderaner. So wollen sie zum Beispiel mehr Trinkwasserbrunnen in der Stadt und einen Mindestpreise für alkoholische Getränke, um das „Suff-Fest“ zu zähmen.
  • Workshops: Die Ergebnisse der Umfrage werden am 10. Februar öffentlich vorgestellt. Am 12., 13. und 14. Februar werden dann die Eckpunkte für ein neues Konzept in offenen Einwohnerworkshops diskutiert.