Gerade noch hörte man immer wieder diesen Satz, wenn man sich für Clubs und Ausgehen interessierte: Kiew ist das neue Berlin. Die Hauptstadt der Ukraine galt als neue Hochburg der elektronischen Musik. Ein Ort, an den man jetzt auch reiste, um feiern zu gehen oder um aufzulegen als DJ.

Das neue Berlin war mit dem alten verbunden, die Clubszenen beider Städte, daran hat der Krieg nichts geändert. Im Gegenteil. Viele Berliner Clubs, die am Freitag nach einer weiteren, langen Pandemiepause wieder öffnen dürfen, werden das erste Wochenende der Solidarität mit der Ukraine widmen. Sie werden ihre Einnahmen ganz oder teilweise spenden – und ihre Gäste zum Spenden aufrufen.

Die Clubcommission hat einen Aufruf gestartet, „Stand up for Ukraine“, bis Donnerstag haben 30 Clubs erklärt, dass sie mitmachen, oder eigene Kampagnen gestartet, unter anderem Gretchen, Klunkerkranich, Schwuz und Watergate. Das Berghain hat angekündigt, die Einnahmen seiner ersten Nacht nach der Wiederöffnung an Organisationen zu spenden, die sich unter anderem für queere Menschen in der Ukraine einsetzen. Es könnte sein, dass sich noch mehr Clubs beteiligen, sagte Daniel Jakobson von der Clubcommission. Feiern und Solidarität schließen sich nicht aus. „Ein Clubbesuch bedeutet ja nicht, dass den Leuten die Welt um sie herum egal ist.“ Clubs seien Orte der Inspiration, des Austauschs – und auch der Mobilisierung.

Bei der Kampagne der Clubcommission machen auch Menschen mit, die vor zwei Wochen noch in Kiewer Clubs gearbeitet haben – und gerade erst aus dem Krieg nach Berlin gekommen sind. Man denke gemeinsam über weitere Aktionen nach.

Die Rückkehr der Clubnächte wirkt da fast nebensächlich, dabei ist den Läden, die wieder aufmachen, damit ein Kraftakt gelungen nach zwei Jahren der Einschränkungen und großen Einnahmeausfälle. Erst vor anderthalb Wochen entschied der Senat, dass es am Freitag wieder losgehen darf. Selbst bei der Clubcommission sei man überrascht, wie viele tatsächlich an diesem Wochenende schon aufmachen, sagt Daniel Jakobson. Überall habe Personal gefehlt, ganze Teams seien gesucht worden, vom Manager bis zu den Runnern, die das Barpersonal unterstützen. An den Türen gilt übrigens: Man muss geimpft, genesen oder geboostert sein – und zusätzlich den Nachweis über einen negativen Schnelltest dabeihaben, nicht älter als 24 Stunden.