Berlin - Es war höchste Zeit, dass der Berliner Senat den Antrag stellt, die einstige Stalinallee, seit 1961 Karl-Marx-Allee, und das Hansaviertel im Tiergarten auf die Liste des Welterbes zu hieven. Es dürfte kaum Widerstände geben. Der einzigartige Kontrast dieser beiden Viertel zeigt jedem Kind, dass der Kalte Krieg mehr war als das Aufeinandertreffen zweier militärischer Supermächte. Die Komposition der gigantischen Magistrale im Osten und des locker in Grün komponierten Viertels aus Hochhäusern, Riegeln und Einfamilienhäusern demonstriert bis in die kleinste Türklinke hinein die erbitterte Konkurrenz gesellschaftlicher Ideale, politischer Legitimationsstrategien, wirtschaftlicher Modelle. Man sehe sich die aktuelle Ausstellung „Zwei Deutsche Architekturen 1949 - 1989“ im Haus der Statistik an.

In Ost-Berlin begann schon 1951 auf Befehl der SED der Bau der Stalinallee, die mit ihren monumental-historischen Formen die nationale Verankerung der Kommunisten mit Arbeiterwohnungen, aber auch den sozialistischen Neuanfang signalisierte. Das ausgerechnet in der Stalinallee 1953 der Arbeiteraufstand gegen die SED begann, war bis 1989 ihr Trauma. Auch West-Berlin plante seit 1951 ein Vorzeigeprojekt, die 1957 eröffnete Interbau im Hansaviertel. Sie wurde zu einem Symbol des westlichen, stark sozialdemokratisch geprägten „International Style“ und seines Versprechens individueller Freiheit, entworfen von mehr als 50 der international besten Architekten und Gartenarchitekten. Von den etwa 1,3 Millionen Besuchern kam mindestens ein Drittel aus Ost-Berlin, der DDR und dem Ostblock. Die Ost-Moderne, die seit 1959 den II. Bauabschnitt der Stalinallee prägte, war letztlich auch ein Kind des Hansaviertels in West-Berlin.

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