Berlin - Stampfend, tanzend und lachend bewegt sich die Solokünstlerin „Lizzy“ zu wummernden Elektro-Bässen über die Bühne. In flackerndem Licht erkennt man ein Alien-haftes, graues, knielanges und schwer wirkendes Plastikkleid. Es ist übersät mit runden Pads, die etwa so groß sind wie Pfirsiche. Lizzy berührt die Pads abwechselnd mit ihren Händen.

Manchmal leuchten sie, und man erkennt Kabel, die sich wie Schmuck über das Kleid ziehen. Auch aus Armbändern an Lizzys Handgelenken ragen dünne Kabel, die mit den Seiten des Kleides verbunden sind und Lizzy eine Art Medusa-Look verleihen. Es sieht aus wie ein Outfit, das Lady Gaga tragen würde. Nur, dass Lizzy es nicht nur aus modischen Gründen trägt. Es ist ein tragbares Schlagzeug, das sie „Body Pads“ nennt und in dem sie  gleichzeitig spielen und tanzen kann. Es ist ihre eigene Erfindung.

Sie wollte mehr sein als nur eine unter vielen in einer Band, sie wollte weg  aus der hinteren Ecke der Bühne nach vorne ins Rampenlicht. Sie wollte berühmt werden – weit über Berlin hinaus.  Daran arbeitet sie gerade. Larissa Scharnofske alias Lizzy wuchs in einer musikalischen Familie in dem kleinen Ort Gestorf nahe Hannover auf. Vater und Brüder sind auch Musiker.

Studium in Paris und Amsterdam

Bereits als Kind fing sie an, Schlagzeug zu spielen, und mit 19 Jahren verließ sie ihre Heimat, um am Konservatorium von Amsterdam und Paris Jazz-Schlagzeug zu studieren. Lang dauerte es nicht und Scharnofske konnte als Schlagzeugerin ihren Lebensunterhalt verdienen.

Sie machte sich durch Auftritte mit zahlreichen Bands einen Namen und spielte dabei neben Jazz-Musik diverse Genres wie Pop, Elektro, Gipsy und Reggae. Eine Drummerin für alles, könnte man sagen, aber eben im Schatten der anderen. Bis sie 2012 als Solistin mit dem Neuen Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet wurde. Zu diesem Zeitpunkt lebte die Berufstrommlerin schon in Berlin. Die Stadt, die Scharnofske scheinbar brauchte, um sich schließlich selbst zu verwirklichen und die verrückt genug für ihre skurrilen Ideen ist.

Seit zehn Jahren schreibt sie bereits eigene Songs, aber es ist das erste Mal, dass sie diese auch veröffentlicht. In Berlin fand sie die nötigen freakigen Techniker, die ihr dabei halfen, aus Make-up-Döschen von Schlecker richtige spielbare Body Pads zu machen und eine Clubszene, die für ihre von Jazz inspirierte Elektromusik offen ist. Mit einer Crowdfunding-Kampagne konnte Scharnofske zudem in 30 Tagen 7800 Euro einnehmen, die nun in die Weiterentwicklung des Schlagzeug-Kleides und in die Produktion ihres ersten Solo-Albums fließen.

Als Solokünstlerin trat sie in diesem Jahr unter anderem im Maze Club, dem Phono Club, bei den Berlin Music Video Awards im Columbia Theater und beim Music Tech Fest im Funkhaus auf.

„Dass die Leute gerne zu meinen Konzerten kommen, ist wirklich cool“, sagt Scharnofske in ihrem WG-Zimmer in Friedrichshain und blickt nachdenklich zu ihrem Schreibtisch. Hier komponiert die Musikerin am liebsten. In einem minimalistisch eingerichteten Raum ganz in Ruhe und in Eigenregie. Ein Laptop, ein paar Boxen, ein kleines Keyboard und ein Mikrofon reichen. Je einfacher, desto besser, denn Scharnofske mag Strukturen und die Unabhängigkeit.

Das erste eigene Album

Wer alleine arbeitet, kommt schneller voran, so ihre Devise. Gut organisiert und Schritt für Schritt. „Ich möchte meine eigene Musik machen und dass Leute zu den Konzerten kommen, weil sie vielleicht schon mal Lizzy gehört haben. Das erste Album, mehr Konzerte und international bekannt sein, das steht alles in meinem Vision-Book 2016“, sagt Scharnofske beim Sinnieren über die nächsten fünf Jahre. 

Und man hat den Eindruck, dass sie es mit genau diesem Wiedererkennungswert schaffen kann. Die bodenständige Jazz-Virtuosin mit festgesteckten Zielen, die sich abends in die verrückte Solokünstlerin Lizzy verwandelt und als eine Art menschliche Elektro-Jukebox Musik mit Technik und Mode verbindet.