Eigentlich sollte man meinen, in Berlin sei Platz für zwei SPD-Spitzenpolitiker: Michael Müller und Sawsan Chebli. Doch dem ist wohl nicht so.
Foto: Imago Images/Stefan Zeitz

BerlinDass Michael Müller weder als Regierender Bürgermeister noch als Landeschef der SPD die Rolle seines Lebens gefunden hat, ist deutlich geworden. Es war aber nicht zu ahnen, dass seine Amtszeiten mit einem so seltsamen Schauspiel enden würden, wie es sich jetzt zuträgt.

In Charlottenburg-Wilmersdorf sollen die Mitglieder darüber befinden, wer im Wahlkreis für den Bundestag kandidiert – Müller oder seine Staatssekretärin Sawsan Chebli. Auf den ersten Blick ist das ein Erfolg für die Basisdemokratie. Schluss mit Hinterzimmer und so weiter.

Schade bloß, dass die Kreisspitze die Basisdemokratie erst in dem Moment entdeckt, da sie ein Problem nicht lösen will oder kann. Es geht nicht um fairen Wettbewerb. Die Mitglieder müssen richten, dass es der Parteiführung – also auch Müller selbst – nicht gelungen ist, ihr Spitzenteam für das Berliner Superwahljahr aufzustellen.

Einen großen Teil der Verantwortung dafür trägt Müller selbst. Seine Autorität als Landeschef hatte stets ihre Grenzen. Aber wenn es ihm nicht gelingt, seine Kandidatur ohne Kollateralschaden abzusichern, dann stellt sich die Frage, wie er sich überhaupt so lange im Amt halten konnte.

Fragen stellen müssen sich aber auch seine Gegner. Wie kommt es, dass die Genossen in Müllers Heimatkreis Tempelhof-Schöneberg dem ehemaligen Juso-Chef Kevin Kühnert die Bundestagskandidatur antrugen? Zweifellos ist er eine gute Besetzung. Aber wie glaubhaft ist die Partei, wenn Müller 2016 als ihr Spitzenkandidat die Herzen der Berliner erobern soll und 2021 als Wanderpokal durch die Bezirke gereicht wird? Und selbst wenn er sich nun gegen Chebli durchsetzt, geschieht das auf deren Kosten.

Ein ähnlich unwürdiger Umgang gelang zuletzt der Berliner CDU, die ihrem zweifachen Spitzenkandidaten Frank Henkel die Bundestagskandidatur verwehrte. Die SPD hätte sich an besseren Beispielen orientieren sollen.

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