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Gäbe es einen Preis für demonstrative Gelassenheit, die Chefs der Berliner Flughäfen hätten ihn sich in den vergangenen Wochen redlich verdient. „Ich schlafe gut, der Blutdruck ist in Ordnung. Was wollen Sie sonst noch hören?“, schnappte Geschäftsführer Rainer Schwarz, als er mal wieder gefragt wurde, ob der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) wie versprochen am 3. Juni um 5.30 Uhr öffnet. „Warum sollte ich nicht cool sein? Der Termin wird gehalten.“ Auch Manfred Körtgen war die Ruhe selbst. „Gelassenheit kann man sich antrainieren“, sagte der für den BER zuständige Manager. Er entspanne sich am Klavier, am liebsten spiele er Mozart und Schumann. Oder er brause mit seinem Motorrad, einer Honda Pan European, los. Die Botschaft war klar. Auch wenn der BER abseits der betriebsnotwendigen Bereiche nicht komplett sein werde: Er wird pünktlich eröffnet. Das war bis vor Kurzem Stand der Dinge.

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Am Dienstag ist diese Gewissheit wie von einem Gewittersturm fortgeblasen. Als Rainer Schwarz um 13.01 Uhr im einstigen Schönefelder Intershop, der heute das Ausstellungszentrum „airportworld bbi“ beherbergt, das Podium betritt, wirkt er wie ausgewechselt. Die Mundwinkel weisen anders als sonst nach unten. „Wir haben Sie zu dieser Pressekonferenz eingeladen, weil wir den Eröffnungstermin nicht halten können“, ist sein erster Satz. Um 13.02 Uhr gibt Schwarz Journalisten offiziell bekannt, was schon kursierte: Die Inbetriebnahme wird verschoben, jetzt soll der BER erst nach den Sommerferien öffnen.

Um Contenance bemüht

„Spätestens in der zweiten Augusthälfte“, wie Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) fordernd nachschiebt. Er zeigt sich „stocksauer“, fragt vor laufenden Kameras, ob die Früherkennung von Problemen und das Projektmanagement funktioniert hätten. „Jetzt müssen wir die Nerven behalten“, sagt Platzeck, sichtlich um Contenance bemüht. Dabei müsste er an Situationen wie diese eigentlich gewöhnt sein. Denn es ist nicht das erste Mal, dass Platzeck mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vor die Medien treten muss, um unangenehme Neuigkeiten zum künftigen Schönefelder Flughafen zu verkünden.

Das Projekt ist eine Geschichte von überzogenen Erwartungen, geplatzten Plänen und anderen Pleiten. Es ist auch ein Projekt der Täuschungen. Das macht neugierig auf das, was als Nächstes kommen mag.

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